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Unerwartet gute Nachrichten für den Wald im Landkreis Donau-Ries

Kommentar Von Thomas Hilgendorf
02.06.2021

Haben wir uns nicht schon lange an die schlechten Nachrichten aus der Natur gewöhnt? Warum wir das nicht tun sollten, beschreibt ein Kommentar von Thomas Hilgendorf.

Eigentlich dürften wir gar keine Wälder mehr vorfinden hierzulande – diverse Stimmen aus der Ökobewegung der 1980er-Jahre waren damals davon ausgegangen, dass der saure Regen die Bäume rasch ausradiere. Das ZDF hat am Mittwoch in düsteren Molltönen nachgelegt: Es stehe generell mies um den Wald. Recherchen in der Region besagen für heuer das Gegenteil. Ist also doch nicht immer alles nur schlecht?

Freilich gibt es keinen Anlass zum zum laxen Umgang mit berechtigten Mahnungen für einen achtsamen Umgang mit der Schöpfung. Im Gegenteil, die warnenden Stimmen waren und sind sehr wichtig – in der Ökologie wie auch in der aktuellen Pandemie. Doch man sollte als Mensch auch seine Grenzen hinsichtlich allzu weit gehender Prognosen kennen.

Und dies bedeutet, sich vor einem überbordenden und ungesunden Alarmismus zu hüten. Speziell vor jenem, der parallel aussagt: „Wir können uns nur selbst retten.“ Mit diesem Tenor wurde die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer von Fridays for Future zuletzt zitiert: „Gott wird uns nicht retten, das werden wir tun.“ Dieser Satz ist die Definition von Überheblichkeit.

Ein Blick in die Geschichtsbücher wäre hilfreich: Unsere menschlichen Prognosen haben nicht nur Grenzen – das Streben nach einer selbst gewaschenen weißen Weste führt in der Regel in die nächste Krise. Es ist oftmals jene menschliche Hybris, diese massive Selbstüberschätzung, die bei Krisen aller Art bei vielen Menschen sehr schnell mitschwingen mag. Da wird der Verbrennungsmotor völlig verdammt, das E-Auto hochgelobt – ohne zu wissen, wie die seltenen Erden für die neuen Schlitten gewonnen und die Akkus der im gleißenden Licht fahrenden neuen Wagen anständig recycelt werden sollen.

Etwas mehr Sachlichkeit, ja, Demut im Ton und Dankbarkeit hinsichtlich guter Tage (ja, es gibt sie!) würden uns indessen allen guttun. Kaum einer hat damit gerechnet, dass die Temperaturen und Niederschläge sich heuer mal auf ein normales Maß einpendeln. Das ist nun wirklich keine Leugnung der Probleme im Bereich der Ökologie, die es zweifelsohne gibt, die aber mit kühlem Kopf und bitte umfassend fair angegangen werden sollten. Unsere Voraussagen haben Grenzen. Oft kommt es anders als zunächst gedacht oder befürchtet – Gott sei Dank.

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05.06.2021

Sehr gut kommentiert, Herr Hilgendorf. Man könnte noch hinzufügen, dass der ständig von den Jungaktivistinnen und -aktivisten vorgetragene Vorwurf, es würde "nichts" getan, ganz einfach nicht stimmt. Wer etwas älter ist weiß noch sehr gut, wie dreckig die Luft, das Wasser , der Boden in den Siebzigern und Achzigern aller Orten, sowohl in BRD aber erst recht in DDR, war. Schwarze Städte, giftige Flüsse und verseuchte Böden waren überall "Standard". Heute sieht es deutlich besser aus, trotz exponentiell gestiegener Belastungen durch Verkehr, Industrie, Bau, Landwirtschaft und Medieninfrastruktur. Es wurde eben sehr wohl viel getan, von den Ministerien, Umweltverbänden, Gesetzgebern u.v.m. Deren Leistung wird von FFF & Co. einfach ignoriert. Und das ist eigentlich eine Frechheit.

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05.06.2021

Und warum wurde etwas getan?

Richtig, weil es damals (erstmals) eine Bewegung gab, die sich mit den von Ihnen beschriebenen Umständen nicht abfinden wollte. Sie wollen doch bitte nicht diejenigen für die Verbesserung der Zustände loben, die man damals zum Jagen tragen musste. Ich habe das Gezeter der Industrie, der Gewerbetreibenden und der 'Altparteien' noch sehr gut im Ohr und Herrn Hilgendorf möchte ich anmerken, dass er (Stichwort Hybris) auch nicht weiß, wie es um unseren Wald bestellt wäre, wäre seinerzeit nichts geschehen. Allein der Verweis auf Temperatur und Niederschläge in diesem Frühjahr zeigt, dass er das mit dem Wetter und dem Klima doch etwas ernsthafter betrachten sollte.

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