Donauwörth

09.03.2019

Ist das Jazz?

Jazz & Kunst Das Donauwörther Event war wieder ein voller Erfolg … und experimentell. Ellwood & Reßle zeigten dem Publikum, wie’s auch anders klingen kann

Donauwörth Schon mal was von Helge Schneiders Streifen „Jazzclub – der frühe Vogel fängt den Wurm“ gehört? Ja genau, das ist der Film über Jazzmusiker, die (teilweise zeitgleich) in diversen Clubs spielen und – Achtung – mit eingelegten Pflaumen bezahlt werden.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Oder kennen Sie den? Ein Jazzmusiker hat seine erste Platte auf den Markt gebracht und wird gefragt, ob er schon was verkauft habe. „Klar, den Fernseher, mein Auto, mein Haus, meine Anlage...“ Man sieht schon, nicht selten müssen sich Jazzmusiker mit jeder Menge vorurteilsbeflissenen Klischees herumschlagen. Aber sie haben eine gute Portion Humor – umso erfreulicher, dass sie im Donauwörther Zeughaus von der Bühne auf einen komplett ausverkauften Saal blicken konnten.

„Jazz & Kunst“ heißt die Veranstaltung, die in diesem Jahr sogar ein „kleines Jubiläum“ (Zitat Barbara Sagel) feiern konnte. Bereits zum fünften Mal jährt sich die audiovisuelle Collage aus Musik und bildender Kunst.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Den Anfang machten Ellwood & Reßle, ein Jazzmusiker-Duo aus München. Im letzten Jahr präsentierten Natalie Ellwood und Josef Reßle im ausverkauften Münchner Jazzclub Unterfahrt ihr Release-Album „Three For Two“. Einige Stücke der Scheibe, welche in drei Kategorien gegliedert ist: „The Dance“, „The Journey“ und „The Arrival“, offerierten sie den Donauwörther Zuhörern. Darunter eine neu interpretierte Version von Stings „When we dance“ oder Prince’ „It’s about that walk“. Was den ungewöhnlichen Sound und die teils schrägen Harmonien der beiden herausragenden Musiker ausmacht, ist ihre Liebe zur Improvisation – und davon bitte „so viel wie möglich, das ist das spannende“, schwärmt Josef Reßle.

Aber „ist das noch Jazz?“, fragt Barbara Sagel, die Moderatorin des Abends. „Ja!“, erwidert Reßle prompt. „Jazz ist extrem offen, wir integrieren die Auffassung von Jazz und haben eine offene Art der Herangehensweise.“ Das hört man auch beispielsweise an einem selbst komponierten Song, in welchem es um „Bilder und Nachnamen“ geht, in dem Fall Ellwood, was soviel wie „alter Wald“ bedeutet.

Gekonnt ahmt die Künstlerin Waldgeräusche nach, die geloopt werden und zu einer musikalischen Symbiose verschmelzen, bis Pianist Reßle dezent in das Stück einsteigt, es herausfordert und zusammen mit seiner Partnerin zu einer Reise werden lässt. Was sie zur Konzeption ihres Albums in drei Teile veranlasst habe, fragt die Moderatorin. „Es ist kontrastreich, verträumt, mysteriös und fetzig zugleich, das fanden wir spannend – und es passt zum Leben. The Arrival – man möchte ankommen.“

Angekommen ist auch Roland Schulz, sowohl beim Publikum, als auch bei sich selbst. In seinen Bildern und Skulpturen verbindet er seine Fähigkeiten als gelernter Werkzeugmacher und Werbegrafiker. „Technik und Kunst – passt das?“ „Das passt sehr gut“, lächelt Schulz. „Kunst ist für mich, Menschen zu beobachten. Ein Künstler schafft aus der Seele heraus, bildet nach, was er fühlt und es ist wichtig neugierig und dran zu bleiben, zu üben.“

Viele Stunden haben auch JazzMenCWP investiert, eine Jazz-Combo aus dem Raum Donau-Ries. Die Musiker, allen voran Arndt Pischke am Bass und Helmar Sagel an den Drums, mit Bernd Fischer am Saxofon und Marcus Prügel an den Tasten, liefern hier großes Kino. Gekonnt interpretieren sie ein Stück aus Dave Brubecks 1959 erschienenem Album „Time Out“, Bobby Timmons „This Here“ und Jazz Rock a la „Tune 88“. Es swingt und jazzt gewaltig, was das Publikum zum Mitwippen und Klatschen animiert. Sagels Soli sind imposant, genau wie die Soli von Bassist Arndt Pischke, der es nicht nur versteht, am Kontrabass in die Saiten zu hauen, sondern auch am E-Bass. Darüber hinaus glänzt Bernd Fischer am Saxofon und Marcus Prügel zeigt beim Stück „Capetown“ von den Yellowjackets, was er drauf hat.

Auch Barbara Sagel präsentiert geballte Tontreue und zeigt damit, dass sie nicht nur als Moderatorin gekonnt durch den Abend führen, sondern das Publikum auch mit ihrer einzigartigen Stimme mitreißen kann. „Hammer!“, schüttelt ein Besucher ungläubig und mitgerissen den Kopf. „Das war verrückt und großartig zugleich.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren