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Harburg

12.02.2021

Junger Mann betreibt Drogen-Gewächshaus im Wald bei Harburg

Der Fall eines jungen Mannes, der bei Harburg Cannabis anbaute, wurde vor dem Amtsgericht in Nördlingen verhandelt.
Foto: Wolfgang Widemann

Plus Ein junger Mann baut bei Harburg Cannabispflanzen an. Bei einem Prozess vor dem Amtsgericht Nördlingen liefert er seine Begründung dafür.

Ein Drogenhändler sei er „auf keinen Fall“, wehrt der junge Mann auf der Anklagebank ab. Nein, er brauche das Marihuana, um seine chronischen Kopfschmerzen zu lindern. Die habe er seit eineinhalb Jahren. Das Rauchen eines Joints sei das Einzige, was gegen das gesundheitliche Problem helfe. Ein Arzt, der den Stoff verschreibe, sei „in Bayern schwer zu finden“. Deshalb baute der 21-Jährige in einer Art Gewächshaus nahe Harburg selbst Cannabispflanzen an – was in Deutschland strafbar ist. Die Polizei hob im September 2020 die kleine Plantage aus. So kam zu den Kopfschmerzen eine Strafanzeige, die jetzt einen Prozess vor dem Jugendschöffengericht in Nördlingen zur Folge hat. Dem Angeklagten droht eine saftige Strafe, denn er ist kein unbeschriebenes Blatt.

Er kommt aus schwierigen Familienverhältnissen. Die Eltern trennten sich kurz vor oder nach seiner Geburt. Genau wisse er das nicht. Nicht einmal das Alter seiner Eltern kann der 21-Jährige dem Gericht unter Vorsitz von Gerhard Schamann nennen. Seine Kindheit verbrachte der junge Mann, der weder Ausbildung noch Job hat, bei Pflegeeltern, in einer Jugendeinrichtung und in einem Heim für verhaltensauffällige Kinder. Mehrmals kam er mit dem Gesetz in Konflikt.

Das Paar wollte im Wald bei Harburg einen Joint rauchen

Inzwischen lebt er mit seiner Freundin zusammen. Das Paar spazierte an jenem Tag im September gegen Mittag zu der Plantage im Wald bei Harburg, um die Pflanzen zu pflegen und dort auch einen Joint zu rauchen. Was die jungen Leute nicht ahnten: Eine Woche zuvor war die Polizei auf das aus Zweigen und Folie konstruierte Gewächshaus aufmerksam geworden. Ein Zivilfahnder beobachtet fortan immer wieder die Örtlichkeit – und erwischte das Paar. „Oh Sch …“, war der erste Kommentar des 21-Jährigen, nachdem sich der Beamte zu erkennen gegeben hatte.

In der Wohnung entdeckten die Gesetzeshüter Marihuana und ein Terrarium, in dem der junge Mann die Cannabispflanzen aufzog, ehe er sie in den Wald setzte. Dort standen im September zwölf Pflanzen, die zwischen 15 und 50 Zentimeter hoch waren. Die daraus zu gewinnende Rauschgiftmenge sei nicht ganz so gering, merkt Richter Schamann an.

Der Staatsanwalt wertet das Geständnis des Angeklagten positiv

Staatsanwalt Dennis Schreiber wertet das Geständnis des Angeklagten positiv. Minuspunkte habe dieser durch die hohe Rückfallgeschwindigkeit gesammelt. Er war zuletzt im Dezember 2019 wegen Drogendelikten verurteilt worden. Schreiber fordert eine zwölfmonatige Jugendstrafe zur Bewährung, zwei Wochen Dauerarrest und eine Geldauflage von 1500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. Verteidiger Michael Jaumann plädiert auf eine Bewährungsstrafe unter einem Jahr. Das Gericht verurteilt den 21-Jährigen zu einem Jahr zur Bewährung und stellt ihm einen Bewährungshelfer zur Seite. Mit diesem solle der junge Mann eine Lösung finden, die Kopfschmerzen auf legale Weise zu bekämpfen: „Sie müssen einen Arzt finden, der darauf spezialisiert ist.“

Hinzu kommen 120 Stunden gemeinnützige Arbeit, die – falls der Verurteilte wieder eine Stelle findet – in eine Geldstrafe umgewandelt werden kann.

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