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Ausbildung

27.02.2016

Kaum Nachwuchs in der Landwirtschaft

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Im Führerhaus eines Traktors: Christoph Wiedemann. Er ist einer von 38 Lehrlingen in der Region, die Landwirt werden wollen.
Bild: Barbara Wild

Immer weniger junge Menschen wollen Landwirt werden. Das macht der Branche Sorgen. Dabei sind die Jobchancen gut

Tapfheim-Rettingen Für Christoph Wiedemann war es keine Frage, was er einmal werden wird: Landwirt. Das war dem 19-Jährigen immer klar. Schließlich hat seine Familie zu Hause in Glött (Landkreis Dillingen) selbst einen Hof mit Milchvieh und Ackerbau. Er ist der Älteste, er wird den Hof übernehmen. Dafür macht er jetzt die Ausbildung zum Landwirt. Das dritte Lehrjahr nach Berufsschule und Praxisjahr auf einem Hof in Leipheim absolviert er nun auf der Bauernhanseschwaige in Rettingen bei Landwirt Albert Frey.

Dass sein Beruf alles andere als populär ist, darüber denkt Christoph nicht nach, während er mit einer großen Schaufel im Stall das Futter verteilt. Gerade mal 38 Auszubildende verzeichnet die Landwirtschaft in diesem Jahr in den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen. „Ein bedenklicher Rückgang“, sagt Manfred Faber, Chef des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Nördlingen. Er fürchtet um die ganze Branche. Pro Jahr gibt es im Landkreis Donauwörth seit 1998 durchschnittlich 71 Betriebe weniger. Aktuell sind es 2380 mit einer durchschnittlichen Fläche von 32 Hektar. Hinzu kommt die Entwicklung, dass vor allem Milchviehbetriebe schließen, was auch eine Veränderung der Kulturlandschaft nach sich zieht. Wer Vieh hat, hat auch Grünland und nicht nur Mais auf dem Feld. „Wir haben schon jetzt zu wenig Auszubildende, um die Betriebszahl zu halten“, rechnet Faber. Dabei sei die Hälfte der Betriebsleiter im Landkreis bereits über 50 Jahre.

Grund für den mangenden Nachwuchs sei auch das Image der Bauern: Massentierhaltung, Vermaisung der Landschaft, Klagen über niedrige Milchpreise und immer mehr Bürokratie – in der Öffentlichkeit kommt der Beruf schlecht weg. „Ein Job für eine Kämpfernatur“, fasst Faber zusammen. Dabei böte die Ausbildung zum Landwirt die Basis für viele Chancen – auch außerhalb der klassischen Arbeit auf dem eigenen Hof: Im Agrarhandel, in Behörden und Verbänden werden Mitarbeiter gesucht, die sich in der Landwirtschaft auskennen. Möglichkeiten gibt es laut Bildungsberater Heinz Merklein auch bei fremden Landwirtschaftsbetrieben.

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Den Kühen im Stall ist es egal, wie gut der Mann mit der Schaufel ausgebildet ist. Neugierig verfolgen sie Christophs Bewegungen und fangen sofort an zu fressen, sobald etwas in ihre Reichweite kommt. Es riecht, wie es eben in einem Stall mit 80 Stück Vieh riecht, und dass Kleidung, Haut und Haare am Abend diesen Geruch angenommen haben, gehört einfach zur Landwirtschaft dazu. Überhaupt die Natur. Draußen sein, der Umgang mit den Tieren – für Christoph Wiedemann auch ein Grund für seine Berufswahl. Dass er früh aufstehen muss, die Tage vor allem im Sommer lang sind und die Freizeit knapp ist, das steht für ihn hinten an. Auch das Finanzielle ist ihm nicht so wichtig. Zwischen 580 und 750 Euro verdient ein Lehrling in der Landwirtschaft, abzüglich einer Pauschale für Kost und Logis am Ausbildungsbetrieb. „Mir langt das Geld“, sagt Wiedemann, und er schätzt den Ausbildungsplatz mit Familienanschluss bei Monika und Albert Frey samt deren Sohn Sebastian.

„Man muss viel können, um ein guter Landwirt zu sein, und immer dazulernen“, sagt er, während ihm eine kleine Katze um die Füße flitzt. Die gehören hier auf der Bauernhansenschwaige genauso zum Bauernhof-Idyll wie der weite Blick auf die Felder, die Kälbchen und die Traktoren. Wiedemann macht im Juli seinen Abschluss, dann wird er am elterlichen Betrieb voll einsteigen – sieben Tage die Woche, und nicht nur von Montag bis Freitag wie während der Ausbildung.

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