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Rain

22.11.2019

Lachnerpreis: Formvollendetes Kabarett und feiner Gesang

Die „Problemzonen“ hatten verschiedene Botschaften dabei. Von pfiffig über nachdenklich bis zur Blödelei: „Weißbier – bitte bringts uns a Weißbier...“.
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Die „Problemzonen“ hatten verschiedene Botschaften dabei. Von pfiffig über nachdenklich bis zur Blödelei: „Weißbier – bitte bringts uns a Weißbier...“.
Foto: Barbara Würmseher

Der Lachnerpreis geht heuer an die Gruppe „Die Problemzonen“, den Anton Lachner-Jugendpreis erhält die zehnjährige Elin Dükkanci. Laudatoren schildern, wofür genau die Kulturschaffenden geehrt werden.

„Weißbier, bitte bringt’s uns a Weißbier, mir ham so einen Durscht hier, mir hoidns fast nimmer aus ...“ sangen die einen voll ironischer Inbrunst und hatten die Lacher auf ihrer Seite. Sehr zart und innig hingegen intonierte die andere: „Love was made for me and you“ á la Nat King Cole – in atemloser Stille vor gebanntem Publikum. Der Unterschied hätte kaum größer sein können und doch einte ein Anlass beide: Die Kabarettgruppe „Problemzonen“ und Elin Dükkanci wurden jetzt in Rain mit dem Lachner-Kulturpreis beziehungsweise dem Anton Lachner-Jugendpreis der Sparkasse Neuburg-Rain ausgezeichnet. Der Festakt geriet einmal mehr zu einem großen gesellschaftlichen Ereignis in der Tillystadt.

Spritzig, bissig und ironisch

Womit haben Wolfgang Haschner, Monika Mayr, Christa Wiest und Bernhard Ull alias „Problemzonen“ diese Auszeichnung verdient? Laudator Dr. Alfred Rucker wusste es in einer ebenso niveauvollen wie augenzwinkernden Rede treffend auf den Punkt zu bringen: „Ihr seids einfach unverschämt sympathische Menschen und dürft deshalb in eurer globale Gesellschaftskritik auch sympathisch unverschämt sein.“ Und das in einem Maß, bei dem das Publikum „immer noch – wenn auch manchmal verhalten – lachen kann, ja sogar ab und zu einen Schluck von dem Kakao trinkt, durch den es gezogen wird.“

Rucker attestierte den vier Hobby-Kabarettisten, viele Bereiche des Lebens spritzig, bissig und ironisch treffend abzugrasen. Aber auch Nachdenkliches sei dabei, an den Schnittstellen menschlicher Existenz – und das alles mit Hirn, Charme, Choreografie, Theatralik und Musik.

Damit tragen die „Problemzonen“ nach den Worten des Laudators „zur kulturellen Bereicherung unseres Städtchens und über seine Grenzen hinaus überall anerkannt bei“. Die vier schlagen, so Rucker anerkennend, „nicht den Putzlappen der Kritik um die Ohren, sondern legen einer Gesellschaft wohlwollend das Mäntelchen sozialkritischer Palliativität um“. Viel Anerkennung zollte er dem Quartett und gab ihm als Wunsch für die Zukunft mit: „Bleibt auf dem Weg denkender Menschen mit Standpunkten – gesund und in euch zufrieden!“

Solle einer im Publikum an diesem Abend nicht ahnen, wovon Alfred Rucker sprach, so füllten die „Problemzonen“ selbst diese Wissenslücke. Sie spöttelten über Helikopter-Eltern und hielten den Ernährungs-Freaks einen Spiegel vor, die tagsüber gesund essen und abends der Chips-Orgie frönen. Ganz ohne Ironie wälzten sie auch etliche weltweite Probleme und Missstände von Flüchtlingspolitik über Brexit und Dieselskandal bis hin zu Rechtsradikalismus und kamen zu dem Schluss: „Wir sind – ganz egal, wie wir es drehn – nicht dafür gemacht, um alles zu verstehn.“

Elin Dükkanci beeindruckt durch Zielstrebigkeit und Talent

Elin Dükkanci war erst neun Jahre alt, als sie vor einem Jahr bei „The Voice Kids“ im Fernsehen singen durfte. Dass es dabei nicht gereicht hat, um weiter zu kommen, spielte keine Rolle. Jury wie Publikum zeigten sich beeindruckt über ihre Zielstrebigkeit, Musik zu leben.

Ihr Papa Cem Dükkanci hielt die Laudatio auf die jetzt Zehnjährige und plauderte aus dem Nähkästchen: Schon seit dem fünften Lebensjahr habe Elin den Wunsch gehabt, bei „The Voice Kids“ aufzutreten. Ausgiebiges Singen, Ballett und Bauchtanz hätten ihr geholfen, Musik zunehmend zu spüren und auszuleben. Später kamen Schulchor, Blockflöte, Gesangsunterricht, Klavierspiel, Gitarre, Jugendchor und der Übertritt aufs musische Gymnasium dazu. Einige Auftritte hat Elin schon absolviert: bei privaten Feiern, aber auch bei der Schlossweihnacht in Rain, bei der Aktion „Schau nachts Rain“ und bei einigen anderen offiziellen Veranstaltungen.

Cem Dükkanci blickte stolz auf seine Tochter, als er deren Zielstrebigkeit und Talent lobte. Und er versprach: „Auch, wenn wir uns als Eltern ab und zu einen schallisolierten Raum wünschten, sollst du wissen, dass wir weiterhin deinen Weg mit dir gehen werden.“ Er dankte für die Auszeichnung: „Es ist eine besondere Ehre, bereits in so jungen Jahren gehört und gesehen zu werden.“

Premiere für Nils Niermann

Einer an vorderster Front hatte an diesem Abend Premiere: Der neue Vorstandsvorsitzende Nils Niermann begrüßte erstmals im Namen der Stadtsparkasse Neuburg-Rain die Gäste. Als Lehrling hatte er einst in Rain begonnen und durfte nun – 30 Jahre später – hoch erfreut feststellen, dass es diesen Kulturpreis gibt.

Für die Stadt Rain trat Bürgermeister Gerhard Martin ans Rednerpult. Er sieht den Lachnerpreis einerseits als Ausdruck vielfältigen kulturellen Lebens in Rain, andererseits als Ansporn für viele, „sich ebenso wie die Preisträger in den Dienst der Kultur zu stellen und damit unser Leben noch vielfältiger, interessanter, erfüllter und lebenswerter zu machen.“

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