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Donau-Ries-Kreis

03.11.2017

Kaum Plätze für Kurzzeitpflege

In den Pflegeheimen des gKU, hier Seniorenheim in Monheim, ist es schwierig, einen Platz für die Kurzzeitpflege zu finden. Im Kreistag wurde auf dieses Problem hingewiesen.
Bild: Wolfgang Widemann

Wer spontan Betreuung für seine Angehörigen sucht, tut sich im Landkreis schwer. Die Nachfrage sei groß, sagen Betreiber. Den meisten Menschen müssen sie absagen.

Was ist, wenn ein pflegender Angehöriger seine Mutter oder seinen Vater einmal für eine bestimmte Zeit nicht selbst versorgen und betreuen kann? Etwa weil er selbst erkrankt ist oder sich ein paar Tage Urlaub gönnen möchte? Für solche Fälle ist die Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung eine hilfreiche Option. Die Pflegekassen übernehmen hierfür auch einen Teil der Kosten. Die Nachfrage danach ist groß. Die Möglichkeiten, einen Platz zu ergattern, allerdings klein. Auch im Landkreis Donau-Ries.

Heidi Bastian, Leiterin des gKU-Seniorenheims in Wemding, spricht gegenüber unserer Zeitung von vielen Anfragen nach Kurzzeitpflegeplätzen. Sie wäre auch durchaus bereit, Pflegebedürftige für einen überschaubaren Zeitraum aufzunehmen. Aber es fehle an Kapazitäten. Die Langzeitpflege genieße, wie in allen übrigen Pflegeeinrichtungen auch, Vorrang.

Nach Sterbefällen würden hin und wieder einige Kurzzeitplätze frei, die sie dann auch vergebe. Aber insgesamt sei das Angebot denkbar knapp. Die gleiche Situation finde man auch in den übrigen drei Seniorenheimes des gemeinsamen Kommunalunternehmens vor.

Nur wenn jemand stirbt, ist kurzfristig etwas frei

Auch Oliver Kofler vom Alten- und Pflegeheim in Wallerstein, dessen Träger die Fürstin-Wilhelmine-Stiftung ist, äußert sich im Gespräch mit unserer Zeitung ähnlich. Bei ihnen würde lediglich ein Kurzzeitpflegplatz in den laufenden Betrieb „eingestreut“, wie Kofler sich ausdrückt. Die Nachfrage sei groß, eine bis zwei telefonische Anfragen gebe es täglich. „Wir müssen dem übergroßen Teil der Anrufer absagen“, bedauert Kofler. Kurzfristig einen Platz für eine kurzzeitige Pflege zu bekommen, sei kaum möglich. Mit einem entsprechenden zeitlichen Vorlauf tue die Heimleitung ihr Möglichstes, um pflegenden Angehörigen zu helfen. Nach Sterbefällen komme es hin und wieder vor, dass auch einmal kurzfristig Plätze zur Verfügung stünden. Diese seien dann wieder relativ schnell vergeben. Aktuell gebe es im Seniorenheim Wallerstein bis Ende November keine Kurzzeitpflegemöglichkeit mehr, so Kofler. „Wir sind bis dahin ausgebucht.“

Im Kreistag hatte Anfang dieser Woche der Wemdinger SPD-Kreisrat Hans Roßkopf auf die Problematik aufmerksam gemacht. Gegenüber unserer Zeitung sagte er, dass er sich durchaus eine eigene Kurzzeitpflege-Einrichtung im Landkreis Donau-Ries vorstellen könne –möglicherweise vom gKU betrieben. Der Bedarf wäre in jedem Fall vorhanden. Damit könnte sich ein solches Haus auch finanziell rechnen, glaubt Roßkopf. Weil der Staat im Gegensatz zu den Krankenhäusern die Alten- und Pflegeheime finanziell nicht fördere, hätten diese es besonders schwer, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, nicht zuletzt für Kurzzeitpflegeplätze. An Landrat Stefan Rößle richtete Roßkopf die Bitte, sich für solche Zuschussmöglichkeiten einzusetzen und in seiner Eigenschaft als gKU-Verwaltungsratschef die Option einer speziellen Kurzzeitpflegeeinrichtung innerhalb Kommunalunternehmen zu prüfen. Die Nachfrage würde jedenfalls weiter steigen, zeigte sich Roßkopf überzeugt.

Diese Ansicht teilt Landrat Rößle. Er kann dies auch mit aktuellen Zahlen untermauern. Hatte es im Jahr 2014 im gesamten Landkreis noch 727 Kurzzeitpflegen gegeben, waren es allein in der ersten Hälfte des laufenden Jahres 477. „Erfahrungsgemäß ist der Wert im zweiten Halbjahr höher“, sagt Rößle auf Nachfrage unserer Zeitung. Er rechnet daher bis zum Jahresende mit einer vierstelligen Zahl. Derartige Erhebungen werden mittlerweile alle zwei Jahre (früher alle fünf) durchgeführt, im Rahmen des sogenannten seniorenpolitischen Gesamtkonzepts. „Das ist ein wichtiges Thema – für die Betroffenen, aber gerade auch für pflegende Angehörige“, so der Kreischef, der gesteht, dass der Bedarf aktuell nicht gedeckt werden kann. Allerdings seien Lösungen, die vor Ort schnell realisierbar sind, nicht so einfach.

Landespflegesatzkommission entscheidet

Es brauche dafür auch eine bessere Vergütung für die Einrichtungen. Das aber liege in der Hand der Landespflegesatzkommission.  Dort kenne man das Problem, sagt Rößle. „Die Rahmenbedingungen müssen attraktiver werden, damit mehr Plätze geschaffen werden können.“ Allerdings müsse das Geld dafür ja wieder irgendwoher genommen werden. Der Landkreistag und die Kommunalpolitische Vereinigung werden laut Rößle an die Bayerischen Gesundheitsministerin und auch die Bundestagsabgeordneten appellieren, „das das Thema einen besseren Stellenwert bekommt“. Dass es Handlungsbedarf gebe, habe man im Kreis längst erkannt. Deshalb habe man ja das Seniorenkonzept und mache die regelmäßigen Bestandsaufnahmen. Rößle: „Wir handeln verantwortungsbewusst und suchen immer nach möglichst passgenauen Lösungen. Aber diese sind schwer von heute auf morgen umzusetzen.“

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