1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Langer Kampf um fairen Milchpreis

Landwirtschaft

03.04.2013

Langer Kampf um fairen Milchpreis

Gemeinsam setzen sie sich für einen fairen Milchpreis ein: (von links) Hermann Kipfmüller aus Megesheim, Josef Bissinger aus Mertingen und Albert Frey aus Rettingen.
Bild: Barbara Feneberg

Bauern im Landkreis fordern 50 Cent pro Liter. Gleichzeitig fürchten sie, dass mit dem Ende der Milchquote viele Betriebe auf der Strecke bleiben

Mertingen Die rund 644 Milchbauern im Landkreis bereiten sich auf stürmische Zeiten vor. Denn die Zukunft bringt vermutlich viele Veränderungen mit sich. Gerade im Wahljahr gilt es für die Landwirte, für ihre Forderungen zu kämpfen. Im April wollen sie zur Konferenz der deutschen Agrarminister nach Berchtesgaden fahren, um zu demonstrieren. Im Juni geht es dann zur Großdemo nach Brüssel.

Die Lage ist kompliziert, weil nicht nur die Milchbauern ihre Interessen wahren wollen, sondern auch die Molkereien, der Handel, die EU und die Weltpolitik gehörig mitspielen. Längst spüren Milcherzeuger wie Josef Bissinger in Mertingen die Auswirkungen des Weltmarkts.

Da ist zum einen der Preis pro Liter Milch, den ihm seine Molkerei zahlt. Zott gibt ihm 34 Cent. „Um kostendeckend zu arbeiten und davon leben zu können, fordern wir aber 50 Cent“, sagt Bissinger, der beim Bund Deutscher Milchviehzüchter (BDM) aktiv ist. Weil insgesamt zu viel Milch am Markt ist, können die Molkereien billiger einkaufen. Deutschlandweit steigt die Produktion, 31 Millionen Tonnen sind es derzeit pro Jahr. Im Landkreis hingegen sinkt die Zahl der Betriebe. Seit 1999 gingen sie um 843 auf 644 zurück. Im Jahr 2012 haben sie rund 148 Millionen Kilo produziert.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

BDM schlägt eine Monitoringstelle vor

Neben der Forderung nach einem höheren Milchpreis von 50 Cent gibt es für die Milchbauern ein weiteres Problem. Zum 1. April 2015 fällt die Milchquote, die eine Überproduktion des Nahrungsmittels verhindern sollte. Das hat die EU bereits beschlossen. Die Milchbauern befürchten, dass eine völlige Liberalisierung des Milchmarkts die Folge sein wird. Doch das lehnt der BDM ab. Da dann noch mehr Milch produziert werde, steige das Überangebot und der Preis sinke auf ein Weltmarktniveau, das sehr niedrig ist. Dann wäre es für die deutschen Betriebe noch schwieriger, kostendeckend zu arbeiten, sagt Bissinger. „Der Grundgedanke der Milchquote war nicht falsch, nur wurde die Regelung immer mehr verwässert.“

Da das Ende der Quote kommt, hat der BDM einen anderen Vorschlag: eine europäische Monitoringstelle, die auf Augenhöhe mit der Molkereiwirtschaft und dem Handel agieren soll. Sie würde die Steuerung der benötigten Milchmengen übernehmen. „Wir wollen das Problem an der Wurzel packen und nicht nur im nachhinein die Symptome behandeln“, sagt Bissinger. Sprich: Es dürfe gar nicht so viel Milch in den Markt gepumpt werden, dass ein Überangebot und damit Billigpreise möglich sind. Gleichzeitig aber soll der europäische Markt mit guter Qualität versorgt sein. „Unsere Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner ist für eine Liberalisierung des Markts. Das können wir nicht verstehen“, sagt Bissinger, der von der Bundespolitik enttäuscht ist. Auch der Bauernverband befürwortet den offenen Weltmarkt. „Aber so macht man die deutschen Milchbetriebe kaputt.“ Die Bauern fordern Planungssicherheit. „Die brauchen wir, weil wir viel in Vieh und Ställe investieren“, sagt Albert Frey, Milchbauer aus Rettingen. Um das Milchmarktkonzept des BDM auch den regionalen Parteien näher zu bringen, wollen Bissinger, Frey und ihr Kollege Hermann Kipfmüller aus Megesheim das Wahljahr nutzen: die Parteien zu Hofbesuchen einladen und für ihre Sache werben.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren