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Bühne

19.01.2019

Krieg, Blut und Tränen

Die Akteure der Schauspielgruppe am Donauwörther Gymnasium.
Bild: Katharina Bühler

Die Theatergruppe des Gymnasiums Donauwörth wagt sich an ein postmodernes Stück von Urs Widmer

Das Stück heißt „Top Dogs“ und wurde Mitte der 90er-Jahre uraufgeführt. Doch hat es bis heute nicht an Aktualität verloren: Firmen melden Insolvenz an, Entlassungen stehen auf der Tagesordnung. Niemand ist mehr sicher. Alle Bereiche sind betroffen, auch die Führungsebene. Es stehen betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten im Mittelpunkt. Da spielt Menschlichkeit eine untergeordnete Rolle. Dass es nun aber die erfolgsverwöhnten Mitglieder der Managementebene trifft – Top Dogs eben –, unterscheidet das Stück von anderen arbeitsweltkritischen Werken.

Nach der Entlassung aus ihren Führungspositionen finden sich die Topmanager in einem Outplacementcenter wieder, um an ihrer Karrierefortsetzung zu arbeiten. Der Weg ist hart, denn zunächst müssen die Entlassenen den eigenen Jobverlust aufarbeiten. Mithilfe von Rollenspielen, Gruppengesprächen und körperlichen Betätigungen lernen die Damen und Herren, mit der für sie neuen Situation umzugehen.

Es ist zudem ein schmerzvoller Prozess, denn um die Basis für einen Neuanfang zu finden, muss sich jeder von ihnen zunächst demontieren – vor sich und auch vor der Gruppe. So wird man als Zuschauer Zeuge dieser Entwicklung, und man erhält in den lose miteinander verbundenen Szenen Einblicke in die Seelen der Klienten, was meist komisch, manchmal tragisch, zuweilen fast peinlich anmutet.

Autor Urs Widmer sagte einmal Folgendes zu seinem Stück: „Es wird viel gelacht in Top Dogs, obwohl ich keine einzige Szene auf die Pointe hin geschrieben habe. Andererseits sind auch schon 50-jährige Männer schluchzend aus der Vorstellung gelaufen. Das ist doch auch ein Stück Aufklärung, und das gefällt mir.“

Der Schweizer Schriftsteller (1938-2014), der nach seinem Studium der Germanistik, Romanistik und Geschichte über die deutsche Nachkriegsprosa promovierte, arbeitete zunächst als Verlagslektor und gehörte zu den Gründern des Verlags der Autoren. Später verfasste er selbst Theaterstücke, Hörspiele und Essays. Oft sind seine Geschichten komisch, manchmal erscheinen sie aberwitzig, zuweilen stimmen sie tieftraurig. Etliche Literaturpreise weisen ihn als Schriftsteller von Rang aus, so erhielt er neben weiteren Preisen 2007 den Friedrich-Hölderlin-Preis, 2014 den Schweizer Literaturpreis und bereits 2001 den Augsburger Brecht-Preis. Für den Schweizer Schriftsteller, so der damalige Jury-Vorsitzende, sei „Literatur verbunden mit Irritation“.

Die Vorstellungen im Gymnasium Donauwörth finden am 25 und 26. Januar wie auch am 1. und 2. Februar jeweils um 20 Uhr in der großen Aula des Gymnasiums statt. Zudem bietet die Schauspiel-Truppe ein Einführungsgespräch an, das jeweils um 19 Uhr beginnt. (dz)

Der Eintritt ist frei, dennoch wird um verbindliche Platzreservierung gebeten, entweder ab dem 15. Januar in den großen Pausen oder telefonisch unter 0176/69716003. Diese Rufnummer ist zwischen dem 15. und 24. Januar von 18 bis 20 Uhr besetzt.

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