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Tapfheim

30.04.2019

Knalleffekte bei Konzert in Tapfheim

Ein schönes Bild – optisch wie akustisch: die Vereinigte Musikkapelle Tapfheim.
Bild: Walter Ernst

Die Vereinigte Musikkapelle überzeugt bei Frühjahrskonzert durch Präzision und ein breit gefächertes Repertoire.

Eine Abrissparty, wie Bürgermeister Karl Malz andeutete, wurde es nicht, das traditionelle Frühjahrskonzert der Vereinigten Musikkapelle Tapfheim, aber immerhin die letzte Konzertveranstaltung in der Sporthalle vor Beginn der Renovierungsarbeiten. Statt Wehmut vermittelte das anspruchsvolle Programm moderne und konzertante Blasmusik, verbunden mit dem Wunsch auf Fortsetzung in einer dann mit neuen Eindrücken gestalteten Konzerthalle.

Auftreten, hinsetzen und musizieren, so präzise begann die Jugendkapelle der Vereinigten Musikkapelle Tapfheim ihre vielseitigen Konzertbeiträge in einer wie immer gut besuchten Veranstaltung, zu der Vorstand Stefan Keller zahlreiche Ehrengäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft begrüßen durfte. „Frühling ist die Musik der Natur“ entspringt den Gedanken von Monika Minder und fand die musikalische Umsetzung im immerhin schon 42. Frühjahrskonzert der VMT.

Den ersten Beitrag in einen bunten Strauß von Harmonie und musizierender Freude band die Jugendkapelle unter Leitung von Angela Pflüger ein. Unter deren Stabführung war den 26 Jungmusikern weder Nervosität noch Aufregung anzumerken, vielmehr gelang es, mit „Music for Happiness“ von Gerald Oswald die Freude am gemeinsamen Musizieren zu vermitteln. Eine Erkenntnis, die mit den erstmals Mitwirkenden Farina Mayershofer, Juliane Ruf, Elisa Kapfer und Matthias Götz Hoffnung gibt.

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Erfolgreiche Kinomusik

Den Leistungsstand des Nachwuchses unterstrich der Flug durch die Galaxis, auf dem mit konzertanter Blasmusik von Noaya Wada die Sphären des Weltalls mit Leichtigkeit gemeistert und dann eine „harte“ Landung den Atem anhalten lies. Erfolgreiche Kinomusik brachte Glimmer und Rock in die Turnhalle, denn zu Freddie Mercury’s Rockhymne „Bohemian Rhapsody“ durfte das Publikum singen, rappen oder einfach nur träumen.

Dass junge Bläser stetig die Frage nach Aufführung einer Polka stellen, überrascht doch ein wenig. Die Dirigentin kam den Wünschen mit „Erhard’s Polka“ von Alexander Pfluger nach und ermöglichte der Jugendkapelle die Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen, wobei Christof Pfefferer solistisch an der Tuba glänzen konnte. Eine wilde Verfolgungsjagd vollführten die Register bei der rasanten Fahrt von „The great Locomotive Chase“ durch den Westen Amerikas, welche Robert Smith komponiert und von der Jugendkapelle glänzend umgesetzt wurde. „Überzeugungsarbeit“ leisteten die zahlenmäßig überlegenen Musikerinnen bei den Jungs, dass „Beauty and the Beast“ von Alan Menken ein anspruchsvolles Medley als Zugabe sei. Das Publikum quittierte diese Entscheidung mit großem Beifall.

Auftreten, hinsetzen und musizieren, genau so unspektakulär eröffnete auch die Stammkapelle der VMT mit dem „Schönfeld Marsch“ in der Komposition von Carl Michael Ziehrer ihren Konzertbeitrag in schwungvollem 6/8-Takt. „I bin d’r Simon, und do bin i dahoim“: So leitete Simon Keller in der Moderation die Hymne auf die Heimat ein. Mit „Sympatria“ thematisierte die Kapelle unter seiner Leitung auf musikalische Weise Heimateindrücke und unterstrich mit diesem Konzertmarsch, was alle verbindet.

Mit „Moment for Morricone“ wagte sich das Blasorchester an eine bis heute weltweit erfolgreichste Veröffentlichung aus Filmmusiken von Ennio Morricone. Spiel, Spaß und Spannung vermittelte mal schaurig, spannend oder furchterregend das Medley des größten italienischen Soundtrack-Komponisten. Nicht nur einen Orts- sondern auch einen Stilwechsel vollführte das Orchester mit „The Second Waltz“, der Jazz-Suite von Dimitri Shostakovitch. Wer dabei echten Jazz erwartete, bekam eher Walzerklänge und Wiener Kaffeehausmusik zu Gehör, eine Absicht des Komponisten, die selbst bei Simon Keller zu wiegendem Dirigat führte und Jochen Ruf ein romantisches Posaunensolo ermöglichte.

Stücke von Frank Sinatra und Westernhagen

New York, New York, Somethin’ Stupid, Fly Me to the Moon, My Way, all diese Welthits transferierte die VMT als modernes Blasorchester mit „Frank Sinatra Classic“ und seinem unvergleichlichen Medley swingend unter das Publikum. Dirigent Simon Keller empfand man, als in seinem musikalischen Element zu sein und Philip Kunz ging butterweich auf seinem Flügelhorn „seinen Weg“. Bei den Ohrwürmern von einem der erfolgreichsten deutschen Musiker, nämlich von Marius Müller-Westerhagen, vermittelte das Orchester reine Spielfreude und es gab für die Musiker kein Halten mehr, es wurde gerockt, richtig fetzig bis zum Knalleffekt am Ende mit Glitzer und Goldschnipsel. Ein richtiges Powerstück!

Und doch fand das Ensemble wieder den Weg zur traditionellen Blasmusik. Nach dem Arrangement von Josef Hotovy machte Ernst Mosch die „Anna-Polka“ bekannt und mit dieser böhmischen Polka setzte die Kapelle ihren konzertanten Schlusspunkt. Die Anekdote, wonach ein früherer Fan der Kapelle nach einem grottenschlechten Vortrag seines Lieblingsmarsches zur Animation eines verbesserten Vortrags ein weiteres Mal 50 Mark locker machte, erzählte Simon Keller zur verlangten Zugabe. In großer Orchesterbesetzung revidierte die Vereinigte Musikkapelle Tapfheim die Vorbehalte ihres Könnens mit dem Marsch „Hoch Heidecksburg“ und Bürgermeister Karl Malz quittierte dies mit einer spontanen 50-Euro-Spende. Vielleicht auch eine Animation, die Reihe der Frühlingskonzerte in der dann renovierten Sporthalle im nächsten Jahr traditionell und hochklassisch fortzusetzen.

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