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Donau-Ries

22.03.2014

Jagd: Ein Waldbesitzer kämpft für das Wild

Fürst Moritz zu Oettingen-Wallerstein, der 1. Vorsitzende der Kreisgruppe Nördlingen im Bayerischen Jagdverband.
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Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein spricht vielen Jägern aus dem Herzen. Seine Philosophie lautet: „Wald und Wild anstatt Wald vor Wild“. Für den Staatsforst geht es nach seiner Meinung nur noch um Erlöse und den Waldumbau – Rehe würden da nur stören.
Bild: Szilvia Izsó

Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein betrachtet mit Sorge den Rückgang des Rehwildes. Den Staatsforsten wirft er einen „Vernichtungsfeldzug“ vor. Er warnt vor weiteren Risiken.

Irgendwann ist es ihm zu viel geworden, irgendwann konnte er die gebetsmühlenartigen Klagen von Waldbesitzern und Landwirten nicht mehr hören, dass Waldbau eigentlich nur ohne Rehwild und Maisanbau in den Feldern eigentlich nur ohne Schwarzwild richtig möglich sei. Dass dem viel beschworenen Klimawandel nur durch Umbau der Wälder begegnet werden kann, wie ihn sich die Ministerialbürokratie vorstellt, möglichst ohne Nadelbäume und mit vielen Auflagen und Verordnungen. Traditionsbetriebe wie sein Haus hätten eine längere Betrachtungszeit als jene Professoren, die ihre Waldbau-Thesen ohne ethischen Ansatz verbreiteten.

Also lud Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein, dessen Waldbesitz vornehmlich im Ries 10 000 Hektar umfasst, vor einiger Zeit Vertreter zahlreicher Interessensgruppen ein, um ihnen in seinen Wäldern die Philosophie der Fürstlichen Forstbetriebe zu vermitteln: „Wald und Wild anstatt Wald vor Wild“. Denn schließlich, sagte er, würden seine Bäume, von denen er und seine Familie seit Generationen leben, genauso in den Himmel wachsen wie in den Nachbarrevieren der Staatsforsten, „die am liebsten einen reh-reinen Wald hätten“.

Sorge über Rückgang des Rehwildes

Mit Sorge betrachtet der Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbandes den zunehmenden Rückgang des Rehwildes. „Wald und Wild bedingen einander und bilden einen Lebensraum. Je größer der Jagddruck ist, desto mehr verbeißen die Rehe junge Triebe.“ Doch in den Gehörgängen der Forstbeamten und Professoren habe sich längst der „ideologische Holzwurm“ eingenistet, es gehe nur mehr um Erlöse und Waldumbau. Rehe würden da nur stören.

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Der Sarkasmus des Adligen spricht vielen Jägern aus dem Herzen. Entlang der Grenzen der Staatsforsten oder privaten Blauwald-Forstbetrieben sehen sie kaum noch Rehe, wie auch der Vorsitzende der Kreisjägergruppe Dillingen, Helmut Jaumann, beklagt: „Viele Pächter können den vorgeschriebenen Abschuss nur mit größter Mühe erfüllen, weil das Rehwild immer stärker abnimmt. Die Losung Wald vor Wild ist das Todesurteil für die Tiere.“

Auch in Schwaben revierübergreifende Drückjagden

Seit vielen Jahren finden auch in Schwaben revierübergreifende Drückjagden statt. Ursprünglich darauf angelegt, die Schwarzwild-Population in den Griff zu kriegen, nutze der Staat inzwischen die Gelegenheit, „jedes Reh, das den Kopf rausstreckt, abzuknallen“, wie es Jaumann drastisch formuliert.

Eigenen Angaben zufolge wurden Anfang Januar im Staatsrevier „Untere Hölzer“, das zum Forstbetrieb Kaisheim gehört, 54 Stück Rehwild, aber nur 29 Schwarzkittel erlegt, im Staufener Forst (Weißenhorn) im November 60 Rehe und 13 Wildschweine.

Einen „Vernichtungsfeldzug“ der Staatsforsten sieht der Wallersteiner Fürst auch im Oberland. „Unter dem Deckmantel der Schutzwaldsanierung und der Bergwaldoffensive wird Feuer frei auf alles gegeben, was da umherrennt – ob Rotwild oder Gams. Und im Winter gibt es keine Fütterungen mehr. Die Tiere sollen verhungern.“ Für den bekennenden Katholiken ein eklatanter Verstoß gegen den Schöpfungsgedanken.

Bürokratisierung der Jagd ein Dorn im Auge

Die zunehmende Bürokratisierung der Jagd, die mit Fallenverbot, Verbot der Jagd auf Vögel mit Schrot oder Wildfütterungsverbot nach dem Willen der Naturschützer ihren Niederschlag in der Novellierung des baden-württembergischen Jagdgesetzes finden soll, ist ihm ein weiterer Dorn im Auge: „Das wird entlang der Landesgrenzen auch negative Konsequenzen für bayerische Reviere haben.“ Gleichzeitig wettert er gegen das Ansinnen, Flächen in Wäldern stillzulegen, weil es dann nur eine Frage der Zeit sei, dass dort auch kein Jagdrecht mehr ausgeübt werden dürfe. Eine Entwertung des Eigentums von Grund und Boden nennt er das.

Kein bequemer Mann

Fürst Moritz ist kein bequemer Mann. Der hochgewachsene blaublütige Grünrock macht mit Kritik auch nicht vor den eigenen Leuten halt: Er appelliert immer wieder an sie, den professionellen Umgang mit der Waffe intensiver zu üben, um den Tieren unnötiges Leid zu ersparen. Trotz aller Streitbarkeit will Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein vor allem ein Mediator sein, weil er gewissermaßen selbst in allen Lagern zu Hause ist: in dem der 45 600 Jägerinnen und Jäger in Bayern, in dem der Waldbesitzer, der Grundbesitzer und des Bayerischen Bauernverbandes: „Ich trage Hüte für alle, und deshalb werbe ich dafür, dass diese Interessensgruppen miteinander reden, anstatt sich in der Öffentlichkeit zu bekämpfen.“

Zumal immer neue Probleme hinzukämen: „Wenn Wölfe und Luchse wieder in großem Stil angesiedelt werden, hat sich die Jagd auf Dam-, Reh- oder Muffelwild erledigt. Weil sie dann gefressen sind.“ Und dann kommt er zu seinem Lieblingsbeispiel: „Der Biber darf jede Menge Festmeter Holz vernichten, aber wehe, wenn das Reh einen Trieb anknabbert.“

Keine guten und bösen Tiere

„Selektive Wahrnehmung grüner Verbände“ nennt er das. Aber die Schöpfung lasse sich nun mal nicht in gute und böse Tiere aufteilen, nach dem Motto: Der schützenswerte Raubvogel und der lästige Rothirsch.

Heute und am nächsten Samstag hat der 67 Jahre alte Fürst aus dem Ries aber nur einen Hut auf – den grünen Jägerhut. In Kempten bewirbt er sich nämlich erneut um das Amt des schwäbischen Bezirksvorsitzenden und eine Woche später in Altötting um den Posten des Vizepräsidenten des Bayerischen Jagdverbandes, den er seit dem Jahr 2006 inne hat.

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