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Landkreis
26.06.2019

Frauen im Kreis Donau-Ries wollen neue Kirche

100 Jahre Katholischer Frauenbund Wemding: (von links) Emilia Müller, Martin Drexler, Wolfgang Gebert, Michael Prohazka.
Foto: Bissinger

Der Frauenbund feiert sein 100-jähriges Bestehen. Warum sich die Forderungen von Landesvorsitzender Emilia Müller ähnlich anhören wie die der Gründerin

Hat der Katholische Frauenbund noch Zukunft? „Ja“, sagt Emilia Müller, „mehr denn je“. Sie ist die Landesvorsitzende des Verbandes, der von 180000 Mitgliedern in Deutschland mehr als 165000 in Bayern zählt. Die ehemalige Sozial-Staatsministerin ist nach Wemding gekommen, um der dortigen Ortsgruppierung zu deren 100-jährigem Bestehen zu gratulieren.

Parallelen zur Gründerbewegung

Müller sieht durchaus Parallelen von der einstigen Gründerbewegung zu heute. Und dabei bedient sie sich einer Frau, die den Verband einst ins Leben gerufen hatte: Ellen Amann, die eine Trendsetterin gewesen sei, so Müller. In ihrer letzten Rede im Landtag (bevor sie einen Schlaganfall erlitt) habe sich Amann dafür eingesetzt, kinderreichen Familien zu helfen, ebenso wie sie Hilfe in der Wohnungsfrage forderte. Müller: „So weit scheinen 1932 und 2019 nicht auseinander zu liegen.“

Ehemalige Politikerin gibt sich kämpferisch

Die ehemalige Politikerin gratulierte dem Wemdinger Verbund, gab sich kämpferisch und forderte die Frauen auf, auch in der Politik und in der Kirche Verantwortung zu übernehmen. Mitdenken und Mitarbeiten seien nicht nur ein Recht, sondern Pflicht. Der Frauenbund sei nach wie vor im Takt der Zeit. Nur noch knapp 27 Prozent der Sitze im Maximilianeum seien weiblich besetzt. Dies gelte es zu ändern. Aber auch die katholische Kirche offenbare derzeit einen großen Reformbedarf. „Die Gesellschaft verändert sich. Auch die Kirche muss sich bewegen“, rief Müller den Gästen beim Festakt im historischen Wemdinger Rathaus zu. Ihre Forderung: „Gleiche Entwicklungs- und Teilhabechancen für Frauen und Männer in der Kirche.“

Vereinsarbeit nicht mehr „in“?

Sie wisse, meinte Müller, dass Vereinsarbeit nicht mehr „in“ sei, sich die Lebenswirklichkeit der Frauen veränderte und die Zeitfenster für ehrenamtliches Engagement kleiner würden. Es bestünden nach wie vor deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern: bei Karrierechancen, beim Entgelt oder bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gleiches gelte für die Beteiligung und Mitgestaltung in der Kirche.

Ähnlich hatte sich zuvor Ortsvorsitzende Renate Kerzel geäußert. Sie erinnerte an die Anfänge des Frauenbundes in Wemding, als man auf Anhieb annähernd 150 Mitglieder mobilisiert habe. In der Übernahme von Verantwortung bestehe in Zukunft eine Chance, den „großartigen Weg unserer Vorgängerinnen fortzusetzen“. Dies betonte auch Walburga Kretschmeier, die Vorsitzende des Diözesanverbandes in Eichstätt.

Das schlagende Herz der Pfarrgemeinde

„Der Frauenbund ist das schlagende Herz unserer Pfarrgemeinde“, anerkannte Stadtpfarrer Wolfgang Gebert, gleichzeitig geistlicher Beirat des Verbandes. Der Frauenbund sei nicht wegzudenken, „gerade wenn große Feierlichkeiten anstehen“. Die Mitglieder seien wichtig, bei der Zusammenführung von Menschen und im Kampf gegen Vereinsamung. In einer Zeit, in der sich die Gesellschaft rasant verändere, bilde diese Gemeinschaft einen „Ruhepol“.

In den kommunalen Parlamenten seien die Frauen unterrepräsentiert, analysierte Landrat Stefan Rößle. Dies werde der Stellung der Frau in unserem Jahrhundert nicht gerecht. Zu den Gratulanten zählte auch Bürgermeister Martin Drexler. Er hatte aus Anlass des Jubiläum einen Eintrag im Goldenen Buch vorbereitet. Dem Festakt (musikalisch von einem Ensemble des Kammerorchesters Oettingen gestaltet) vorausgegangen war ein feierlicher Gottesdienst in Sankt Emmeran. Als Zelebrant und Festredner hatte Vizerektor Michael Prohazka vom Collegium Orientale in Eichstätt die Bedeutung der Frauenbund-Vereinigungnen hervorgehoben.

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