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Landkreis Donau-Ries

04.01.2019

Jäger in Sorge wegen Schweinepest

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Bild: Alexander Kaya

Die Themen, die die Jagdgenossenschaften heuer besprachen, bergen eine gewisse allgemeine Brisanz.

Der Saal war voll bei der Mitgliederversammmlung der Arbeitsgemeinschaft für Jagdgenossenschaften. Kein Wunder, denn die Themen, die besprochen wurden, sie waren mitunter ziemlich brisant.

Landrat Stefan Rößle gab im Hinblick auf das vegetationsgutachten gleich zu Neginn bekannt, dass die Jagdvorstände und Revierinhaber die Ergebnisse mitgeteilt bekommen – und im Rahmen der Hegeversammlungen sinnvolle Abschusszahlen ausgehandelt werden sollen. BBV-Kreisobmann Karlheinz Götz freute sich indessen, dass zahlreiche Jagdgenossenschaften Mitglied im Bauernverband sind. Damit hätten auch die Jagdgenossenschaften „eine starke politische Vertretung“. Auch Götz appellierte an die Jagdvorstände mit Hilfe der Aussage aus dem Vegetationsgutachten intensive Gespräche mit den Jägern zu führen, getreu nach dem Motto: „Wald vor Wild und nicht Wald ohne Wild.“ Ein angepasster Wildbestand sei auch im Hinblick auf den Klimawandel und dem damit begonnenen Waldumbau, der über Generationen geht, äußerst wichtig.

Mehr Jagd auf Schwarzwild bei Auftreten der Schweinepest?

Götz würdigte das Engagement der Jägerschaft in der Schwarzwildbejagung. Gleichzeitig forderte er die Untere Jagdbehörde am Landratsamt auf, jetzt schon festzulegen, mit welchen Jagdmethoden beim Auftreten der afrikanischen Schweinepest die Schwarzwildbejagung intensiviert werden kann.

Forstdirektor Peter Birkholz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ging in seinem engagierten Vortrag auf das Vegetationsgutachten 2018 ein. Auch wenn er noch keine konkreten Zahlen benennen konnte, gab er einen Überblick über den Umfang des Verbisses im Landkreis. Man könne zum Vegetationsgutachten stehen wie man wolle – bei einer langfristigen Betrachtung könne man sehr wohl einen positiven Trend erkennen, wenn die Hegegemeinschaft gemeinsam mit ihren Jagdpächtern unter Beachtung des Vegetationsgutachtens die natürliche Waldverjüngung umsetzte.

Besondere Baumvielfalt im Landkreis Donau-Ries

Er weist aber auch darauf hin, dass die „nackten“ Zahlen allein keine große Aussagekraft hätten. Wichtig sei, dass die Beteiligten ihren Wald und vor allem die Zusammensetzung des Baumbestandes genau kennen und danach die Abschusszahlen festlegen. Aufgrund der unterschiedlichen Böden nehme der Landkreis Donau-Ries bayernweit eine Besonderheit in der Baumartenvielfalt ein. Diesen „Schatz“ gelte es gemeinsam zu bewahren.

Klimawandel: Herausforderung für den „Waldumbau“

Birkholz beklagte auch den Klimawandel und die damit verbundenen großen Herausforderungen im Waldumbau, weil dadurch zunehmend neue Schädlinge, wie Eichenprozessionsspinner, lange Trockenphasen und heftige Stürme zu allen Jahreszeiten auf die Waldbauern zukommen könnten. Hier könne der Waldumbau nur bei einem Standort angepassten Wildbestand funktionieren. Diese Herausforderungen müssten alle Beteiligten beherzigen und die richtigen Beschlüsse fassen.

Das Auftreten der afrikanischen Schweinepest (ASP) in Belgien war unterdessen ein Schock. Der wirtschaftliche Schaden sei nur deshalb nicht immens gewesen, weil der Ausbruch in einer Gegend war, in der nicht so viele Schweine gehalten wurden. Dennoch gab es in Belgien große Handelsrestrektionen.

Am Beispiel Belgiens zeigte Dr. Thomas Kellner vom Veterinäramt Donauwörth auf, wie schnell die ASP sich ausbreiten kann. Dabei spiele die Ansteckung von Tier zu Tier nur lokal eine Rolle. Größere Entfernungen lege die ASP durch den Menschen zurück. Nachdem das Virus in verarbeiteter Wurst und in Fleischwaren sehr lange überlebensfähig sei, spiele der Reiseverkehr, ausländische Arbeitskräfte oder auch das Militär eine große Rolle bei der schnellen Verbreitung. Denn das Virus werde über achtlos weggeworfene Brotzeiten, die die Menschen mitbringen, weiter verbreitet.

Das Landratsamt bittet die Hegegemeinschaften mindestens zwei Personen zu benennen, die im Ernstfall mithelfen können, die gefundenen Schweine aus dem Wald zu bringen.

Um ein Ausbrechen der ASP in einem Schweinebestand zu verhindern, sollten alle Schweinehalter ihre Biosicherheitsmaßnahmen überprüfen und gegebenenfalls nachbessern. Ziel sollte es daher sein, schon jetzt eine weitere Intensivierung der Schwarzwildbejagung anzustreben, so Kellner.

Die öffentliche Diskussion um „vermähte“ Rehkitze im Frühjahr entflammt indessen immer wieder neu. Um dem entgegen zu wirken, haben sich die Jagdgenossenschaften Gosheim und Wemding, mit ihren Jägern und Landwirten zu einem Förderverein zusammengeschlossen. Über diesen Förderverein wurde eine Drohne mit Wärmebildkamera angeschafft. Mit dem Octocopter und Wärmebildkamera werden im Frühjahr die Wiesen vor der Mahd überflogen. Rehkitze, die noch keinen Fluchttrieb entwickelt haben, können so erkannt und vor dem Mähtod gerettet werden. Jetzt gilt es, genügend Piloten zu finden, die den Octocopter sicher steuern können.

Ehrungen: Alle drei Jahre ehrt der BBV verdiente Jagdvorsteher: Hans Kornmann (26 Jahre in Appetshofen/Lierheim), Otto Baur (23 Jahre in Marxheim), Helmut Treffer (20 Jahre in Daiting), Theo Rebele (18 Jahre in Wolferstadt) und Ulrich Schildenberger (18 Jahre in Bollstadt). (dz)

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