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Interview

05.11.2018

Landtagsabgeordnete Eva Lettenbauer: Jung, motiviert und grün

Eva Lettenbauer genießt die Tage in ihrer Heimat Reichertswies. Am 5. November nimmt sie ihre Arbeit als Landtagsabgeordnete auf. Sie ist mit knapp 18000 Stimmen in Schwaben für Bündnis 90/Die Grünen ins Maximilianeum eingezogen.
Bild: Barbara Wild

Plus Eva Lettenbauer von den Grünen ist mit 26 Jahren die jüngste Abgeordnete im Landtag. Ihrer Heimat Reichertswies bleibt sie trotz Politik-Karriere treu.

Morgens um 10 Uhr trifft man in Reichertswies ein paar Nachbarn von Eva Lettenbauer. Sie winken uns freundlich zu, während wir die einzige Straße im Dorf entlang laufen. Bis zum Ortsschild sind es keine fünf Minuten. Ein paar Neubauten fallen auf, schicke Einfamilienhäuser. Es ist hier ziemlich still und auch ein bisschen einsam. Aber schön. Der Blick schweift weit über die Hügel und Felder, wie das eben so ist auf dem Land.

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56 Einwohner leben in dem kleinen Ortsteil von Daiting, einer von ihnen ist Eva Lettenbauer. Sie steht am Anfang einer Karriere in der Politik: 26, Wirtschaftsingenieurin und seit knapp drei Wochen Mitglied des Bayerischen Landtags für ihre Partei, Bündnis 90/Die Grünen. Sie ist die jüngste Abgeordnete in dieser Wahlperiode und doch alles andere als ein Anfänger. Sie ist Kreisvorsitzende der Grünen im Donau-Ries und drei Jahre lang bis Mai dieses Jahres Landessprecherin der Grünen Jugend in Bayern. In ihrem Stimmkreis erkämpfte sie exakt 10300 Stimmen, in Schwaben 17651 – das bescherte ihr den Einzug über die Liste.

Frau Lettenbauer, haben Sie sich schon an den Gedanken gewöhnt, dass Sie jetzt wirklich in den Landtag gewählt sind?

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Lettenbauer: Ja, so langsam haben sich die Ereignisse der vergangenen Woche gesetzt. Und ich bin natürlich sehr zufrieden mit dem Ergebnis, es war ja mein Ziel, in den Landtag zu kommen. Jetzt habe ich noch ein paar Tage Zeit, bevor es in München richtig losgeht. Das will ich nutzen, mich sortieren und durchatmen, bevor die politische Arbeit richtig losgeht.

Eva Lettenbauer: Vom allgemeinen Erfolg der Grünen profitiert

Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg? Schwimmen Sie auf der Erfolgswelle der Grünen mit?

Lettenbauer: Natürlich habe ich vom allgemeinen Erfolg der Grünen profitiert. Mir war klar, dass ich es nur über die Liste schaffe und mit Platz drei war ich gut aufgestellt. Aber ich habe auch einen sehr engagierten Wahlkampf geführt. Ich habe nicht nur Plakate geklebt und mich Diskussionsrunden gestellt. Denn schnell war mir klar, dass viele Bürger gar nicht das Interesse oder die Zeit haben, zu Wahlveranstaltungen zu gehen. Deshalb bin ich von Tür zu Tür gegangen und habe mich in jedem größeren Ort meines Stimmkreises den Bürgern persönlich vorgestellt.

Sie haben quasi an der Haustür geklingelt?

Lettenbauer: Ja. Ich habe mich vorgestellt und die Menschen gefragt, wo ihnen der Schuh drückt. Das kam sehr gut an. Ich glaube, bis auf einmal, da bin ich abgeblitzt, weil derjenige gesagt hat, er wählt eh CSU, ich könne mir das sparen. Und einmal haben wir gestört, als gekocht wurde. Sonst aber war es sehr positiv. Übrigens auch in den Rieser Gemeinden.

Sie stammen ja aus einem wirklich kleinen Ort. Reichertswies hat 56 Einwohner. Und Sie sind sehr jung. Warum reizt Sie die Politik?

Lettenbauer: Ich denke erst einmal, dass es keine große Rolle spielt, wo man aufwächst. Aber ich finde es ganz wichtig, dass es auch am Land Gesichter gibt, die für Grüne Politik stehen und jemand da ist, der mit den Menschen diskutiert und ihre Anliegen mitnimmt. Zur Politik bin ich über die klassische Jugendarbeit bei der Grünen Jugend gekommen. Ich habe gerade Abitur gemacht, als die Katastrophe von Fukushima passiert ist. Das hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Die Grünen haben mich inhaltlich abgeholt und so bin ich hängen geblieben.

Jetzt, wo Sie das Mandat errungen haben – wie geht es für Sie los?

Lettenbauer: Zunächst musste ich mal meine Angelegenheiten klären. Ich bin jetzt von meinem Arbeitsplatz bei GP Joule in Buttenwiesen freigestellt. Das ist zwar auch ein Abschied, aber ich werde mich ja jetzt politisch für erneuerbare Energien einsetzen. Am 5. November kommt dann der neu gewählte Landtag das erste Mal zusammen.

Eva Lettenbauer will Themen Energie, Soziales und Jugend besetzen

Welche Themen wollen Sie besetzen?

