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27.11.2020

Literatur hautnah – und trotzdem auf Abstand

Die Autorin und Journalistin Petra Plaum las in der zweiten Klasse amüsante Kurzgeschichten vor.
Foto: Andrea Glaß

Der bundesweite Vorlesetag findet an vielen Schulen statt. Was sich der Autorenclub dazu einfallen lässt

Kinder sitzen konzentriert in den Klassenzimmern und lauschen gebannt den Geschichten, die ein Vorleser mitgebracht hat. Sie tauchen ein in Fantasiewelten, bibbern mit den Helden spannender Detektivgeschichten mit oder lachen über humorvolle Beiträge. Zu beobachten war dieses Szenario jetzt in vielen Schulen im gesamten Landkreis. Schon seit 2004 gibt es jeweils im November den bundesweiten Vorlesetag. Er gilt als Deutschlands größtes Lesefest. Ziel ist es, Kinder und Erwachsene für Geschichten zu begeistern.

In der Grundschule Megesheim gab es aus diesem Anlass besondere Gäste: Hobby-Schriftsteller lasen den Kindern aus ihren eigenen Büchern vor. Rektorin Andrea Glaß begrüßte vier Mitglieder des Autorenclubs Donau-Ries, die den Mädchen und Buben trotz gebotener Corona-Einschränkungen einen vergnüglichen und lehrreichen Vormittag boten.

Autorin Uli Karg aus Thierhaupten hatte für die Erstklässler die Geschichte „Die Schiefertafel“ dabei. Dass die Schiefertafel unglücklicherweise zerbrach und das Kind deshalb von der Lehrerin eine Strafarbeit erhielt, empfanden die Schüler als zutiefst ungerecht. Die mitgebrachte Tafel und der Griffel veranschaulichten, wie Schule früher ablief. Nach „Freddy Frosch“, einer Erzählung über eine Freundschaft, folgte „Ein besonderes Weihnachtsgeschenk“. Diese Geschichte gefiel den Kindern am besten, denn auch sie basteln im Advent gerne für ihre Liebsten.

In der zweiten Klasse las Journalistin und Autorin Petra Plaum aus Donauwörth drei Kurzgeschichten: In „Schlaflos auf Mallorca“ fiel ein Urlaub ins Wasser, und die Familie erkannte schließlich, dass es zu Hause doch am schönsten ist. In der Geschichte „Aufregung beim Schulschwimmen“ konnten sich die Schüler genauso mit den Hauptpersonen identifizieren wie bei der lustigen Erzählung über eine verrückte Erstkommunion. Petra Plaum gelang es, die Kinder zu fesseln und sogar zu eigenen Werken zu inspirieren.

Günter Schäfer (Reimlingen) ist mit seinen Kinderbüchern und Lokalkrimis im Donau-Ries kein Unbekannter. Sein Krimi „Die Tote vom Mangoldfelsen“ ist ein Bestseller. In der dritten Klasse las er aus seinem Buch „Emmili ist da“ eine Geschichte um echte Freundschaft und wahre Werte vor. Im Anschluss löcherten ihn die Kinder mit Fragen nach seinem Alter, seinem Hauptberuf oder wie es eigentlich ist, ein Buch zu schreiben. Sie waren verblüfft, als sie hörten, dass er manchmal mitten in der Nacht aufsteht, um an seinen Geschichten weiterzuarbeiten.

Der in Monheim beheimatete Autor Johann Enderle kam mit den Viertklässlern schnell über das Leben auf dem Bauernhof und insbesondere über Katzen ins Gespräch. Schließlich ging es in seiner Geschichte „Ein kleines Missverständnis“ um Erlebnisse aus seiner eigenen Kindheit. Mit der „kälbernden“ Katze hatte er die Lacher auf seiner Seite. Zu „Rotkäppchen und die sieben Gegeißelten“ wurde er von seiner Nichte animiert, verriet der Autor. Die Kinder waren von diesem verdrehten Märchen so begeistert, dass sie beschlossen, sich auch eines auszudenken.

Fazit: Ein rundum gelungener Lesevormittag mit Autoren „zum Anfassen“, die in ihren Geschichten stets den Heimatbezug herstellten, die Kinder in ihren Bann zogen und sie dazu anregten, eigene Geschichten zu schreiben. Einige Schüler gingen auf ihre „Schriftstellerkollegen“ zu und erzählten von ihren eigenen Buchprojekten. Der Autorenclub Donau-Ries sollte sich also keine allzu großen Sorgen um den Nachwuchs machen. (dz)

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