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Mertingen 

08.12.2019

Jedes Licht für ein totes Kind

Kerzen erinnern beim weltweiten Lichtertag an verstorbene Mädchen und Buben. In Mertingen soll in der selben Absicht am 16. Dezember das Friedenslicht in St. Martin weitergegeben werden. 
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Kerzen erinnern beim weltweiten Lichtertag an verstorbene Mädchen und Buben. In Mertingen soll in der selben Absicht am 16. Dezember das Friedenslicht in St. Martin weitergegeben werden. 
Bild: Marcus Brandt/dpa

Exklusiv Heute setzen verwaiste Eltern weltweit wieder ein Zeichen. Auch Familie Lux. Sie haben ihre fünfjährige Tochter Lana auf tragische Weise verloren.

An jedem zweiten Sonntag im Dezember brennen in den Fenstern unzähliger Häuser dieser Welt Kerzen. Nicht weil es Advent ist. Nicht, um Gemütlichkeit in die dunkle, kalte Jahreszeit zu zaubern. Jede einzelne Kerze steht für ein totes Kind. Beim „Worldwide Candle Lighting“ – heuer am 8. Dezember – sind Eltern, Geschwister, Großeltern, Tanten, Onkel, Freunde rund um den Globus in einer großen, gemeinsamen Trauer vereint. Aber auch im Gefühl, mit ihrem Schmerz nicht allein zu sein. Sie können ihre Kinder nicht zurückholen, aber sie wollen sie vor dem Vergessen schützen.

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Aus demselben Wunsch heraus werden heuer zum ersten Mal auch ganz viele Kerzen in Mertingen entzündet – wenige Tage nach diesem weltweiten Gedenktag, nämlich am Montag, 16. Dezember. Verwaiste Eltern, Angehörige und Wegbegleiter sind dann eingeladen, bei einem Wortgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin zusammenzukommen, verbunden durch das gemeinsame Schicksal.

Sie wollen beieinander sein, wollen sich Halt geben, wollen miteinander reden oder auch nur gemeinsam schweigen. Und wer möchte, kann den Namen seines verstorbenen Kindes vorlesen lassen. Für wen sich das zu schmerzhaft anfühlt, der kann ihn aber auch einfach nur still im Herzen tragen.

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Lana Sophie starb im Alter von fünfdreiviertel Jahren. 
Bild: Lux

Initiatoren dieser Feier sind Sandra (49) und Eric Lux (51) aus Mertingen, die ihre Tochter Lana im Alter von fünfdreiviertel Jahren verloren haben. Es ist ihnen ein großes Bedürfnis, den Tod des Mädchens damit zu würdigen – für ihre eigene Trauerbewältigung. Aber sie wollen auch viele andere Menschen dazu einladen, denen es ähnlich geht wie ihnen. Seit dem Sterben der knapp Sechsjährigen im August 2018 hat sich das Leben der Familie von einem Tag auf den anderen dramatisch verändert. Über allem liegt seitdem der Schmerz über den nicht begreifbaren Verlust.

Lanas Sterben passierte aus heiterem Himmel. Es begann in einem jener ausgelassenen Momente ihres Lebens, das für das impulsive, fröhliche Mädchen ohnehin ein einziges „Dideldum, Dideldei“ war, wie ihre Eltern beschreiben.

Lana klagte über Kopfschmerzen und Übelkeit

In der Nacht nach einer sommerlichen Grillparty klagt Lana über Kopfschmerzen und Übelkeit und erbricht sich mehrfach. Obwohl Sandra und Eric Lux sich intensiv um ihre Tochter kümmern – Sandra ist Kinderkrankenschwester –, verliert sie zusehends die Orientierung und schließlich das Bewusstsein. Der Notarzt ist ratlos und lässt Lana sofort nach Augsburg ins Kinderklinikum bringen, wo Sandra selbst 26 Jahre lang gearbeitet hat.

Dort spitzt sich die Situation in kürzester Zeit dramatisch zu. Die Atmung wird instabil, blutiger Schleim tritt aus, das Mädchen hat Krampfanfälle und bekommt einen Herzinfarkt. Eine Operation ist nicht mehr möglich. Schließlich stellen die Ärzte bei Lana den Hirntod fest. Eine Gefäßerweiterung oder Gefäßmissbildung (Aneurysma) hat zur tödlichen Hirnblutung geführt. Es ist der 6. August 2018.

Sandra Lux begreift, dass es keine Hoffnung mehr gibt

Sandra und Eric Lux hatten irgendwann den Behandlungsraum verlassen müssen und warten bangen Herzens auf dem Flur. „Ich wusste, dass es schlimm ist“, erzählt Eric Lux, „hätte aber nicht gedacht, dass wir sie verlieren würden. Es hat ja kein Vorzeichen gegeben, es ist kein Sturz oder etwas Ähnliches passiert.“ Sandra Lux begreift mit ihrem medizinischen Sachverstand eher, was die Ärzte ihr und ihrem Mann kaum zu sagen wagen: Dass es nämlich keine Hoffnung mehr gibt. „Wir hatten das Gefühl, die Welt steht still“, erinnert sie sich.

Sehr schnell entscheiden sich die Eltern für die Organspende. Lanas Tod darf nicht sinnlos sein“, so ihre Überzeugung. So helfen sie trotz ihres Leids, anderen Kindern eine Überlebenschance zu geben.

Eine tiefe Lücke klafft

Ein Jahr und vier Monate sind seit Lanas Tod vergangen. Das Leben der Familie Lux – Sandra, Eric und Lanas ältere Schwester Lenja – ist nicht mehr so wie es war. Eine tiefe Lücke klafft. Und doch wollen sie den Schmerz zulassen und reden gern und viel über Lana. Sie wollen die Erinnerung an ihr Kind bewahren. „Ich versuche, viel mit ihr und über sie lachen zu können“, sagt Sandra Lux.

Jetzt ist es ihr Wunsch, zusammen mit anderen Eltern Lichter für viele verstorbene Kinder anzuzünden. Sandra Lux – auch ihr Nachname bedeutet, aus dem Lateinischen stammend, „Licht“ – holt dazu das Friedenslicht im Augsburger Dom nach Mertingen. Die Pfadfinder bringen es aus Bethlehem.

Gemeinsame Aktion für betroffene Familien

Betroffene Familien, die kommen möchten, sind herzlich dazu eingeladen. Sie werden gebeten, eine weiße Kerze für ihr Kind zum Gottesdienst mitzubringen, um sie dann am Friedenslicht zu entzünden. „Jeder ist uns willkommen“, sagen Sandra und Eric Lux, „ganz egal, woher er kommt und wie alt das verstorbene Kind war. Angehörige sind genauso angesprochen wie Wegbegleiter aller Art. Wir wollen sie spüren lassen: Ihr steht mit eurer Situation nicht alleine da! Vielleicht macht das die Endgültigkeit unserer Schicksale ein wenig leichter …“

  • Info Der Lichtergottesdienst für verstorbene Kinder findet am Montag, 16. Dezember, um 19 Uhr in der Pfarrkirche Sankt Martin (Hilaria-Lechner-Straße 2-4) in Mertingen statt. Musikalisch wird er umrahmt vom Druisheimer Kirchenchor „Cantare“ und der Gitarrengruppe „daCapo“. Wer sein Kind namentlich nennen lassen möchte, oder Fragen hat, meldet sich bei Eric Lux, Telefon 01745237030, oder am Tag selbst direkt vor dem Gottesdienst.
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