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Donauwörth

11.08.2020

Kann die Mohrengasse ihren Namen behalten?

Der Eingang zur Mohrengasse in Donauwörth wird von einem kleinen Torbogen überspannt, auf dessen Spitze eine Skulptur drei schwarze Tänzer im Bastrock zeigt. Diese soll entfernt und die Gasse umbenannt werden, so das Ziel einer Online-Petition des Donauwörthers André Leuffert.

Plus In Donauwörth gibt es eine kleine Straße in der Innenstadt, die Mohrengasse heißt. Den Torbogen ziert eine Skulptur mit drei schwarzen Tänzern im Bastrock. André Leuffert will das ändern und startet eine Petition.

Es ist nichts los in der Mohrengasse in Donauwörth. Ein Restaurant hat dort ein paar Tische und Stühle aufgestellt, damit die Gäste in diesen heißen Tagen draußen essen können. Die Sonne brennt auf das Kopfsteinpflaster, ein paar Schilder an der Häuserwand weisen zur Yogaschule der Vhs Donauwörth und zu einigen Arztpraxen. Doch etwas stört einen Donauwörther massiv an dieser Gasse, sodass er nun eine Online-Petition gestartet hat.

Drei schwarze, tanzende Menschen auf dem Torbogen

Nur wenige Fußgänger nutzen diese kleine Verbindung zwischen Reichsstraße und Sonnenstraße. Und nur wirkliche Donauwörth-Kenner wissen wohl, dass hier auf dem kleinen Torbogen zum Eingang der Gasse von der Reichsstraße her eine Skulptur steht. Es ist eine Metallplastik, die jetzt zum Stein des Anstoßes werden könnte. Denn sie zeigt drei schwarze, tanzende Menschen, die nur mit Baströcken bekleidet sind, sowie Kronen und Halskrausen in Gold tragen. In dieser Farbe sind auch die Gesichtsmerkmale Nase, Mund und Ohren gezeichnet, ebenso die Brustwarzen. Ein kleines Dach schützt die Tanzenden vor der Witterung.

Bild: Fabian Kapfer

Genau diese Skulptur dürfte im Stadtbild Donauwörths nicht mehr stehen, ist die Meinung von André Leuffert. Für ihn sind die „drei tanzenden Mohren“ wie der Name der Gasse ein Zeugnis der rassistischen Vergangenheit seiner Stadt, in der er lebt. Die Kronen der drei Figuren empfindet er als „Narrenkappen“ und damit als verhöhnend. Deshalb hat er eine Online-Petition mit dem Titel „Zu viele ,Mohren‘ im Ries“ an Donauwörths Oberbürgermeister Jürgen Sorré gerichtet. Er hofft auf Unterstützer seines Anliegens.

Leuffert: "Name der Gasse und die Skulptur passen nicht in unseren Zeitgeist"

Der Donauwörther Leuffert, der in seinem eigenen Internetblog meckerkopf.de über sich selbst schreibt, das Beste, was er könne, sei schimpfen und meckern, agiert auf der Online-Plattform als Mitglied des Kreisverbands von „Der Partei“. Seit Dezember 2019 gibt es auch im Landkreis Donau-Ries eine Kreisgruppe der Partei, die 2004 von Redakteuren der Satire-Zeitschrift Titanic gegründet wurde. Parteivorsitzender Martin Sonneborn, zugleich Herausgeber des Magazins, sitzt für die Partei im Europaparlament.

Die Gruppe wird gerne als Satirepartei betitelt, weil ihre Plakate und Slogans mit Ironie und Überdarstellung spielen. Doch bei der Petition für die Umbenennung der Mohrengasse handelt es sich laut Leuffert keineswegs um einen Scherz. „Der Name der Gasse und die Skulptur passen nicht mehr in unseren Zeitgeist“, erklärt er seinen Schritt zur Petition. „Ich will es nicht anprangern oder jemandem etwas Böses unterstellen, sondern die Diskussion darüber anstoßen.“ Die Lektüre des Buches „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“ von Alice Hasters habe ihn persönlich stark sensibilisiert, dass die Deutschen an ihrer Sprache arbeiten müssten. Das gelte eben auch für Mohrengasse in Donauwörth. Für seine Petition hat Leuffert einen günstigen Zeitpunkt gewählt, denn aktuell hat sich die Rassismusdebatte in Schwaben angesichts der Umbenennung des Traditionshotels „Drei Mohren“ in Augsburg wieder verstärkt.

Gasse in Donauwörth wurde nach einer Gastwirtschaft benannt

Historisch betrachtet gibt es über die Mohrengasse in Donauwörth nicht viel. Laut Stadtarchivarin Cathrin Hermann existieren keine Archivakten dazu, denn der Vorgang der Benennung ist älter.

Bild: Fabian Kapfer

Folgende Auskunft liegt allerdings im Archiv vor: Die Gasse hieß einmal Salzgasse, da dort der Salzstadel lag. Später wurde sie dann nach der Gastwirtschaft „Zum Mohren“ benannt. Das zumindest steht im Buch „Kreuz und quer durch Donauwörth. Ein kulturgeschichtlicher Beitrag zur Deutung der Straßennamen“ von Josef Walter König aus dem Jahr 1996. Das Gasthaus befand sich in der Reichsstraße 18 – jene Adresse, die heute den Eingang zur Yogaschule und den Arztpraxen bildet. Zur Einkaufsstraße hin befindet sich ein Geschäft für Dessous.

Im zweiten Band der Stadtgeschichte und auch in den Gewerbeakten wird die Gaststätte „Drei Mohren“ oder „Zu den drei Mohren“ genannt. Das Gasthaus ist schon im 18. Jahrhundert nachweisbar, wie die Namensgebung zustande kam, geht aus der Literatur nicht hervor, erklärt die Stadtarchivarin. Ob die Skulptur einmal Teil des Gasthauses war oder an dieses erinnern soll, ist offen.

Besitzverhältnisse der Skulptur sind unklar

Josef Reichensberger, der aktuell die Urlaubsvertretung für OB Sorré übernommen hat, kennt die Petition Leufferts. Für ihn persönlich gibt es keinen Grund, die Gasse umzubenennen oder die Skulptur zu entfernen. „Die wenigsten wissen überhaupt, dass es in Donauwörth eine Mohrengasse gibt, und haben die Figur weder wahrgenommen noch als diskriminierend oder störend empfunden“, sagt der Bürgermeister. Für ihn wäre zudem zunächst einmal zu klären, wem diese Figur überhaupt gehört. Denn die Besitzverhältnisse seien unklar. „Der Stadt gehört die Skulptur nicht, der Hausbesitzer des ehemaligen Gasthofs weiß auch nichts darüber“, sagt Reichensberger.

Doch er ist sich sicher, dass die Diskussion nach der Sommerpause noch einmal hoch schwappt. Zumal bereits Albert Riedelsheimer von den Grünen in Donauwörth angekündigt hat, sich für eine Umbenennung der Gasse einzusetzen. Dafür will auch Leuffert weiter kämpfen, der sich von Flüchtlingsinitiativen und Sozialverbänden Unterstützung erhofft. 420 Unterschriften müsse er erreichen, damit die Petition eingereicht werden kann. In den ersten sechs Tagen hat er lediglich sieben Unterstützer gefunden.

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