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Zug

11.06.2019

„Meilenstein für die digitale Schiene“

Die Deutsche Bahn stellt ihre Technik um, der bundesweite Anfang wird in Mertingen gemacht. Ein Großprojekt

Die Deutsche Bahn stellt ihren Betrieb nach und nach auf Digitaltechnik um und hat damit an diesem Wochenende begonnen – und zwar unter anderem im Landkreis Donau-Ries. Zwischen Mertingen und Meitingen (Landkreis Augsburg) hat der Konzern die Bauarbeiten für das erste digitale Stellwerk auf einer Hauptverkehrsstrecke aufgenommen.

Wie mehrfach berichtet, hat das Bahnunternehmen für Pendler und Reisende zwischen Gablingen und Donauwörth in beiden Richtungen einen Schienenersatzverkehr eingerichtet. Ab dem heutigen Dienstag sei die Streckensperrung wieder aufgehoben und die Züge verkehren nach Plan, heißt es von der Bahn.

Die Digitalisierung der Strecken ist ein auf Jahrzehnte angelegtes Riesenprojekt. „Der digitalisierte Bahnbetrieb ist weit mehr als der Sprung von der Draisine auf die Elektrolok, wir wechseln in ein komplett neues System“, sagte Kay Euler, Leiter des Programms Digitale Schiene Deutschland. „Das bietet uns in Deutschland die Chance, in der Zukunft als erste weltweit mit den neuen Technologien in einem komplexen Bahnsystem zu fahren.“

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Für die Bauarbeiten war am Pfingstwochenende der Streckenabschnitt von Donauwörth nach Augsburg gesperrt – ein Teil des transeuropäischen Bahnkorridors Scan-Med von Skandinavien nach Italien. Hubschrauber flogen neue Signalmasten an. Bisher wurde die Technik dort über das Stellwerk Donauwörth gesteuert. Außerdem werden bei der Umstellung auf Digitaltechnik die bisher üblichen Kupferkabel durch Glasfaserkabel ersetzt, die wesentlich mehr Daten transportieren können, technisch möglich wäre auch die Steuerung über Funk.

„Das ist ein Meilenstein für unser gemeinsames Branchenprogramm Digitale Schiene Deutschland“, sagte in Berlin DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. „Das neue Stellwerk ist ein wichtiges Element der Digitalisierung des Schienenkorridors Skandinavien-Mittelmeer, das wir in den nächsten Jahren komplett auf die neuen Technologien umrüsten werden. Es ist damit das erste digitale Stellwerk auf einer Hauptstrecke in unserem Netz.“ Die Digitalisierung des Schienenbetriebs könnte nach einer Machbarkeitsstudie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums bis 2040 abgeschlossen werden, die Gesamtkosten werden in dem Papier auf mehr als 30 Milliarden Euro beziffert. Der flächendeckende Rollout der neuen Technik soll nach Vorstellung der Bahn Mitte des nächsten Jahrzehnts beginnen. Die Digitaltechnik hat drei Hauptvorteile für die Eisenbahn: Es könnten in Verbindung mit dem im Aufbau befindlichen europäischen Zug-steuerungssystem ETCS erheblich mehr Züge fahren.

„Wir gehen davon aus, dass wir durch ETCS in Kombination mit digitalen Stellwerken eine durchschnittliche Kapazitätssteigerung von 20 Prozent erreichen können, bei einem höheren Level auf manchen Strecken sogar um bis zu 35 Prozent“, sagte Euler. Der zweite Vorteil ist eine bessere Steuerung des Bahnbetriebs – die Bahn kann schneller auf Störungsmeldungen reagieren und Züge umleiten. Und der dritte Vorteil sind erhoffte Einsparungen, wenn Zehntausende Kilometer Kupferkabel überflüssig werden.

Bisher sind bei der Bahn unterschiedlichste Typen von Stellwerken im Einsatz. „Im Moment ist der Bahnbetrieb in vielen Punkten noch sehr manuell, von der Aufstellung des Fahrplans bis zur Steuerung“, sagte Euler. „Bei unseren Stellwerken haben wir im Grunde eine komplette Sammlung der deutschen Technologiegeschichte von Kaisers Zeiten bis heute.“ In ländlichen Regionen sind sogar noch einige mechanische Stellwerke in Betrieb, die von Hand mit großen Hebeln bedient werden und über lange Stahlseile mit Weichen und Signalen verbunden sind.

Bisher sind in der Haushaltsplanung des Bundes bis 2023 für drei Vorrangprojekte 570 Millionen Euro vorgesehen, aber noch nicht endgültig beschlossen. Neben dem digitalen Stellwerk in Meitingen zählen dazu die Digitalisierung der Schnellstrecke Frankfurt–Köln und des Bahnknotens Stuttgart.

Ende Februar hat die Bahn für Bayern ein Sanierungspaket für 1,6 Milliarden Euro präsentiert, das die Erneuerung von Strecken genauso enthält wie die Modernisierung von Bahnhöfen. Größtes Projekt in Schwaben ist die Elektrifizierung München–Lindau, doch auch auf der Route Augsburg–Donauwörth–Treuchtlingen gibt es neben dem digitalen Stellwerk neue Gleise, Weichen, Brücken – und damit Baustellen, längere Fahrzeiten, Zugausfälle und Ersatzbusse. (dpa, az)

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