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Donau-Ries

29.05.2015

Ist das Chlorwasser in Marxheim bedenklich?

Chlorwasser kommt aus den Hähnen in Marxheim. Ist es unbedenklich?
Bild: Symbolfoto: Alexander Kaya

Zwei Mediziner verlangen Aufklärung wegen der anhaltenden Desinfektion mit Chlor am Wasserwerk in Genderkingen. Das Gesundheitsamt will den Ursachen für Keime nachgehen.

Man könnte meinen: Die Marxheimer wollten es doch so, als sie sich im März 2010 gegen die Beibehaltung der eigenen Wasserversorgung und für einen Wechsel zu einem Großanbieter aus Nürnberg entschieden. Doch das wäre beileibe zu kurz gegriffen und entspräche kaum der Wahrheit. Die Gemeinde wollte ihre Versorgung wirtschaftlicher und sicherer gestalten als sie zum Wirtschaftsraum Fränkische Wasserversorgung (WFW) wechselte. Dass der Versorger seit geraumer Zeit Chlor zum Wasser hinzufügt, das stand nicht auf der Wunschliste der Bürger.

Dr. Peter Thrul und Paul Hoffer sind sauer. Die beiden Ärzte, die bis vor Kurzem in Marxheim gemeinsam eine Praxis führten, sehen sich und die Bürger getäuscht. „Die Marxheimer Bürger gingen davon aus, dass zwar seit dem Pfingsthochwasser 1999 das Nürnberger Wasser gechlort wurde, dass dieses aber nur vorübergehend erfolge und bald wieder ungechlortes Wasser geliefert würde“, schreiben die Mediziner in einem offenen Brief an Bürgermeister Alois Schiegg und die Gemeinderäte, der unserer Redaktion vorliegt.

Arzt mahnt zur Vorsicht mit Chemikalien

Die Motivation der Ärzte sei zuvorderst die Gesundheit der Menschen – gegenüber unserer Zeitung sagt Thrul: „Ich will keine Panik verbreiten, aber ich will zur Vorsicht mit Chemikalien mahnen.“ Es werde seitens der Versorger stets mit den streng eingehaltenen Grenzwerten argumentiert.

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Es könne ja sein, dass diesen wirklich nachgekommen werde – das Besorgniserregende sei mittlerweile aber der bunte Mix an chemischen Substanzen, welchem die Menschen (nicht nur in Marxheim) mittlerweile gemeinhin ausgesetzt seien. Thrul berichtet, er habe als Arzt schon in den 1980er Jahren Muttermilch-Analysen durchgeführt, das Ergebnis mit den darin gefundenen Chemikalien sei bisweilen erschreckend gewesen. Ihn wundere es angesichts dessen beispielsweise nicht mehr, dass die Zeugungsrate in der westlichen Welt spürbar abnehme.

Doch zurück ins Jahr 2015 nach Marxheim. Der WFW wolle nun, so schreiben Thrul und Hoffer weiter, künftig Chlordioxid zum Wasser hinzugeben. „Ein Etikettenschwindel“, wie Thrul frei heraus findet: Es käme doch eher auf die Chlorkonzentration denn auf die Substanz an. Und darüber sei man in Marxheim zu wenig informiert. Die Ärzte fordern nun die Kommunalpolitiker dazu auf, „auf den WFW einzuwirken, dass auch Marxheimer Bürger ungechlortes Wasser bekommen“.

Des Weiteren solle „regelmäßig im Gemeindeblatt über die Chlorbelastung in unserem Trinkwasser“ informiert werden – „der Vergleich mit der Chlorbelastung für Nürnberger Bürger wäre dabei sinnvoll“. Nicht ohne Grund: Denn wenn das Chlor im Genderkinger Wasserwerk beigefügt wird, so ist die Konzentration am Anfang der Leitung – in Marxheim – höher als am Ende des Kanals in der Frankenmetropole. „Wir kriegen die volle Dröhnung ab“, sagt Thrul.

Bürgermeister Schiegg macht Druck

Bürgermeister Schiegg betont, er mache seit Monaten Druck auf den WFW: „Warum wird, wenn es um Mängel in Pleinfeld geht, das Chlor nicht weiter hinten beigemischt?“ Der WFW selbst berichtet von den Arbeiten am Hochbehälter in dem fränkischen Ort, aufgrund derer man Chlor habe beimischen müssen. Diese sind allerdings seit Ende März beendet. Doch gechlort wird immer noch.

Das bestätigt ein Vertreter des Unternehmens WFW/ n-ergie in einem der DZ vorliegenden Schreiben vom Mittwoch: „Wir warten aktuell auf eine Entscheidung der Gesundheitsbehörden, wie der WFW mit der Desinfektion des Trinkwassers weiter verfahren soll.“ Bis dahin könne man „am Status Quo nichts verändern“. Eine Unternehmenssprecherin entsprach gestern diesem Wortlaut.

Dr. Rainer Mainka ist Leiter des Gesundheitssamtes Donau–Ries. Er bestätigt die Entscheidungsbefugnis seiner Behörde und berichtet von Verkeimungen in der Vergangenheit, die an einigen Stellen des Leitungssystems aufgetreten seien – auch in Genderkingen.

Dies könne aufgrund defekter Rohre, Zerstörungen durch Wurzelwerk oder durchgesickerter Gülle und ähnlichem der Fall gewesen sein. Bis jene Schwachstellen und Ursachen gefunden seien, würde die Chlorung nicht beendet werden. In der kommenden Woche sei ein Treffen mit Vertretern des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) anberaumt – hierbei werde über die weiteren Schritte in puncto Wasserwerk Genderkingen und die Frage der Desinfektion gesprochen. Zeitnah sei auch eine Informationsveranstaltung für die Marxheimer geplant.

Unterdessen beschwichtigt der Behördenleiter: Er betont die Niedrigkeit der momentanen Chlorkonzentration sowie die eingehaltenen und überprüften Grenzwerte, zudem würde das künftig eingesetzte Chlordioxid die Gesundheit noch weniger beeinträchtigen. Auch für Schwangere und Immungeschwächte bestehe keine Gefahr. Die WFW unterstrich gestern die gesundheitliche Unbedenklichkeit gegenüber unserer Zeitung – beide Desinfektionsstoffe, das aktuelle Chlor wie auch künftig Chlordioxid, seien in der Trinkwasserverordnung zugelassen, bei Einhaltung der Grenzwerte (0,3 Milligramm je Liter beim aktuellen Chlor, 0,2 bei Chlordioxid) „völlig unbedenklich“. Der Genuss von Trinkwasser sei, so der Versorger, „ohne jede Einschränkung möglich“.

Außer der Gemeinde Marxheim beziehen in der Region laut Unternehmen noch der Ortsteil Liederberg der Stadt Monheim sowie der Zweckverband Ussalbachgruppe Wasser vom WFW.

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