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Medizin
12.02.2015

Cannabis auf Rezept

Bessere Therapien für Kranke oder eine neue Lücke für Drogensüchtige? Was Experten dazu sagen

Soll es Cannabis bald auf Rezept geben? Diese Frage wird derzeit in Deutschland diskutiert Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU) will den Konsum der Droge für Schwerkranke zur Kassenleistung machen. Noch dieses Jahr soll das Gesetz durch den Bundestag gebracht werden, damit es 2016 greift. „Mein Ziel ist, dass in Zukunft mehr Menschen als bisher Cannabis als Medikament bekommen können“, sagt Mortler. Doch Experten im Landkreis haben gegen diese Pläne Bedenken.

Derzeit haben in Deutschland 371 Personen eine Sondergenehmigung von der Bundesopiumstelle, um Cannabis in Blütenform als Medikament einnehmen zu dürfen. Im Landkreis gibt es solche wahrscheinlich nicht. Trotzdem werden Medikamente mit Dronabinol (siehe Info) gerade in den Palliativstationen der Krankenhäuser verabreicht.

„Medikamente mit THC sind aber eher zweite oder dritte Wahl und werden nur bei Nervenschmerzen verwendet. In der Palliativmedizin wird es eingesetzt um Übelkeit zu lindern oder den Appetit anzuregen“, sagt Chefarzt Dr. Thomas Handschuh vom Stiftungskrankenhaus in Nördlingen. Es müsse der Wirkungsgrad wegen der großen therapeutischen Breite von Cannabis vorher immer am Patienten getestet werden. Dann erst könne man das Medikament weiter verschreiben. „Es könnte passieren, dass durch die große Aufmerksamkeit Cannabis-Medikamente oft verschrieben werden und sehr gut erforschte und wirksame Schmerzmittel in den Hintergrund geraten“, vermutet Handschuh.

Eine weitere Befürchtung ist der Missbrauch der neuen Gesetzgebung. Man müsse aufpassen, dass nicht auch Drogensüchtige unter Vorwand von Krankheit, an solche Medikamente gelangen, sagt Niels Pruin, Sozialpädagoge vom Café Connection der Suchtberatung Donauwörth. Aber Cannabis als Medikament zu verwenden ist grundsätzlich sinnvoll, wie er sagt. Auch der Direktor des Amtsgerichts Nördlingen, Helmut Beyschlag, schließt einen Missbrauch der geplanten Lockerung der Gesetzgebung nicht aus. Das Risiko müsse der Rechtsstaat wohl in Kauf nehmen, um Schwerkranken ein gutes Medikament, das unter ärztlicher Anleitung verabreicht werden müsse, zur Verfügung zu stellen.

Ein Gerichtsbeschluss aus Köln erlaubt es Patienten, selbst Hanf anzubauen. Jedoch sprechen sich alle von unserer Zeitung Befragten eindeutig dagegen aus. Handschuh sagt: „Die Medikation gehört grundsätzlich in die Hand des Arztes. Wie Opiate, müssen auch Cannabis-Medikamente kontrolliert und in bestimmten Abständen verabreicht werden.“ Höchste Qualität und gleichbleibende Dosierung von Wirkstoffen seien beim Selbstanbau auch nicht gewährleistet, wie die Deutsche Apothekerzeitung im vergangenen Jahr veröffentlichte.

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