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30.06.2009

Lisa Fitz passt in keine Klischee-Schublade

Münster (akön) - "Theater - Träume - Illusionen" lautete das Motto der kunstkulturellen Handwerkerpromenade 2009 auf Gut Hemerten bei Münster. Höhepunkt war der Auftritt der Kabarettistin Lisa Fitz vor 300 Zuschauern. In einem alten Zirkuszelt inmitten von Unmengen Stroh präsentierte sie ihr neues Programm "Super Plus! Tanken und Beten". Lisa Fitz lässt sich nicht gerne festlegen: über 2000 Solokabarettabende hat sie absolviert, fünf Satirebücher und zwei Romane geschrieben, auch als Schauspielerin ist sie erfolgreich. Nachgetragen wird ihr immer noch ihr Ausflug in das RTL-Dschungel-Camp.

Auch in Münster bewies Lisa Fitz einmal mehr: sie passt in keine Schublade. Mit ihrer Gitarre stellte sie sich den Problemen unserer Zeit. Sie lamentiert über den Jugendwahn, das Ozonloch, Frauen, Männer, Kirche, Bushido. Kein Thema, das nicht wenigstens eine Randbemerkung wert ist. Sie kaut in ihrem zweistündigen Programm gnadenlos alles durch. Aber scharfsinnig und intelligent sind ihre Analysen, derb der Humor.

Die bayerische Kabarettistin wundert sich über die Tatsache, dass deutsche Männer 14 Milliarden Euro im Jahr im Rotlichtmilieu ausgeben und das trotz der "Schnäppchen" aus dem Ostblock. "Ja meine Damen, das geht ihnen alles vom Haushaltsgeld ab", sinniert sie weiter. Keine Frage, da muss auch Horst Seehofer herhalten, schließlich gehe jeder vierte Mann fremd. Der bayerische Ministerpräsident hat "jetzt zwei Ämter und eine Frau. Vorher war's anders herum."

Aber auch Angela Merkel ("das durchtriebene Luder") und Co. kriegen ihr Fett weg. Wie kann es sein, dass 100 Millionen Steuergelder für einen G-8-Klimagipfel ausgegeben werden, bei dem sich die Spitzenpolitiker drei Tage zum Essen treffen, wenn ein 30-minütiges Telefonat die gleichen Ergebnisse gebracht hätte?

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Wirklich tief und atmosphärisch sind ihre Lieder. Mit ihrer bunten Gitarre singt sie sanft "Kei' Minut'n ohne di" oder "München", um im nächsten Moment angriffslustig und bitterböse über Blumen aus Ecuador herzuziehen.

Im zweiten Teil ihres Programms widmet sich Deutschlands Kabarettistin Nummer eins der Angstmacher-Industrie. Jede Woche eine neue Panik, die drei Tage später schon vergessen ist und einfach so verschwindet. "Wer redet denn heute noch von Aids, Vogelgrippe, Gammelfleisch oder dem Ozonloch? Ich bin diese Katastrophen-La-Olas leid!", stellte sie resolut fest.

Lisa Fitz hat keine Rezepte gegen die Unwägbarkeiten des Lebens, das gibt sie freimütig zu. Aber Resignation hilft nicht. Statt dessen sollte sich die Gesellschaft immer fragen "Wem nützt das?" Und "traue niemandem", ist ihr Fazit.

Mut zur Hässlichkeit und schauspielerisches Können bewies Lisa Fitz und zeigte beeindruckend real die Entwicklung einer dreimal gelifteten Frau. Die Zuschauer im ausverkauften Zelt jubelten. "Super Plus! Tanken & Beten" auf Gut Hemerten war Satire vom Feinsten, intelligent und derb, rau und sanft - so wie Lisa Fitz eben ist.

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