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Verwaltung

14.04.2018

„Kein Schlussstrich wie bei einer Scheidung“

Der Gemeinderat Münster votiert bei zwei Gegenstimmen für eine neue Einheit

Nach Niederschönenfeld und Holzheim hat sich auch der Gemeinderat Münster für die Gründung einer neuen Verwaltungsgemeinschaft (VG) im Lechgebiet ausgesprochen. Im Gegensatz zu den Sitzungen in den beiden anderen Kommunen gab es in Münster allerdings zwei Gegenstimmen: Christian Oßwald und Brigitte Englisch stimmten gegen das Vorhaben.

Die Selbstständigkeit zu bewahren, sei eines der wichtigsten Kriterien für die Gemeinden, sagte Bürgermeister Gerhard Pfitzmaier. „Wir sehen uns als gleichberechtigten Partner. Das fällt aber manchmal schwer in einer VG mit einer großen Schwester, die ganz andere Aufgaben hat.“ In den zehn Jahren, seit er Rathauschef ist, habe sich die Situation grundlegend geändert. „Damals war alles noch überschaubarer.“ In der Zwischenzeit habe der „explodierende Bürokratismus“ für einen gigantischen Zuwachs an Aufgaben gesorgt, zugleich eine extreme Belastung für das Personal. Er habe sich stets für die Einheit der VG in der Rainer Innenstadt eingesetzt, dies habe sich aber aus den verschiedensten Gründen nicht verwirklichen lassen, so Pfitzmaier. Durch die Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit mit der Neustrukturierung im Zuge der Rainer Erklärung und dem Kauf des zweiten Gebäudes in der Münchner Straße sei die VG aber mittlerweile „bis zur letzten Faser geteilt – auf zwei Häuser und zwei Verwaltungen“.

Mit der Gründung einer eigenen Einheit wahren die vier Gemeinden Genderkingen, Holzheim, Münster und Niederschönenfeld ihre Eigenständigkeit, so Pfitzmaier. „Wir ziehen keinen Schlussstrich wie bei einer Scheidung. Wir wollen trotzdem ein gutes Miteinander im Lechgebiet.“ Es solle mit der Stadt Rain künftig keine Konkurrenz geben und auch keine bösen Worte. „Aber bei einer Trennung gibt es viele Reibungspunkte einfach nicht mehr.“

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Peter Werner sah als entscheidenden Vorteil bei einer eigenen VG, dass die vier Gemeinden – alle in etwa gleich groß und finanziell ebenfalls ähnlich stark – dieselben Interessen hätten. „Wir haben die gleichen Themen und dabei viel Erfahrung. Genau das kann uns richtig stark machen.“ Auch wenn man ohne die Stadt die Kosten natürlich auf weniger Einwohner umlegen müsse, so gewinnt man laut Werner an Flexibilität und Schnelligkeit.

Nicht mit Kritik sparte Leonhard Krabler. Für ihn habe der VG-Vorsitzende „seine Pflichten total vernachlässigt“. Bei den herrschenden Missständen hätte allerdings seiner Ansicht nach auch die Geschäftsleitung eingreifen müssen. „Vielleicht sind wir alle miteinander schuld, weil wir zu wenig dagegen gearbeitet haben und nun alles so gekommen ist. Jetzt sind wir so weit, dass wir gar nicht mehr anders können und praktisch raus müssen aus der VG“, so Krabler.

Das sah Christian Oßwald anders: Für ihn sei mit dem Kauf des zweiten Gebäudes das größte Problem, der Platzmangel im Rainer Rathaus, behoben. Alles andere, das Inhaltliche also, könne man auch lösen, ohne auseinanderzugehen.

Der Erwerb des Objekts in der Münchner Straße war für Jürgen Raab „nicht der erste Schritt zur Trennung, sondern der letzte“. Begonnen habe alles mit der Rainer Erklärung. Diese sei zwar „gut gemeint“ gewesen, habe aber letztlich die Parallelstruktur geschaffen. Eine VG sei aber ohnehin nicht das richtige Instrument, um das Lechgebiet zu stärken, sie sei schließlich rein für die Verwaltung da. Man dürfe auch nach der möglichen Trennung nicht die Region als Ganzes aus den Augen verlieren. „Gerade bei Kreisthemen kann man nicht als Stadt oder Gemeinde alleine etwas bewirken, sondern nur gemeinsam.“

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