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Donau-Ries

17.01.2019

Letzter Wunsch der toten Barbara erfüllt sich: Eltern sagen "Danke"

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Lebensfroh, beliebt und engagiert war Barbara. Das Mädchen starb am 8. Dezember, drei Wochen, nachdem es ganz plötzlich erkrankt war.
Bild: Linzi

Plus Der Tod der 13-jährigen Barbara Linzi aus Buchdorf löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Dank der vielen Helfer erfüllt sich nun Barbaras letzter Wunsch.

Auf dem Tisch im Esszimmer der Familie Linzi steht eine bunte Plastikkiste mit Heften, Schulbüchern und Ordnern. Sie haben Barbara gehört. Mitarbeiter der Schule haben sie vorbeigebracht. Es waren die letzten Dinge, die noch unter der Bank der 13-Jährigen lagen. Jetzt ist ihr Platz in der Klasse leer. Mitte November hat sie zum letzten Mal ihre Einträge gemacht, hat zum letzten Mal ins Hausaufgabenheft geschrieben.

An den Wänden im Wohnzimmer hängen neben anderen Familienbildern auch Fotos von Barbara. Ein Holztraktor, den sie im Werkunterricht geschreinert hat, steht auf dem Regal. Sie hat ihn ihrem Papa geschenkt. "Barbara hat immer alles hergegeben", sagt Matthias Linzi. Ihre eigenen Weihnachtsgeschenke hingegen sind unausgepackt geblieben, denn am Heiligen Abend war Barbara schon tot.

Überall gibt es Spuren der 13-Jährigen – nur sie selbst ist eben nicht mehr da. Am 8. Dezember starb sie an einem aggressiven Erreger, der eine letztlich tödliche Entzündung im Gehirn ausgelöst hat. Eine Familie trauert.

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Wildfremde Menschen haben gespendet

Und mit den Eltern und den vier Geschwistern ist es der ganze Ort, der betroffen ist, sind es Vereine aus Nachbargemeinden, sind es wildfremde Menschen, denen Barbaras Schicksal so sehr zu Herzen geht, dass sie helfen wollen. Eine unglaubliche Welle der Solidarität und des Mitgefühls ist ins Rollen gekommen, die jetzt den letzten Wunsch des Mädchens ermöglicht: Barbara bekommt den Grabstein, den sie sich zu Lebzeiten ausgesucht hat. Es ist ein zierlicher Engel – so groß wie ein Kind –, der beim Buchdorfer Steinmetz an der Hauptstraße steht. Dort ist Barbara oft auf ihrem Schulweg vorbeigekommen, hat die filigrane Schönheit der Figur bewundert und zu ihrer Mutter gesagt: „Wenn ich einmal sterbe, Mama, dann möchte ich den da haben.“

Diesen Grabstein aus Granit hat sich Barbara Linzi gewünscht. Viele Menschen haben zusammengelegt, damit die 13-Jährige ihren Engel bekommt.
Bild: Barbara Würmseher

Überwältigt von den vielen Zeichen des Mitgefühls, die sie in den vergangenen Wochen erreicht haben, ist es Barbaras Eltern jetzt ein großes Anliegen, „Danke“ zu sagen. Danke für jedes herzliche Wort der Anteilnahme, aber auch Danke dafür, dass Barbaras Wunsch erfüllt werden kann. Bei einer ganzen Reihe von Aktionen wurde Geld gesammelt, das nun in der Summe dafür reicht, den Engel – eine Bildhauerarbeit aus Granit – zu kaufen und darüber hinaus noch einen Teil der Beerdigungskosten zu bezahlen.

Barbaras Eltern: "Wenn wir nur unser Kind wiederhaben könnten"

„Mit so viel Anteilnahme hätten wir nie gerechnet“, sagen Ilona und Matthias Linzi. „Wir sind den Menschen so unendlich dankbar für ihre Unterstützung und trotzdem würde ich gern jedem liebend gern das Doppelte zurückzahlen, wenn wir nur unser Kind wiederhaben könnten.“

Sie meinen damit all jene, die zum Benefizkonzert von Martina Würth und deren musikalischen Freunden gekommen sind, sie meinen den FC Bayern-Fanclub Redwood Cats aus Otting, den Buchdorfer Schützenverein, die örtliche Landjugend, die Band Perfect, die Ministranten, die Besucher des Bauwagens in Buchdorf, die Grund- und Mittelschule Monheim, wo Barbara zuletzt die achte Klasse besucht hat, die Firma Steinmetz Reiner, den Ortspfarrer Wieslaw Bujak, der sie als tröstender Seelsorger begleitet hat, und ganz viele weitere Menschen, die die Linzis manchmal nicht einmal kennen. „Wir haben auch anonyme Spenden bekommen, in Umschlägen, mit lieben Worten – das rührt uns zutiefst“, sagen sie.

Die große Resonanz spiegelt auch Barbaras Beliebtheit wider. Das Mädchen war Klassensprecherin, hat sich schon seit Jahren als Schülerlotsin betätigt, war wie seine Geschwister auch bei den Buchdorfer Ministranten, war Mitglied der Wasserwacht in Monheim und Bogenschützin bei den Schützen seiner Heimatgemeinde. „Barbara hat sich außerdem an einem sozialen Projekt ihrer Schule beteiligt“, erzählt Ilona Linzi, „Sie hat jede Woche eine Stunde in einem Kindergarten mitgeholfen.“

Die Todesursache bleibt rätselhaft

Noch immer quält es die Eltern, nicht zu wissen, was letztlich zu Barbaras Tod geführt hat. Hat sie sich den Erreger bei einem der letzte Familienausflügen geholt? Hat der Tod nach ihr gegriffen, als sie einen besonders glücklichen Moment erlebt hat? „Der Abschlussbericht des Klinikums Augsburg steht noch aus“, sagen sie. „Auch für die Ärzte ist die Todesursache noch rätselhaft. Es werden weitere Blutproben untersucht.

Die Eltern wünschen sich nun, dass jeder der Spender sehen kann, wozu er einen Beitrag geleistet hat. „Es war uns wichtig, dass wir etwas Bleibendes für unsere Barbara haben, nicht nur Blumen und Kränze, die verwelken“, erklären die Eltern. Noch steht die Granit-Skulptur beim Steinmetz. Erst wenn sich die Erde gesetzt hat, wird der Grabstein auf den Friedhof gebracht. Der kunstvolle Engel, der mit geschlossenen Augen in anmutiger Haltung an einem polierten Stein lehnt, trägt ein fließendes Gewand im römischen Togastil. Sein Gesichtsausdruck strahlt etwas Friedliches aus. „Man kann bei diesem Anblick zur Ruhe kommen“, hofft Barbaras Vater.

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