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15.07.2020

Mehlprimeln: Mit Dietmar Panitz geht ein Großer

Dietmar Panitz starb nach schwerer Krankheit.
Bild: Martina Diemand

Plus Der Heimatliebende, politische Streiter und Künstler des bayerischen Musikkabaretts stirbt nach schwerer Krankheit. Er war die eine Hälfte der „Mehlprimeln“.

Die regionale, aber auch die überregionale, bisweilen internationale Kleinkunstszene ist um eine große Bühnenpersönlichkeit ärmer: Dietmar Panitz, die eine Hälfte des Kaisheimer Kabarett-Duos „Die Mehlprimeln“ starb jetzt nach schwerer Krankheit. Zurück bleibt die zweite Mehlprimel-Hälfte Reiner Panitz. Zurück bleiben auch die Brüder Jürgen und Volker Panitz, die Familie und eine große Fangemeinde.

Die Mehlprimeln - bekannt und geschätzt

Unzählige Lieder haben sie geschrieben, die Mehlprimeln. Mit den Charakterköpfen ihres Genres – des bayerischen Musikkabaretts – sind sie gemeinsam aufgetreten, darunter Gerhard Polt, Fredl Fesl, Dieter Hildebrand und viele andere. Sie sind bekannt und geschätzt weit über ihren hiesigen Wirkungskreis hinaus.

Mit Gerhard Polt standen die „Mehlprimeln“ gemeinsam auf der Bühne ...
Bild: Sisulak

Bis zuletzt hat Dietmar Panitz daran geglaubt, seine Krankheit zu besiegen. Bis zuletzt hat er, wie er in einem letzten Telefonat mit unserer Redaktion erst vor einigen Wochen sagte, von weiteren Auftritten im Herbst geträumt. Denn die Mehlprimeln waren seit 50 Jahren auf der Bühne, ein bayerischer Kult.

Grüner als die Grünen

„Es gibt sie schon länger als die Grünen, und sie waren immer schon grüner als sie“, hat Dietmar Hildebrand einmal über die Mehlprimeln gesagt. In Buttenwiesen, im Donauried aufgewachsen, wurde Dietmar Panitz von der Liebe zur dortigen Landschaft und von seinem Vater besonders geprägt.

Gerne hat der unprätentiöse Künstler von seinem Vater erzählt, einem Apotheker, der mit den Söhnen zum Pilzsammeln gegangen ist und fünf Instrumente beherrscht hat. Sonntags spielte er auf dem Akkordeon und Sohn Dietmar begleitete ihn auf der Gitarre.

Vier Panitz-Brüder gründen Bürgerinitiative

Später, als im Donauried, ein Atomkraftwerk entstehen sollte, setzten sich alle vier Panitz-Brüder an die Spitze einer Gegenbewegung, mobilisierten die Bauern im Heimatdorf Buttenwiesen und im benachbarten Pfaffenhofen. Sie holten Gerhard Polt zu einem Protestabend ins Dorf und gründeten eine Bürgerinitiative.

„Die hams probiert in unserm Riad, und se d’ Finger gscheid verbriaht“, heißt es in einem Lied. Viele Songs gerieten zu Liebeserklärungen an die Landschaft zwischen Donau und Zusam. „Ob’s da warm isch oder gfriert/ob was verwelkt oder was bliaht/i bin dahoim im Donauriad/wo sich dr Neabel kaum verziaht/und wo dr Raubvogel no fliagt“, heißt es da. Mit kritisch-politischen Texten in den Volksmusikmelodien gelang es den Panitz-Brüdern, das Vorhaben Atomkraftwerk zu verhindern.

Kleinkunstbühne Thaddäus in Kaisheim

In Kaisheim gründeten Dietmar, Reiner und Jürgen schließlich die heute legendäre Kleinkunstbühne Thaddäus. Ihnen gelang es, die ganz Großen „aufs Land zu ziehen“ – wie es Dietmar Panitz gerne und vollkommen treffend formulierte.

In den letzten Jahren der Mehlprimeln wurden die gesellschaftskritischen Texte in den Liedern weniger. Die Brüder beleuchteten zum Vergnügen ihres Publikums nun mehr und mehr kuriose Alltagsbegebenheiten. Sie nahmen die Merkwürdigkeiten des Lebens mit einem Augenzwinkern auf die Schippe. Eine Regel des guten Tons war dem nun Verstorbenen dabei stets wichtig, die betonte er auch in jedem Interview: „Du darfst nie unter die Gürtellinie gehen.“

Mit Dietmar Panitz verliert die Region einen Naturliebhaber, einen Pionier des politischen Musikkabaretts und eine Persönlichkeit, die bei aller Streitbarkeit immer liebenswert geblieben ist.

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