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Afrikahilfe

04.06.2019

Mertingen hat eine Schule in Namibia

Hilfe zu den Menschen bringen und bewusst auch bei der Bildung ansetzen. Diesen Weg geht die Gemeinde Mertingen und ihr Bürgermeister Albert Lohner im Hinblick auf möglichst nachhaltige Entwicklungshilfe direkt an der Basis.
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Hilfe zu den Menschen bringen und bewusst auch bei der Bildung ansetzen. Diesen Weg geht die Gemeinde Mertingen und ihr Bürgermeister Albert Lohner im Hinblick auf möglichst nachhaltige Entwicklungshilfe direkt an der Basis.

Eine Delegation aus der Schmuttergemeinde sieht vor Ort, wie die Ovahimbas dankbar sind, gewinnt aber auch die Erkenntnis, dass es mit dem Bau eines Gebäudes allein nicht getan ist.

Bis vor wenigen Wochen war ihr Unterricht im Schatten von nur einigen wenigen Bäumen kein Vergnügen. „Lernen soll aber Spaß machen“, sagt Mertingens Bürgermeister Albert Lohner. Die Schüler in Ombaka im Norden Namibias haben nun diese Freude. Denn in Mertingen hat sich eine große Solidarität für den Bau eines Schulgebäudes mit drei Klassenzimmern formiert. 70 000 Euro wurden gesammelt.

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Seit Kurzem ist die Schule mit Küche und Aufenthaltsraum in Betrieb. Wind, Wetter und gefährliche Tiere brauchen die derzeit 128 Kinder nicht mehr zu fürchten. Eine Delegation aus Mertingen reiste, organisiert von der erfahrenen Reiseabteilung der Volkshochschule Donauwörth, nach Ombaka. „Ein großes Erlebnis“, so der Tenor.

Eine Schule fernab jeglicher Zivilisation

Von einer „langen Reise“ spricht Lohner in englischer Sprache, als die Delegation im Kaokoland empfangen wird. Wo dieses Kaokoland liegt, haben die Teilnehmer erfahren: weitab jeglicher Zivilisation. Nur 70 Kilometer von der Grenze zu Angola entfernt, aber 900 Kilometer von Namibias Hauptstadt Windhoek. Hier leben die Ovahimba, zu den Herero gehörend, eines der letzten frei und traditionell lebenden Naturvölker.

Mertingen hat eine Schule in Namibia

Lange hatten die Ovahmiba nicht unbedingt den Wunsch, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Nun ändert sich dies. Dass die Regierung Wert darauf legt, die Ovahmiba als archaisch lebendes Volk in die Sozialgemeinschaft einzugliedern, zu fördern und zu bilden, zeigt der herzliche Empfang der Offiziellen.

Die Kinder erobern die Herzen der Besucher aus Mertingen

Die Herzen der Besucher erobern aber auf Anhieb nicht sie, sondern die Kinder mit ihrem Gesang und ihren Tänzen. Lohner hat mit seiner Delegation, zu der auch Dritter Bürgermeister Kurt Niebler und Kulturreferentin Ulrike Hampp-Weigand gehören, haben großformatige Bilder mitgebracht: vom Rathaus, vom grünen Mertingen im Sommer, von den Betrieben und vom winterlichen Dorfleben. Das interessiert die Kinder. Die Bilder aus Nordschwaben sollen gerahmt werden und in den Schulräumen einen Platz finden.

Die Schule liegt im Zentrum von umliegenden Dörfern. Die Himba haben Schulwege von bis zu zwanzig Kilometern zurückzulegen. Die Schule ist nur über eine Sandpiste zu erreichen. Die Stiftung „Fly and Help“ von Rainer Meutsch hat den Mertingern den Verein Kaokoland als Projektpartner vor Ort vermitelt. Im unmittelbaren Umkreis sind derzeit zwei weitere Schulen im Bau, die aus Spenden aus dem Landkreis Donau-Ries finanziert werden. Vertreter der Regierung und des Distrikts bedankten sich bei den Mertingern für die Unterstützung.

Sie machten aber auch klar, dass noch vieles fehlt: Die Kinder schlafen derzeit auf dem nackten Erdboden, zugedeckt mit Lumpen, sämtlichen Gefahren ausgesetzt wie Schlangen, Skorpionen und Ungeziefer, im Winter bei Temperaturen fast im Minusbereich. Die Zeit der notdürftigen Hütten aus Ästen, gebaut als Sonnenschutz, ist nun vorbei. Klar wird bei dem Besuch, dass die namibische Regierung derzeit aber finanziell nicht in der Lage ist, Schulneubauten durchzuführen. Gerade in den unterentwickelten Regionen wird Hilfe benötigt.

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar:

Mertinger haben Fußbälle, Süßigkeiten und Stifte im Gepäck

Im Gepäck haben die Mertinger Fußbälle und Süßigkeiten, Buntstifte und das Geld für einen Computer. Derzeit läuft eine weitergehende Spendenaktion, um bei der „Mertinger Schule“ ein Hostel bauen zu können, indem die fünf Lehrkräfte und die Kinder die Nächte verbringen können. 50000 Euro wird das Gebäude samt Ausstattung kosten. Mehr als die Hälfte hat man beisammen.

Nicht ausgeschlossen, dass die Mertinger wieder einmal in Ombaka vorbeischauen, denn zum einen will Bürgermeister Lohner die Nachhaltigkeit des Projekts fördern, zum anderen haben ihm die Verantwortlichen auch eine Wunschliste übergeben. So gibt es im Schulareal noch keinen Tiefbrunnen. Lohner will den Blick aber auch verstärkt auf die Qualität des Unterrichts lenken. Dazu will man in naher Zukunft Ideen entwickeln.

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