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Donauwörth

20.06.2017

Kostenfaktor Tanzhaus

Das Donauwörther Tanzhaus bildet zwar einen markanten Punkt in der Reichsstraße, hat aber – 1975 erbaut – in seiner jetzigen Form keine historische Bedeutung. Seine Nutzung und vor allem die Eigentümerverhältnisse stehen nach wie vor auf dem Prüfstand.
Bild: Archivfoto: Barbara Würmseher

Oberbürgermeister Armin Neudert will noch vor August, dass der Stadtrat eine Entscheidung über das zentrale Gebäude in der Reichsstraße trifft. Seine Argumente

Die Stadt Donauwörth will noch vor der Sommerpause über die Zukunft des Tanzhauses entscheiden. Das teilte Oberbürgermeister Armin Neudert (CSU) auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Wie bereits berichtet, verhandelt die Stadt mit dem Investor Erwin Müller Real Estate, das Immobilienmanagement der Erwin Müller Group mit Sitz in Wertingen, über einen Verkauf oder eine Verpachtung des 1975 erbauten Gebäudes.

Laut Neudert habe der Investor sein Nutzungskonzept aus Wohnungen, Büroräumen und einem Gastronomiebetrieb im Erdgeschoss bereits einmal vorgestellt. Die Ideen hätten gefallen. Kompliziert sei aber die Frage, wie sichergestellt werden könne, dass der Stadtsaal weiterhin für Veranstaltungen aller Art genutzt werden kann. „Von der Sebastiani-Feier bis zum Tanzkurs muss dort alles möglich sein“, erklärt Neudert. Die Hoheit darüber liege im besten Fall bei der Stadt Donauwörth. Um hier bei einem Vertrag keine Fehler zu machen, habe er sich die Unterstützung eines Fachanwalts geholt. Ob am Ende tatsächlich verkauft werde, sei „eine Entscheidung des Stadtrats und nicht meiner Person“, betont Neudert. Er weiß, dass die Zukunft des städtischen Gebäudes, das im zweiten Weltkrieg komplett zerstört worden war und nach historischem Vorbild an gleicher Stelle wieder aufgebaut wurde, bei den Bürgern und auch in den Ortsverbänden der Parteien heiß und emotional diskutiert wird. „Aber man muss auch die Fakten sehen“, sagt Neudert. „Am Ende wollen wir ein attraktives Tanzhaus, das zukunftsfähig ist.“

Der Oberbürgermeister legte nun auch erstmals offen, welche Kosten das Tanzhaus seit seinem Wiederaufbau 1975 für die Stadt bedeutet. Der Bau selbst schlug mit 6,3 Millionen Mark zu Buche. „Damals ging man von Mieteinnahmen um die 250000 Mark pro Jahr aus“, sagt Neudert. Diesen Betrag habe man aber nie erreicht. „Im Gegenteil. Das Tanzhaus kostet uns im Schnitt zwischen 160000 und 200000 Euro pro Jahr“, so der Rathauschef. Selbst im Jahr 2010, als die Wohnung, die Praxis und das Restaurant des Tanzhauses komplett vermietet waren, hätten die Einnahmen die Kosten des Hauses nicht gedeckt. „Bei all den emotionalen Diskussionen um dieses Haus muss man sich schon vor Augen führen, dass wir nicht nur ein gehöriges, jährliches Defizit haben, sondern jetzt auch große Investitionen anstehen“, sagt Neudert. Denn bei der Gesamtbetrachtung des Hauses sei nun klar, dass man nicht nur in Sachen Brandschutz und bei der Gestaltung von Ladenflächen Nachholbedarf habe, sondern auch in den oberen Geschossen die Raumaufteilung nicht mehr zeitgemäß ist. „Man muss auch bei den Wohnungen umbauen“, so Neudert.

Er fügt an: „Zudem sollte jeder Bürger bedenken, dass es keine kommunale Aufgabe ist, als Vermieter von Wohnungen. Praxen oder Geschäftsräumen aufzutreten. Das kann man zwar machen, aber unsere Hauptaufgabe liegt darin, den Stadtsaal für unsere Bürger zu stellen.“ Auch die Frage nach den öffentlichen Parkplätzen in der Tiefgarage und die Toiletten seien relevant.

Es bleiben noch knapp fünf Wochen Zeit, wenn Neudert das Thema im Stadtrat bis zum 1. August zur Entscheidung bringen will. Dann würde es auch mehr Details zu den genauen Plänen des Investors aus Wertingen geben. Ursprünglich hatte Neudert angekündigt bis Ende 2016 ein Nutzung für das Tanzhaus vorzulegen.

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