Lettenbauer: Wenn wir wissen, wie die Ministerien zugeschnitten sind, werden wir in der Fraktion besprechen, wer in München für welche Bereiche zuständig ist. Ich möchte mich natürlich gerne weiter in meinem Fachgebiet der Energiepolitik einbringen, finde aber auch soziale Themen sehr wichtig. Klar ist auch, dass ich mich um das Thema Jugendpolitik kümmern möchte.

Das passt ja auch zu Ihren bisherigen Ämtern und Ihrem Alter.

Lettenbauer: Ja, das stimmt. Das funktioniert einfach besser, wenn man vom Alter her näher dran ist. Man kann von der Jugend viele Impulse mitnehmen. Noch dazu ist das ein Bereich, der sehr viele Themenfelder zusammenbringt. Für die Jugend ist Nahverkehr, Bildung und mehr Mitbestimmung genauso wichtig. Ich bin ja schon sehr lange eine Befürworterin, dass Jugendlicher früher wählen dürfen. Außerdem ist es sehr spannend, mit den Verbänden wie dem Bayerischen Jugendring Kontakt zu halten und sich dort auszutauschen. Gerade dort passiert auch massiv politische Arbeit und es werden sehr gute Ideen entwickelt.

Eva Lettenbauer und Albert Riedelsheimer.
Bild: Kneißl-Eder

Im Stimmkreis müssen Sie ja dann alle Themen besetzen und auch mit dem Landwirt klarkommen, der bisher immer die CSU gewählt hat.

Lettenbauer: Das sehe ich nicht als Problem, denn auch bisher war ich mit dieser Gruppe in Kontakt. Viele Landwirte erkennen schon lange, dass wir unsere Natur und Umwelt erhalten und was ändern müssen. Da passiert viel. Dass ich vom Land komme, schadet sicher auch nicht.

Wie wollen Sie sich im Landkreis präsentieren?

Lettenbauer: Ich werde in Sitzungswochen Dienstag bis Donnerstag in München sein und den Rest der Woche hier im Landkreis. Ich ziehe auch nicht um, denn ich will im Stimmkreis präsent sein. Der Plan ist, in Donauwörth und auch in Dillingen Regionalbüros zu eröffnen, wo mich die Bürger treffen können. Und dann werde ich am Wochenende sicher viel unterwegs sein.

Sind die ersten Einladungen schon eingetroffen?

Lettenbauer: Ja tatsächlich. Erst kamen jede Menge Glückwünsche und auch Blumen – zum Beispiel vom Daitinger Bürgermeister – und jetzt kommt schon die erste Post mit Veranstaltungen, die ich besuchen kann.

Grüne: Keine Zusammenarbeit mit der AfD

Da werden Sie ja dann sicher auch Ihre Landtagskollegen der anderen Parteien treffen.

Lettenbauer: Mit Wolfgang Fackler (CSU) habe ich ja bereits die ein oder andere Diskussionsrunde bestritten. Wir sind in einigen Punkten definitiv nicht einer Meinung und das werden wir sicher weiterhin diskutieren.

Hat er Ihnen ein paar Tipps gegeben, wie man sich als Neuling im Landtag gut zurechtfindet?

Lettenbauer: Nein, das hat nicht stattgefunden.

Wie werden Sie mit Herrn Singer von der AfD umgehen?

Lettenbauer: Jeder gewählte Abgeordnete hat das Recht, seine Arbeit zu machen. Das gilt für jeden, also auch für Abgeordnete der AfD. Ich werde die Präsenz dieser Partei aber nicht als Normalzustand sehen. Deren Positionen sind undemokratisch, weil sie die Menschenwürde angreifen, und – das zeigt sich im Bund – ihre Arbeit ist politisch oft unproduktiv. Da werden mehr Videos für Social-Media-Plattformen gedreht, als Ideen entwickelt. Ich hoffe, dass diese Partei sehr schnell entzaubert wird. Eine Zusammenarbeit von meiner Seite wird keinesfalls stattfinden.

Welchen Politikstil wollen Sie verkörpern?

Lettenbauer: Mein Ziel ist es, immer eine Ansprechpartnerin für die Menschen zu sein. Ich will an Sachfragen arbeiten und nicht Populismus betreiben. Es gibt viele gute Ideen in diesem Land, die gilt es zu nutzen. Ein guter Diskurs hilft, eine gute Politik zu machen. Das ist meine Überzeugung.

Wo entspannt die private Eva Lettenbauer?

Lettenbauer: In der Natur. Ich gehe gerne in die Berge und mindestens einmal im Jahr ist ein Wanderwochenende ein fester Termin mit meiner Clique. Ich hoffe, dass ich dafür weiter Zeit finde.

Haben Sie sich schon daran gewöhnt, dass Sie jetzt bekannter sind und die Menschen Sie erkennen werden?

Lettenbauer: Ich war schon erstaunt, dass es jetzt sogar einen Wikipedia-Artikel über mich gibt. Der ist in den letzten Wochen irgendwie aufgetaucht. Da scheint es fleißige Menschen zu geben, die sich diese Mühe machen. Aber ich kann damit umgehen.

Die weiteren Interviews mit den Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis Donau-Ries lesen Sie hier: AfD-Abgeordneter Ulrich Singer: „Ich will alte Fronten niederreißen“ , Wolfgang Fackler (CSU): „Ich habe geliefert“

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