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Kaisheim

08.04.2019

Kabarett in Kaisheim: Der Grantler und der Tiefgründige

Christian Springer fragte im Thaddäus nach den Werten im Leben – und kam auf ganz erstaunliche Antowrten.
Bild: Foto: Daniel Weigl

Kabarettist Christian Springer zeigt auf der Kleinkunstbühne Thaddäus in Kaisheim seine zwei Seiten

Thaddäus-Wirt Jürgen Panitz musste an diesen Abend ungewöhnlich viel Tee in die Künstler-Garderobe neben der Bühne bringen. Grund war der leicht kränkelnde Christian Springer. Gesundheitlich angeschlagen, aber dennoch gewohnt schlagfertig zog der Kabarettist sein Programm „Alle machen. Keiner tut was“, auf der Kleinkunstbühne Thaddäus in Kaisheim durch.

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Was sind unsere wichtigsten Werte, fragte Springer das Publikum und gab darauf selbst – natürlich gepaart mit einem kräftigen Schuss Ironie – die Antwort: „Unser wichtigster Wert ist der Blutdruck. Ohne Blutdruck gibt es keine anderen Werte.“ Ein in Bayern zweiter essenzieller Wert sei der Promillewert. Wobei hier schon die erste Hürde für asylsuchende Moslems aufgebaut werde.

Fantasie und Kreativität

Zwei wichtige Schlagworte gehen dem Münchner bei aller Diskussion um die bayerische Leitkultur aber gänzlich verloren: Fantasie und Kreativität. Springer fordert sein Publikum. Von subtilen Brüllern bis hin zu ernsten, tiefgründigen Geschichten hat der 54-jährige alles dabei. So erklärt er, dass beispielsweise die Medizin ohne Kreativität nicht existieren würde, gleichzeitig es ohne Fantasie keine Datenschutzgrundverordnung gäbe. „Also gegen diese Person, die sich das ausgedacht hat, ist Picasso ein Beamter.“

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Zwar kündigte Springer an, er wolle nicht mehr eineinhalb Stunden lang pausenlos auf Politiker eindreschen, eine Geschichte ging dem bayerischen Grantler aber dennoch gewaltig auf die Nerven. Als Gesundheitsminister Jens Spahn nach Aufforderung in einer Polit-Talkrunde eine Hartz-IV-Empfängerin besuchte. Schon allein die Frage, welches Geschenk er mitbringen solle, habe laut Springer in der Bundesregierung eine ganze Taskforce beschäftigt. „Der Spahn soll etwas gegen die Armut tun einer Hartz IV-Empfängerin keinen Obstkuchen mitbringen, nur weil das Fernsehen dabei ist,“ schimpft der Münchner. So kennt man den Springer. Und so bekamen auch Markus Söder, die Verantwortlichen der Diesel-Affäre und das „Twitter-Monster“ Donald Trump ihr Fett weg.

Ernstes Thema: Syrien-Krieg

Ernst wurde Christian Springer beim Thema Syrien-Krieg. Denn der „Fonsi“ ist nicht nur ein hervorragender Kabarettist, sondern auch ein ausgewiesener Nahost-Experte. Das Studium semitischer Sprachen und die wagemutige Suche nach dem NS-Massenmörder Alois Brunner führten ihn über dreißig Mal nach Syrien – noch vor Ausbruch des Krieges. 2012 gründete er den gemeinnützigen Verein „Orienthelfer“ und ist nach eigenen Angaben alle zwei Wochen persönlich vor Ort. So verrät Springer, dass er durchaus eine ernste Seite hat und nicht die „Gaudinudel von München“ sei. Mit einer Metapher über eine Mimose versuchte er dem Kaisheimer Publikum eine klare Botschaft mit auf den Weg zu geben. „Man sollte im Leben mutig sein und öfters stehen bleiben, als einzuknicken.“

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