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Musik

09.01.2020

Klassik, Operette und Chansons

Das Neujahrskonzert in Mertingen bot einen musikalisch anspruchsvollen Abend mit Klassik, Operette und klassischen Chansons. Auch Bürgermeister Albert Lohner (rechts neben Pianistin Susanna Klovsky) fand sich plötzlich auf der Bühne wieder.
Bild: Hampp-Weigand

Das Neujahrskonzert in Mertingen bietet dem Publikum die komplette Bandbreite

„Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“, sinnierte Herbert Hanko auf seinem beeindruckenden Erb-Empiresessel als Kaiser Franz Joseph I in Ralph Benatzkys „Weißem Rössl am Wolfgangsee“, als er „’S ist einmal im Leben so, allen geht es eben so, was man hätt so gern, liegt so fern“ zum Besten gab. Das Neujahrskonzert in Mertingen – Cellistin Heike Schuch war dabei durch einen häuslichen Unfall verhindert, so gab es statt Cello eine Geige, gespielt von der großartigen Tanja Conrad (ihre Zigeunerweisen von Pablo Sarasate, wie auch die Thaïs-Meditation von Jules Massenet waren vom Feinsten) verzauberte das aufgeschlossene, heiter gestimmte Publikum, dem zu diesen klassischen Weisen nicht nur Operettenklänge, sondern auch die unvergänglichen, doppelbödigen Chansons der 30er-Jahre ausgesprochen behagten.

Die weiteren Interpreten waren hier ja nicht unbekannt: Bariton und Moderator Herbert Hanko, mit unnachahmlicher Lässigkeit Wiener Schmäh zelebrierend, die überzeugende Pianistin Susanna Klovsky, die in hellen Spitzentönen jubilierende Sopranistin Barbara Felicitas Marin und der elegant in Frack oder Weste auf der Bühne elegant wirbelnde, mit melodiösen, hellem Tenor bezwingende, zum ersten Mal in Mertingen zu hörende Sebastjan Podbregar.

Der Auftakt hat es denn auch gleich allen angetan, „prollte“ doch Schweinebaron Zsupán Kalman (Hanko) in seinem Auftrittscouplet, dass das „Schreiben und Lesen“, wie auch das Dichten, nie seins gewesen sei – dafür tirilierte die Sopranistin in höchsten Tönen, unterbrochen von Hust- und Heiserkeitsanfällen, vom Schicksal der „armen Primadonnen“ aus Karl Millöckers „Der arme Jonathan“, bevor in einem von virilen Themen dominierten Block der Tenor mit Robert Stolz wohlklingend gockelte „ob blond, ob braun, ich liebe alle Fraun“, und Theo Mackebens Lied „Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami … bist nicht schön, doch charmant …bist kein Held, nur ein Mann, der gefällt…“, im Kriegsjahr 1939 von Lizzi Waldmüller zum ersten Mal gesungen, bezauberte. Das populäre, vom kleingeraten-schüchternen Hans Rühmann gesungene und zu (Lach-)Tränen rührende „Ich brech die Herzen der stolzesten Fraun“ erklang genauso unwiderstehlich.

Kein Neujahrskonzert ohne Johann Strauss‘ champagnerlaunige Operette „Fledermaus“ – die als ungarische Gräfin verkleidete Marin-Rosalinde entwindet im bezaubernden Uhrenduett ihrem ungetreuen Ehemann dessen Taschenuhr, brilliert im (mit Bravorufen gewürdigten) „Csárdás“ – vor ihren tapferen Mitstreitern, handverlesen aus dem Publikum als Festgesellschaft, ihnen abschließend generös die Hand zum Kusse reichend. Operette pur dann mit dem amüsanten Duett „Josef, ach Josef, was bist Du so keusch“ aus Leo Falls „Madame Pompadour“ – vor dem lachend jubelnden Publikum zieht die königliche Maitresse den verklemmten Josef erst aus- und dann „an“, sodass dieser sie an sich reißt. Der Tenor behauptet machohaft und völlig unzeitgemäß „ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“. Dies kommentierend folgt das von der legendären Diseuse Fritzi Massary 1932 selbstbewusst gesungene „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ aus der musikalischen Komödie „Eine Frau, die weiß was sie will“ von Oscar Straus. Lasziv im Sessel thronend nervt die elegante Geliebte höchst erfolgreich „Benjamin, ich hab nichts anzuziehn“, das gleiche Melodram, damals wie heute. Mit Robert Stolz‘ „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“ ein klangschönes Duett, wie auch aus Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“ „Nimm Zigeuner deine Geige….joy, maman, Bruderherz ich schenk Dir die Welt“ – von Geigenklängen untermalt. Wie Hanko es schon einleitend in den Raum gestellt hatte – alle wollten Zugaben. Hanko wagte sich amüsant an Bill Ramseys „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ – im Publikum wurde mitgesummt. Das abschließende Duett „Tanzen möcht ich, jauchzen möcht ich“ aber brachte den komplett gefüllten Saal zum stehenden Beifall. (uhw)

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