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Konzert

26.01.2019

Lieder von Liebe, Verzicht und Tod

Mezzosopranistin Charlotte Schmidt und Pianist Tobias Jackl erfüllten in Mertingen buchstäblich die „Erwartungen“ des Publikums.
Bild: Ulrike Hampp-Weigand

Charlotte Schmidt debütierte in Mertingen und ließ keine Wünsche offen

„Erwartung“ – dieser Liedtext von Richard Dehmel, vertont von Arnold Schönberg als Opus 2 Nr. 1, beschreibt, was sich die zahlreichen Besucher vom Debüt der Mezzosopranistin Charlotte Schmidt bei ihrem Liederabend in Mertingen vorstellten: Und die junge, attraktive Frau mit der großen, schön timbrierten Mezzostimme, der beeindruckenden, sicheren Höhe und satten, fülligen Tiefe enttäuschte nicht. Zumal sie einen sensibel jede ihrer Vortragsnuancen und Stimmfärbungen aufnehmenden Klavierbegleiter mitgebracht hatte, den Münchner Tobias Jackl, der sich zudem als charmanter und kenntnisreicher Moderator erwies.

Charlotte Schmidt hatte ein anspruchsvolles Liedprogramm zusammengestellt: Lieder von Liebe, Verlassenwerden, Verzicht und Tod: Und Lieder von nahezu atemlosem Staunen ob der Gewalt der Liebe. Schönbergs höchst anspruchsvolle Vertonung „Erwartung“ – die gespenstische Vision des Mannes am nächtlich-meergrünen Teich – erklang in großer Fülle, großen Linien.

Edvard Griegs „Zur Rosenzeit“, eine Goethe-Vertonung „ihr verblühet, süße Rosen, meine Liebe trug euch nicht“ erklang ausdrucksstark, elegisch-melancholisch und ließ Bilder entstehen. Johannes Brahms folgende Vertonungen, vielfach Volkslied geworden, beschwören die Liebe. Grob verhält sich der junge Mann und zärtlich hoffend das Mädchen – „Eisen und Stahl, sie können zergehn, unsere Liebe muss ewig bestehn“ – so sehnsuchtsvoll, so hoffnungsvoll, so wohl vergeblich.

Mit intensivem, starken Ausdruck auch die „Mainacht“ und „Wir wandelten“. Hoffnungslosigkeit stand über allem Sehnen…bis zu Alban Bergs „Dem Schmerz sein Recht“. Wunderschön modellierte sie die Lieder (der Liebe) von Hector Berlioz „Villanelle“, „Sur les lagune“ und „Spectre de la rose“, ausdrucksvoll vorgetragen, mit einem beeindruckend sicheren Sitz der Stimme. Im weiteren Konzertverlauf Lieder von Gustav Mahler. „Das irdische Leben“ illustrierte Not und Verzweiflung des hungernden Kindes – dagegen setzte sie bezwingend die Fröhlichkeit des „Rheinlegendchen“.

Dabei hatte sie sich doch ganz anders eingeführt, nämlich in großer stimmlicher Fülle mit der Auftrittsarie „Ich lade gern mir Gäste ein“ des arroganten Fürsten Orlovsky aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß (Sohn). Oper stand denn auch ergänzend auf dem Programm – mit dem dunklen Trauern der Charlotte aus Jules Massenets „Werther“. „Va! Laisse couler mes larmes“ artikulierte die junge Sängerin aufs Feinste Schwermut – in drei Sätzen ein ganzes Leben, so zutreffend Tobias Jackl.

Sehr hübsch gab Charlotte Schmidt der Dorabella in ihrer „Schimpfarie“ über die Männer aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Cosi fan tutte“ stimmkräftig Ausdruck. Ein Wechsel in Tempi und Tonart: Mit Manuel de Fallas Liedern aus den „Siete canciones“ traf die Sängerin jenen schwebend dunklen, so ansprechenden Ton. Äußerst amüsant dann Vertonungen William Bolcoms – spitzbübisch insbesondere das „Toothbrush time“ –, das Nachsinnen über eine Liebesnacht mit überraschendem Ausgang. Das war große Kunst. Dank Tobias Jackls Witz führte die Erläuterung zu hör- und spürbarer Erheiterung.

Mit der großen Arie „L’amour est un oiseau rebelle“ der Zigeunerin Carmen aus Georges Bizets gleichnamiger Oper überzeugte Charlotte Schmidt vollends. Riesengroßer Beifall war verdienter Lohn für die junge Frau, die sich mit zwei Opernarien-Zugaben herzlich bedankte.

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