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Kabarett
08.11.2018

Schnelle Scherze

Martin Zingsheim macht sich im Thaddäus über einen neuen Trend lustig

Freunden des Kabaretts könnte dieser Name schon einmal begegnet sein. Zingsheim, Martin – Stand-up-Comedian, zu Hause im Rheinland, seit Jahren viel unterwegs, gelegentlich in Bayern, aber doch schon viermal Gast auf der Kleinkunstbühne des Thaddäus in Kaisheim. Wenn Zingsheim in Bayern ist, dann, um Preise abzuholen, im Schlachthof aufzutreten oder eben bei Jürgen Panitz in Kaisheim.

Der junge Kölner hat viel im Kopf und dazu eine sehr flinke Zunge. „Mal heiter, mal bös, aber immer elegant“, sagen andere Kabarettisten über Zingsheim. Zwei Stunden lang servierte der „Junge Wilde“, wie er in Laudationes zu Auszeichnungen („Salzburger Stier“, Förderpreis Deutscher Kleinkunstpreis) oft genannt wird, Sprachakrobatik. Damit ist Wortwitz und Ironisches auf höchstem Niveau ohne Effekthascherei gemeint.

Tatsächlich gibt es Leute, die zu seinen Auftritten kommen, weil sie einen nostalgisch schönen Schlagerabend erwarten. Das liegt daran, dass sie den Titel seines Programms nicht richtig gelesen haben. Dieser lautet „Aber bitte mit ohne“ und nicht „Aber bitte mit Sahne“. Genau hinschauen und hinhören lohnt sich aber bei dem 34-Jährigen. Wo andere Pointen abliefern, die serienweise unter der Gürtellinie sind, glänzt Zingsheim in seinem siebten Soloprogramm mit niveauvoll Hintergründigem, über das die Besucher oft auch zweimal nachdenken müssen. Genau deswegen ist bei ihm der Begriff Kabarett angebracht und wäre die Bezeichnung Comedy verfehlt.

Wie es der Name seines Programms aussagt, geht es um Reduzierung und die Konzentration auf das Wesentliche. Das zog der Künstler geschickt als roter Faden durch den gesamten Abend – nur er und ein Mikrofon, sonst nichts. Sein erster Tipp des Abends lautete: „Schaffen Sie sich Kinder an, notfalls auch eigene. Denn Kinder helfen einem am besten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – auch finanziell.“ Ein selbstironischer Gag aus dem Mund eines Vaters. „Auch Männer werden häufig überschätzt“, führte Zingsheim die Selbstironie fort. Ihn wundere es daher nicht, dass innerhalb kurzer Zeit drei seiner weiblichen Bekannten lesbisch geworden sind. Die Zuschauer forderte er auf: „Schauen Sie sich doch bitte mal hier um. Von Herman van Veen bis Klaus Kinski ist heute alles dabei.“

Er selber wollte ursprünglich mal Gangster-Rapper werden. „Aber dann kamen mir Abitur und der Respekt vor Frauen dazwischen“, sagte der Künstler. Religion und Karneval vergleicht er miteinander – „überall Narrenrufe“. Zu Karneval hat der Kölner ohnehin seine eigene Meinung: „Wenn alle hackedicht unter dem Tresen liegen, nennt man das Brauchtum.“ Und zur Religion: „Der Katholikentag ist der Dschihad für Weicheier.“ Aktuell kommt Friedrich Merz genauso vor wie die Taliban, die oft mit Harry Belafonte und dessen Banana-Boat-Song von „Mister Taliman“ verwechselt würden.

Zingsheim ballert dem Zuhörer seine Geistesblitze und wortspielerischen Gedankenmedleys im Stakkato um die Ohren. Seine Scherze kommen schnell. Aber bei ihm muss anscheinend alles flott gehen: gerade mal 34, aber schon vier Kinder, schnelle Familienplanung. Einfallsreich, sprunghaft, virtuos und originell hat er ein dankbares Publikum bestens unterhalten.

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