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Donauwörth

28.04.2019

Jäger haben das Schwarzwild im Visier

Jagdberater Otto Baur bilanzierte die Abschussergebnisse für Wild im Vergleich mit den Vorgaben des Landratsamtes. Die Hegeschau war Bestandteil der Jahresversammlung der Jäger.
Bild: Helmut Bissinger

Man sieht sich als Anwalt der Wildtiere sowie als Natur- und Waldhüter. Warum gerade jetzt der Druck auf Rehe hoch ist.

Der Wolf, das Verbissgutachten, der Bienenschutz, das Reh als Tier des Jahres und unterschiedliche Auslegungen von verschiedenen Landratsämtern zu jagdlichen Bestimmungen – die Vielzahl der Themen hat die Jahresversammlung des Jagdverbandes Donauwörth geprägt. Über alles stellte Vorsitzender Robert Oberfrank aber das Bekenntnis, dass die Jäger einen wesentlichen Beitrag zum Naturschutz leisteten: „Wir sehen uns in der Verantwortung für das heimische Wild.“

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Die Jäger wissen sehr wohl, dass auf sie ständig neue Herausforderungen zukommen, aber als „Schädlingsbekämpfer“ wollen sie sich nicht ansehen lassen. Sie wollen, wie Oberfrank nicht müde wurde zu betonen, Natur-, Wild- und Waldhüter sein.

„Jagd ist ein altes Kulturgut“

Diese Funktionen der Jäger würden aber nicht von allen anerkannt, bedauerte er bei der von Jagdhornbläsern eingeleiteten Jahreshauptversammlung im Stadel der Alten Brauerei in Mertingen. „Die Jagd ist ein altes Kulturgut“, pflichtete Stimmkreisabgeordneter Wolfgang Fackler (CSU) bei. Ausdrücklich nannte er die mit der Versammlung gekoppelte Hegeschau als notwendig, „als erhaltenswertes Ritual“. Die Hegeschauen waren in den letzten Wochen teilweise in die Kritik geraten.

Jäger haben das Schwarzwild im Visier

Besonders treibt die Jäger das Waffenrecht um. Oberfrank forderte, eine „Bewährungs-Regelung bei Bagatellfällen“. Ein Erfolg sei es, so der Vorsitzende, dass medizinisch-psychologische Massentests für legale Waffenbesitzer verhindert werden konnten. Die Forderungen an die Jäger „sind massiv“, sagte er, andererseits werde bei Kleinigkeiten der Jagdschein entzogen.

Warnung vor falscher Tierliebe

Weil sich die Jäger mehr und mehr auch als Naturschützer verstehen, plädierte Oberfrank dafür, das Wild in der Notzeit weniger Druck auszusetzen. Von Ende April bis Anfang Juni erreichten die Brut- und Setzzeiten in Feld und Wald ihren Höhepunkt. Oberfrank warnte aber vor falscher Tierliebe. „Manchmal liegt die Kinderstube unserer Wildtiere an viel begangenen Wegen oder in unmittelbarer Nähe zu Ortschaften.“ Da müsste Abstand gehalten werden. Hundehalter wiederum, müssten in der Nähe von Wildtieren ihre Vierbeiner an der Leine führen.

Und noch eines: Mit aller Entschiedenheit müsse gegen die Wilderei vorgegangen werden. Der Vorsitzende: „Das ist kein Kavaliersdelikt, aus Gründen des Tierschutzes und der öffentlichen Sicherheit.“

Rund 600 Mitglieder

Albert Reiner, Vize-Vorsitzender, zeigte auf, was der Verband 2018 alles für seine knapp 600 Mitglieder angeboten und geleistet hatte. Den Kassenbericht gab Ulrike Brauner, die auch davon berichtete, dass es immer mehr engagierte Jägerinnen im Jagdverband gibt.

Die Jäger haben sich schwergetan, den vom Landratsamt vorgegeben Abschuss von Geißen und Kitzen zu erfüllen. Der Grund: Weil der vergangene Herbst viele Eicheln, Buchecker und Blattäsung gebracht hatte, liegen zahlreiche Waldfrüchte noch am Boden. 378 Rehe, das sind zehn Prozent des Gesamtabschusses, kamen bei Verkehrsunfällen zu Schaden, wie Jagdberater Otto Baur bilanzierte.

Weiter intensiv bejagen

Beim Schwarzwild habe man, so Baur, die Bestände im Hinblick auf die befürchtete afrikanische Schweinepest drastisch reduziert. 938 Tiere wurden abgeschossen. Der Jagdberater forderte die Jäger auf, das Schwarzwild auch weiterhin intensiv zu bejagen, weil „wir befürchten, dass die Bestände aufgrund des relativ milden Winters sprunghaft ansteigen“.

Kaum verändert haben sich die Abschusszahlen bei Nieder- und Raubwild. Erlegt wurden 630 Feldhasen, 1055 Füchse, 96 Marder, 291 Dachse, 314 Graugänse, 923 Stockenten, 260 Elstern, 250 Eichelhäher und 700 Rabenkrähen. Baur warnte vor Füchsen, die „ein starker Überträger von Parasiten“ seien. Sie seien es auch, die ihrerseits Feldhasen bejagten.

Vorsitzender Oberfrank untermauerte im Beisein von Bezirksvorsitzendem Fred Steinberger die Bereitschaft der Jäger, Verantwortung zu übernehmen, appellierte aber, „dass dies auch andere Interessengruppen tun“. Schließlich forderte er, die Gebühren für die Trichinenuntersuchung und die Verkehrssicherung abzuschaffen.

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