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Marxheim

05.08.2020

Lebensgefahr: Polizei holt drei Schlauchbootfahrer aus der Donau

Das Bertoldsheimer Stauwehr bei Hochwasser: Wer in den Sog der Wasserkraft gerät, wird sieben Meter in die Tiefe gespült und vom Strudel unter Wasser gezogen.
Bild: Geyer

Plus Die Beamten fordern bei Marxheim drei Paddler auf, sofort ans sichere Ufer zu kommen. Warum die Tour der Männer auch böse hätte enden können.

Es hätte eine zünftige Bootswanderung werden sollen, doch sie endete nicht ohne Dramatik: Drei Männer aus Baden-Württemberg – 27, 28 und 35 Jahre alt – gingen am Dienstag in Dillingen samt Schwimmwesten und Campingausrüstung an Bord ihres Schlauchboots und wollten auf der Donau flussabwärts bis Neuburg paddeln. Gegen 19 Uhr allerdings wurde ihre Tour bei Marxheim durch die Polizei abrupt unterbrochen. Beamte der PI Rain forderten die drei kurz vor dem Stauwehr Bertoldsheim auf, die Donau unverzüglich zu verlassen. Hochwasser und Strömung hatten den Ausflug zu einer potenziell lebensgefährlichen Aktion werden lassen.

Die Regenfälle der vergangenen Tage haben vielerorts die Pegelstände der Fließgewässer erhöht. In Marxheim verschärft zudem der einmündende Lech die Situation. Wassermengen und Fließgeschwindigkeit nehmen dort zu. Die Donau war unmittelbar nach der Mündungsstelle gestern noch über die Ufer getreten.

Der Rettungshubschrauber wurde angefordert

Wie die Polizei auf Nachfrage schildert, hatte ein Passant am Dienstagabend beobachtet, wie das Schlauchboot mit den drei Männern bei diesen „problematischen Wasserverhältnissen“ unterwegs war. Er setzte einen Notruf ab und damit kam die ganze Maschinerie des Rettungswesens in Gang: Polizei und BRK rückten aus, die Feuerwehren Marxheim und Rain waren mit insgesamt rund 50 Einsatzkräften vor Ort, die Wasserwacht Donauwörth mit zehn Leuten und zwei Booten und der Rettungshubschrauber Christoph 40 wurde aus Augsburg angefordert.

Lebensgefahr: Polizei holt drei Schlauchbootfahrer aus der Donau

Die Wasserwacht ging mit einem Boot am Feldheimer Stausee ins Wasser, mit dem zweiten nahe Bertoldsheim, um auf diese Weise, so Wasserwachts-Vorsitzender Michael Haller, „dem Schlauchboot von oben und von unten entgegenzusetzen“. Doch noch ehe die Rettungskräfte tätig werden mussten, waren die drei jungen Männer bereits der Aufforderung der Polizei gefolgt, hatten das Ufer angesteuert und waren sicher an Land gegangen.

Grob fahrlässig gehandelt

Auch wenn nichts weiter passiert ist, haben die drei aus Sicht der Polizei grob fahrlässig gehandelt. „Das Befahren der Donau ist zwar frei“, sagt der Rainer PI-Leiter Ralph Schurius auf Anfrage, „aber jeder, der dort fährt, muss den gesunden Menschenverstand einschalten.“

Regenfälle und angestiegene Pegelstände sollten zu erhöhter Vorsicht führen, so appelliert Schurius. Diese Gegebenheiten sollten unbedingt bei einer solchen Tour berücksichtigt werden. Im konkreten Fall hatten die drei Württemberger zudem ein wichtiges Hinweisschild ignoriert, das etwa einen Kilometer vor dem Wehr angebracht ist. Sie hatten es schon um etwa 200 Meter passiert, als die Polizei einschritt. Darauf steht: „Achtung Lebensgefahr. Bei blinkender Lampe das Wasser sofort verlassen“.

Die Lampe leuchtet viele hundert Meter weit

Diese Lampe war am Dienstag tatsächlich an, wie gestern bei der Pressestelle des Kraftwerkbetreibers Uniper zu erfahren war. Sie tritt automatisch in Aktion ab einem Wasserzulauf von 550 Kubikmetern pro Sekunde und hat die Leuchtkraft von Warnlichtern wie sie etwa auch in Häfen installiert sind. „Viele hundert Meter weit“, so bestätigte Uniper-Pressesprecher Theodoros Reumschüssel.

Nähern sich Bootsfahrer zu weit dem Stauwehr, geraten sie bei Hochwasser in eine so starke Strömung, dass sie es, so PI-Leiter Schurius, „nicht mehr rudernd schaffen, sich in Sicherheit zu bringen“. Im schlimmsten Fall stürzen sie dann an der sieben Meter hohe Staustufe im freien Fall in die Tiefe. „Das ist lebensgefährlich.“ Auch Michael Haller von der Wasserwacht warnt: „Fließgewässer sind nicht zu unterschätzen. Bei Hochwasser besteht Lebensgefahr – ob man schwimmend oder per Boot unterwegs ist.“

Die Polizei hat die drei Württemberger verwarnt und prüft nun, ob sie für die entstandenen Kosten aufkommen müssen. Allein beim Rettungshubschrauber kostet eine Stunde Einsatz 5000 Euro.

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