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Landkreis Donau-Ries

25.03.2020

Kurzarbeit: Über 1000 Firmen in Nordschwaben sind betroffen

Richard Paul ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Donauwörth.
Bild: Bernhard Weizenegger

Bei der Arbeitsagentur Donauwörth laufen die Drähte heißt. Viel Betriebe in Nordschwaben haben Kurzarbeit angemeldet. Geschäftsführer Richard Paul im Interview.

Herr Paul, wie hoch ist die Nachfrage nach Kurzarbeit dieser Tage in der Arbeitsagentur?

Über lange Zeit hatten wir in Nordschwaben nur etwa fünf bis sechs Betriebe mit rund 50 Mitarbeitern, die Kurzarbeit hatten. Aktuell haben bei uns etwa 1000 Betriebe aus Nordschwaben angefragt oder Kurzarbeit angezeigt. Die Zahl ändert sich täglich. Sehr schnell nach der Regelung der Staatsregierung hatten wir hier die ersten Kontakte.

Wie reagieren Sie in der Agentur darauf?

Kurzarbeit: Über 1000 Firmen in Nordschwaben sind betroffen

Wir haben unsere gesamte Organisation umgebaut. Aktuell arbeiten 40 Vermittler in Nordschwaben nur zum Thema Kurzarbeit. Wir haben weitere Service-Nummern eingerichtet. Wir haben an Beratung alles hochgefahren, was geht.

Welche Branchen melden sich bei der Agentur?

Sie müssen sich eher fragen, wer in dieser Krisenzeit überhaupt noch arbeitet. Es ist keine Branche von diesem Einbruch ausgenommen.

Womit rechnen Sie? Wie viele Mitarbeiter wird es treffen?

In Nordschwaben gibt es 220.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Es ist schwer zu sagen, wie viele es davon wirklich betreffen wird, aber es sind sicher sehr viele. Es hängt aber auch davon ab, wie lange das alles dauert.

Welche Fragen haben die Unternehmer?

Bevor Kurzarbeitergeld bezogen wird, muss im Vorfeld eine kurze Beratung stattfinden. Es ist also Teil des Prozesses, dass die Betriebe bei uns anrufen. Wir fragen die wichtigsten Dinge ab und dann erhalten die Firmen per Mail einen Grundsatzbescheid, dass sie von uns Kurzarbeitergeld erhalten werden. Das geht meist innerhalb eines Tages. Es geht dabei darum, dass die Betriebe Rechtssicherheit erhalten.

Wann fließt denn dann das Geld?

Das Gehalt an die Arbeitnehmer wird direkt über den Betrieb ausgezahlt. Wir weisen dann nach drei Monaten die Erstattung an.

Wie schnell kann denn diese Kurzarbeiter-Regelung die einzelnen Arbeitnehmer betreffen?

Das geht sehr schnell. Die Geschäftsführung und der Betriebsrat des jeweiligen Unternehmens müssen sich auf eine Betriebsvereinbarung einigen, damit das Notprogramm anlaufen kann.

Wie wird denn aktuell geprüft, ob ein Unternehmen Kurzarbeitergeld erhalten kann?

Es geht um drei Dinge: Gibt es einen erheblichen Arbeitsausfall? Was sind dafür die Gründe? Ist es unvermeidbar? Das trifft bekanntermaßen auf die meisten zu. Wenn die Daten dann schlüssig sind, wird die Gewährung ausgesprochen. Im Nachgang werden wir stichprobenartig prüfen, ob die Angaben des Unternehmens auch richtig waren.

Ist das Instrument der Kurzarbeit in Ihren Augen das richtige Instrument?

Absolut. Es ist ganz wichtig, dass die Beschäftigten in Anstellung bleiben. Nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für die Firma, die Fachkräfte halten will. Nur wer Mitarbeiter hat, kann auch nach der Krise wieder durchstarten.

Reicht das Geld für alle?

Die Arbeitsagenturen haben eine Rücklage von 25 Milliarden Euro. Diesen Betrag hat man damals, in der Finanzkrise 2008, innerhalb von eineinhalb Jahren aufgebraucht. Natürlich wird diese Summe jetzt schneller schmelzen, aber der Bund deckt das Defizit der Arbeitsagenturen, sollte eines entstehen. Ich denke, man kann davon ausgehen, dass jeder Hilfe bekommt.

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