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Wemding

21.11.2020

Mieter für einen Turm mit fünf Stockwerken in Wemding gesucht

Diesen Blick hat man aus dem obersten Stockwerk des Baronturms auf die Wemdinger Altstadt. Die Kommune, welcher das historische Bauwerk gehört, arbeitet an einem Konzept, wie neues Leben in den Turm einziehen könnte.
Bild: Wolfgang Widemann

Plus Der Baronturm, Teil der historischen Stadtbefestigung in Wemding, steht leer. Nun macht sich die Kommune Gedanken, wie das Bauwerk genutzt werden könnte.

Da müsste wohl selbst ein gewiefter Immobilienmakler erst einmal angestrengt nachdenken, um diese Wohnung passend anzupreisen. Viele Stockwerke hat sie, die Lage ist absolut exponiert, und vor neugierigen Blicken von Nachbarn sind die Bewohner absolut sicher. Ein weiteres charakteristisches Detail: Die Räume haben vergitterte Schießscharten, und die Wände sind bis zu 1,65 Meter dick. Spätestens jetzt ist klar: Das Gebäude ist außergewöhnlich. Es ist der sogenannte Baronturm in Wemding. Der ist Teil der historischen Stadtbefestigung, steht seit vielen Jahren leer und könnte nach den Vorstellungen des Stadtrats durchaus wieder bezogen werden.

Der Zustand des wohl fast 700 Jahre alten Bauwerks ist nicht der allerbeste. Der Putz blättert ab, im unteren Bereich ist Feuchtigkeit in die Mauern eingedrungen, das Innenleben besteht eigentlich nur aus Bretterböden. Dennoch war der 24 Meter hohe Turm am nordwestlichen Rand der Altstadt noch mindestens bis in die 1950er-Jahre hinein bewohnt. Damals lebte Recherchen der Stadt zufolge die fünfköpfige Schusterfamilie Grimeis auf den fünf Stockwerken, die über eine recht steile Holztreppe mit insgesamt 66 Stufen miteinander verbunden sind.

Bürgermeister Martin Drexler auf einem der Stockwerke des Turms.
Bild: Wolfgang Widemann

Auf jedem Stockwerk hat der Turm mit einer Grundfläche von 6,82 auf 6,44 Meter quasi ein Zimmer. Je weiter es nach oben geht, desto dünner werden die Wände und desto größer die Räume. Früher hatte das Bauwerk nur auf drei Seiten eine Mauer, zur Stadt hin war es offen. Inzwischen befindet sich an dieser Seite eine dünne Fachwerk- beziehungsweise Holzwand.

Der Wehrgang der Stadtmauer führte einst durch den Baronturm hindurch. Die Mauer ist bis auf einen kleinen Rest an der Südseite des Turms verschwunden, die Durchgänge sind zugemauert. Über Jahrhunderte hinweg hatte das Gebäude die Hausnummer 323½, mittlerweile lautet die Anschrift: Rennerring 17. Zu dem Anwesen gehört ein angebauter Schuppen, der von der Straße aus über eine Tür in der Stadtmauer erreichbar ist.

Der Turm in Wemding hat fünf Stockwerke, aber nur 80 Quadratmeter

Trotz der imposanten Stockwerkszahl summiert sich die Innenfläche des Turms lediglich auf rund 80 Quadratmeter, wobei das fensterlose Erdgeschoss eher einem Keller gleicht. Weiter oben hingegen bietet sich in südlicher und westlicher Richtung ein herrlicher Blick über die Dächer der Wemdinger Altstadt.

Die Kommune denke schon seit Jahrzehnten immer wieder mal darüber nach, wie neues Leben in das historische Gemäuer kommen könnte, berichtet Bürgermeister Martin Drexler. Ein Architekturbüro habe vor längerer Zeit im Auftrag der Stadt eine Bestandsaufnahme gemacht, was alles saniert werden müsste.

Der Baronturm samt Stadtmauer-Rest und Schuppen.
Bild: Wolfgang Widemann

Eine öffentliche Nutzung – beispielsweise als Museum – sei aus Gründen des Brandschutzes und der Barrierefreiheit schwer vorstellbar. Zwischendurch wurden im Zuge einer Notsicherung im fünften Stockwerk Balken eingezogen, um der Fachwerkwand zur Altstadt hin Stabilität zu verleihen.

Kürzlich stand das Thema Baronturm auf der Tagesordnung einer Sitzung des Grundstücks-, Bau- und Werksausschusses des Stadtrats. Die Kommunalpolitiker berieten angesichts möglicher weiterer Sicherungsmaßnahmen, die anstehen, über das weitere Vorgehen. Bei dieser Gelegenheit kam Drexler zufolge der Gedanke auf, den Turm eventuell wieder für private Zwecke zu öffnen, also ein Wohnen dort zu ermöglichen. „Vielleicht gibt es jemanden, der Türmer werden will“, sagt der Bürgermeister dazu. Der findet die Lage geradezu inspirierend: „Das wäre etwas für einen Stadtschreiber.“

Ein Verkauf kommt für die Stadt Wemding nicht infrage

Ein Verkauf komme für die Kommune nicht infrage. Vorstellbar wäre, dass die Stadt das Bauwerk außen herrichtet, den Baronturm längerfristig verpachtet und sich der oder die Bewohner um den Innenausbau kümmern – mit finanzieller Förderung des Staats und der Kommune, die für die Altstadt gleich zwei Programme aufgelegt hat. Die Räte beschlossen, dass die Verwaltung jetzt Vorschläge ausarbeiten soll, wie man den Turm mit dem spitzen Dach nutzen könnte.

Der Baronturm ist nun quasi ein Teil des Immobilien-Managements, das die Stadt Wemding in ihrem historischen Zentrum inzwischen intensiv betreibt. Die Kommune hat 2019 und 2020 bereits einige alte Wohnhäuser gekauft und teilweise an Interessenten weitervermittelt. Auf diese Weise will die Stadt aktiv verhindern, dass der mittelalterliche Ortskern verödet.

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