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28.03.2015

„Man braucht Personal, das zielgerecht hilft“

Referierten und stellten sich den Fragen der Bürger: (von links) Bürgermeister Martin Paninka, Manfred Seel, Irmgard Huber, Achim Frank, Johann Stark, Klaus Zimmermann, Gitta Schmid-Göller, Elmar Steinle und Navid Hamid.
Bild: Schneid

Experten informieren in Bäumenheim über das Thema Asyl und beantworten dabei auch zahlreiche Fragen aus der Bevölkerung

Dass das Thema Asyl die Menschen in Bäumenheim bewegt, war bei der Informationsveranstaltung in der Gaststätte Unterwirt deutlich zu sehen. Fast der ganze Saal war belegt, als Vertreter der Regierung von Schwaben, des Landratsamts Donau-Ries, die Referenten für Integration und Bildung der Gemeinde und Bürgermeister Martin Paninka über das Thema Asyl sprachen und sich den Fragen der Bürger stellten.

Paninka erklärte, dass er mit der Veranstaltung für Toleranz und Akzeptanz werben und Barrieren und Hemmschwellen beseitigen möchte. Die Referenten gaben einen Überblick über die aktuellen Asylbewerberzahlen, erklärten den Ablauf des Asyl-Verfahrens und die Verteilung der Bewerber auf die Regierungsbezirke. In Bäumenheim wohnen 28 Personen in dezentralen Unterkünften. Irmgard Huber, Referentin für Integration und Bildung, ist froh, dass sich Bäumenheim um die Asylbewerber kümmert. Derzeit erteilen vier Lehrer ehrenamtlich teilweise bis zu viermal pro Woche Sprachunterricht. Die Angst der Bürger müsse man ernst nehmen. „Die Angst ausreden bringt nichts. Man muss sich Wissen aneignen und sich den Menschen geduldig zuwenden“, sagte sie.

Bei der von Paninka moderierten Frage-Antwort-Runde nutzten viele Bürger die Chance, ihre Bedenken zu äußern. Einige Bürger waren der Meinung, dass 60 Asylbewerber im Hotel Europa zu viel seien. Einer befürchtete, es entstehe ein Getto, weil in der Nähe eine Disco sei. Der Leiter der Ausländerbehörde, Johann Stark, erklärte, dass man sich die Asylbewerber nicht aussuchen könne. „Die werden von der Regierung zugewiesen“, sagte er. Fakt sei, dass die große Masse der Asylbewerber junge Männer sind. Familien hätten es schwerer.

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Achim Frank vom Landratsamt ergänzte, dass der Landrat Stefan Rößle bemüht sei, die Verteilung der Asylbewerber gerechter zu gestalten. Aber es müssten auch die Infrastruktur, die Fläche, Wasser und Strom vorhanden sein. Er sagte: „Man braucht eben Wohnmöglichkeiten.“ Bei einem positiven Asylbescheid müssen die Bewerber aus ihrer dezentralen Unterkunft ausziehen, bestätigte Klaus Zimmermann, der Fachbereichsleiter für Sozialwesen in der Behörde. Doch wohin angesichts des schlechten Wohnungsmarktes, fragte ein Bürger. Frank antwortete: „Bezahlbare Wohnungen sind ein anerkanntes Problem in der Region.“ Er sei mit dem Landrat im Gespräch, damit bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. Er gab zu, dass die Wohnungen für Asylbewerber zu teuer sind.

Kontrovers diskutierten die Anwesenden und Referenten über die Bettel-Problematik. Ein junger Mann äußerte, dass einige Asylbewerber zum Betteln kommen und die Anwohner Angst hätten. Frank gab zu, davon gehört zu haben. Aber die Menschen würden um Arbeit betteln, nicht um Geld. Eine Bürgerin habe andere Erfahrungen gemacht, ein Anwesender sprach von bettelnden Sinti und Roma. Huber bedankte sich für den Hinweis. Schon in der Betreuung müsse das Betteln abgefangen werden, meinte sie. Die Frage nach der richtigen Betreuung wurde ebenfalls aufgegriffen. Ein Bürger meldete sich zu Wort: „Ich vermisse das Zu-Ende-Denken. 60 Menschen, die im Niemandsland leben, brauchen Sozialarbeiter und Sprachlehrer.“ Das könnten Ehrenamtliche nicht abdecken. „Man braucht Personal, das zielgerecht hilft“, appellierte er.

Frank berichtete, dass sogenannte Heimleiter in neuen dezentralen Einrichtungen eingestellt werden sollen. Diese können über die Regierung verrechnet werden. Wie viele eingestellt werden sollen, hängt von der Zahl der Asylbewerber und der Unterkünfte ab. Die Heimleiter sollen laut Frank aus der Region stammen, gut vernetzt sein und mit Menschen umgehen können.

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