Newsticker
Bald vier Impfstoffe in Europa? Am 11. März wird über Johnson-Impfstoff entschieden
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Kerzen-Unglück in der Kita hat Folgen

Wemding

25.01.2019

Kerzen-Unglück in der Kita hat Folgen

Beim Hantieren mit einer Kerze ist ein Fünfjähriger in Wemding schwer verletzt worden. (Symbolbild)
Bild: Alexander Kaya

Plus Vor zwei Monaten erlitt ein Fünfjähriger in einer Kindertagesstätte in Wemding schwere Brandverletzungen. Wie es dem Kind geht und welche Konsequenzen der Fall hat.

Die Vorfreude auf die Weihnachtszeit war groß an jenem Freitag Ende November 2018 in einer Kindertagesstätte in Wemding. Zwölf Vorschulkinder probten für ihren Auftritt beim sonntäglichen Adventsgottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Emmeram. Dabei hantierten die Mädchen und Buben – wie seit vielen Jahren üblich – auch mit Kerzen. Von einem Moment auf den anderen verwandelte sich das fröhliche Spiel in dramatische Szenen. Ein Fünfjähriger geriet mit seiner Kleidung offenbar zu Nahe an die Flamme der Kerze, die in einem Glas stand. In Sekundenbruchteilen brannte die Oberbekleidung des Buben lichterloh.

Das Kind erleidet schwere Verbrennungen

Den beiden Erzieherinnen, welche die Gruppe betreuten, reagierten sofort und konnten die Flammen rasch ersticken. Dennoch erlitt das Kind schwere Verbrennungen. Die folgenden Wochen waren für Eltern, Kinder und Personal höchst belastend. Wäre das Unglück zu verhindern gewesen? Ist jemandem ein Vorwurf zu machen? Diese Fragen treiben die direkt Beteiligten, den Wemdinger Stadtpfarrer Wolfgang Gebert – er ist für die kirchlichen Kindergärten in Wemding verantwortlich – und die Kripo Dillingen um.

Was das Opfer betrifft, gibt es inzwischen positive Nachrichten. Nach Informationen unserer Zeitung konnte der Bub nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in einer Spezialklinik in München noch vor Weihnachten nach Hause zurückkehren. Seit vergangenen Montag besucht er wieder den Kindergarten. „Es geht ihm gut“, berichtet Gebert auf Anfrage unserer Zeitung. Lebensgefahr habe glücklicherweise nie bestanden. Freilich sei aufgrund der Brandwunden, die das Kind vor allem am Oberkörper erlitt, noch immer eine ärztliche Behandlung nötig, teilt Michael Lechner, Leiter der Kripo Dillingen, auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Hat das Kita-Personal die Aufsichtspflicht verletzt?

Die Polizei hat sich des Falls angenommen, um herauszufinden, ob das Kita-Personal seine Aufsichtspflichten verletzt hat. „Die Ermittlungen laufen noch“, sagt Lechner. Es werde geprüft, ob die Vorkommnisse strafrechtlich relevant sind. Offenbar sieht die Kripo dafür gewisse Anhaltspunkte. Man ermittle gegen zwei Erzieherinnen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung, so Lechner. Die Dienststelle hat inzwischen auch einen Gutachter des Landeskriminalamts eingeschaltet – einen Brandspezialisten, der sich dem Kripo-Chef zufolge vor allem mit den Umständen befasst, die dazu führten, dass die Kleidung Feuer fing.

Bis ein Ergebnis des Sachverständigen vorliegt, werde erfahrungsgemäß noch einige Zeit vergehen. Wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind, leitet die Kripo die Akten an die Staatsanwaltschaft in Augsburg weiter. Die entscheidet dann über das weitere Vorgehen.

Das Unglück und seine Folgen haben Stadtpfarrer Gebert in den vergangenen Wochen viel beschäftigt. Er habe zahlreiche Gespräche geführt und er schaue regelmäßig im Kindergarten vorbei, schildert der Seelsorger unserer Zeitung. Er versuche dabei auch, dem Personal den Rücken zu stärken. Aus seiner Sicht sei den Erzieherinnen nichts vorzuwerfen, sagt Gebert.

LED statt offenes Kerzenlicht?

Was ihn und andere Menschen umtreibe, sei die Frage nach dem Umgang mit Kerzen. Diese seien in keiner Kita in der Diözese Eichstätt verboten. Kerzen spielten seit Jahrhunderten im täglichen Leben eine Rolle. Beispielsweise gehöre es dazu, „das bei einem Geburtstag eine Kerze angezündet wird“. Kinder lernten seit jeher, mit Feuer umzugehen. „Man kann nicht jede Gefahr von Kindern fernhalten“, merkt der Pfarrer an. Allerdings: „Wenn dann ein Unfall passiert, kommt man ins Überlegen.“

In der betroffenen Kita werden aktuell LED-Kerzen verwendet. Ob dies sinnvoll ist, dazu gebe es unterschiedliche Ansichten. Die Kinder griffen nach der Flamme, es passiere nichts. „Wem ist damit geholfen“, fragt Gebert. Bei anderer Gelegenheit hätten die Mädchen und Buben eine richtige Kerze vor sich – und wüssten nicht, dass die Flamme heiß ist.

Nach dem Unglück fanden in den Wemdinger Kitas auch Sicherheitsbegehungen statt, um Unfallgefahren zu erkennen. Aus gegebenem Anlass erhalten Gebert zufolge demnächst auch alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Pfarrei eine ohnehin alle drei Jahre vorgeschriebene Sicherheitsunterweisung.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Wolfgang Widemann: Kerzen und Kinder - geht das?

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren