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Donau-Ries

07.08.2017

Mach’s gut, altes Häuschen

Zwei solche Telefonsäulen stehen noch im gesamten Stadtgebiet Donauwörth. Sie gehören zu einer „aussterbenden“ Art. Foto: Fabia Kapfer

Leise und unbemerkt verschwinden die Telefonzellen aus dem Landkreis. Seit Mobiltelefone die moderne Kommunikation beherrschen, geht die Nachfrage nach öffentlichen Fernsprechern deutlich zurück

So ist das eben nun einmal mit dem Fortschritt: Eine neue Technik ist auf dem Vormarsch und eine ältere muss deshalb den Rückzug antreten. Da heutzutage fast jeder ein Handy oder Smartphone besitzt, hat die traditionelle Telefonzelle, wie sie so vieler Jahrzehnte zum öffentlichen Bild gehört hat, keine rosigen Zukunftsaussichten. Übrigens ist die weltweit erste öffentliche Telefonzelle am 28. Januar 1878 in den USA aufgestellt worden. Die Deutschen haben ihre erste am 12. Januar 1881 in Berlin in Betrieb genommen.

Eckig, knapp zweieinhalb Meter hoch und einen Quadratmeter Fläche: So sieht das derzeit noch gängige öffentliche Fernsprech-Modell aus. Oder besser: sah. Denn die deutsche Telekom, die ja bereits die meisten ihrer Häuschen in den vergangenen Jahren abbauen ließ – egal ob die klassischen gelben oder die jüngeren grau farbenen Modelle mit magentafarbenem Logo des Betreibers – nimmt nun auch nach und nach diese überdachten Fernsprechsäulen aus dem Programm.

Im Stadtgebiet Donauwörth sieht das so aus: Auf der Suche nach einem allgemein zugänglichen Telefon wird man lediglich noch am Bahnhof und am Volksfestparkplatz fündig. Von allen Telefonhäuschen, die es jemals in der großen Kreisstadt gegeben hat, sind das die beiden letzten dieser alten Kommunikationsmittel. In der Hindenburgstraße im Ried hatte bis vor einiger Zeit auch noch eines gestanden – das ist mittlerweile auch Vergangenheit.

Ebenso sind Telefonzellen im restlichen Landkreis Auslaufmodelle. Fast überall in sämtlichen Kommunen sind sie nahezu spurlos verschwunden. Die meisten von ihnen wurden in den vergangenen fünf bis sechs Jahren abgebaut. Bundesweit gesehen betreibt die Telekom insgesamt überhaupt nur noch knapp 27000 Stück. In der Stadt Rain gibt es laut Ordnungsamt noch einen derart „nostalgischen“ Apparat. Er ist am ehemaligen Postamt in der Neuburger Straße zu finden.

Bei Niederschönenfelds Bürgermeister Peter Mahl kommen alte Erinnerungen hoch: „Früher gab es in jeder Ortschaft eine Telefonzelle, doch in Zeiten des Mobiltelefons existiert in unserer Gemeinde nun auch keine einzige mehr“.

In Marxheim sieht es genauso aus. Für die Stiftung Sankt Johannes war es bitter als die Telekom aufgrund fehlender Umsätze dort den letzten öffentlichen Apparat abmontierte. An seiner Stelle hängt nun im Inneren des Gebäudes ein Telefon der Stiftung, das die Klienten mit speziellen Telefonkarten benutzen dürfen, wie die Geschäftsführung gegenüber unserer Leitung auf Anfrage sagte.

„Mit der vorletzten Telefonzelle im Marxheimer Ortsteil Graisbach hat die Telekom seinerzeit monatlich etwa 15 Mark eingenommen“ erzählt der Geschäftsleitende Beamte der Gemeinde, Ludwig Schiffelholz. Da die Telekom aber 400 Mark als Minimum ansetzte, wurde dieser öffentliche Fernsprecher ebenfalls längst entfernt.

Wie viele Telefonzellen es im Landkreis noch gibt, wollte die Telekom auf Nachfrage unserer Redaktion nicht mitteilen. „Daten halten wir in dieser Form für die externe Kommunikation nicht vor“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. In den einzelnen Rathäusern sämtlicher Gemeinden im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung war jedoch zu erfahren, dass die Telefonhäuser fast gänzlich und unbemerkt aus jedem Ortsbild verschwunden sind.

„Wenn die Gemeinde trotzdem an einem Standort festhalten möchte, sprechen wir mit ihr über eine kostengünstige Alternative wie etwa ein Basistelefon“, erklärte Telekom-Pressesprecher Markus Jodl gegenüber der Donauwörther Zeitung. Ein solches Basistelefon erfüllt im Wesentlichen dieselbe Funktion wie eine Telefonzelle, ohne aber umbaut zu sein. Es verzichtet also auf alle Bauteile, die für Vandalismus anfällig sind. Die Gespräche werden bargeldlos über Kreditkarte oder Prepaidkarte abgerechnet.

Die ausgedienten Häuschen werden übrigens nicht verschrottet. Seit 2013 können Nostalgiker oder Freunde ausgefallener Accesoires solche Exemplare kaufen. Je nach Typ und Zustand müssen Interessenten einen Betrag von mindestens 600 Euro auf den Tisch legen, um den Zuschlag zu erhalten, so die Telekom, die ihr Lager im „Fernmeldezeugamt Berlin, Außenstelle Potsdam“ hat.

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