1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Missbrauch im Kinderheim: Die Opfer bekommen ein Denkmal

Donauwörth 

06.06.2019

Missbrauch im Kinderheim: Die Opfer bekommen ein Denkmal

Onkel Ludwig mit Kindern: Das Denkmal soll erweitert werden – damit soll an die Opfer der Gewalt im Kinderheim erinnert werden. 
Bild: Thomas Hilgendorf

Plus Das Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth war für viele ein Ort furchtbarer Erlebnisse. Der gebrochenen Kinderseelen soll fortan in Donauwörth gedacht werden können. 

Die Opfer der Missbrauchs- und Gewalttaten im ehemaligen Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth sollen eine Gedenkstätte erhalten. Bis zur Schließung des Heims im Jahr 1977 ist es dort nach Opferberichten und den Erkenntnissen einer vom Augsburger Bischof Konrad Zdarsa einberufenen Kommission immer wieder zu massiven Übergriffen des erzieherischen Personals auf Kinder gekommen. Auf das Denkmal als Zeichen des Respekts vor den Opfern hat sich nun eine Gruppe – bestehend aus zwei ehemaligen Bewohnern des Heims sowie Kirchen- und Stiftungsvertretern – geeinigt.

Gibt es eine Ausstellung zum Thema?

Die Atmosphäre bei dem nicht-öffentlichen Treffen in Augsburg sei, wie es Peter Kosak, Vorsitzender der Pädagogischen Stiftung Cassianeum, schildert, „gut“ gewesen. Man habe sich zunächst generell auf die Einrichtung des Denkmals geeinigt.

Das sei Teil des notwendigen „Aufarbeitungsprozesses“, der auch durch den Schlussbericht dargestellt sein soll. Weiterhin sei zu überlegen, ob eine Ausstellung zu dem Thema installiert werden kann. Hierfür wollten sich Kirchenvertreter und Opfer gemeinsam eine Ausstellung zu einem ähnlichen Thema ansehen um sich gegebenenfalls Inspirationen zu holen.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Indessen ist der Standort des Denkmals laut Kosak klar: Es soll am neu angelegten Auerpark gegenüber dem Kloster Heilig Kreuz entstehen. Das „Onkel-Ludwig-Denkmal“, das am selben Ort steht, solle „in das Denkmal miteinbezogen werden“. Ein Zeitpunkt für die Errichtung ist derweil noch unklar.

Bei finanziellen Entschädigungen gibt es keine Erhöhung

Im Gespräch mit den Opfern sei auch das Thema der Entschädigung angesprochen worden – hierzu gebe es jedoch „keine neuen Aussagen“, wie Kosak erklärt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hätten sich in den vergangenen Wochen keine weiteren Opfer bei der Stiftung Cassianeum, die das Heim einst unter ihrer Ägide hatte, gemeldet. Das Kinderheim, das zwischen 1916 und 1977 auf dem Areal des Klosters Heilig Kreuz in Donauwörth bestand, war nach den ersten Opferberichten Anfang 2018 in die Schlagzeilen geraten.

Im Zentrum des Skandals stehen neben diversen Erzieherinnen auch der damalige Kinderheimleiter Max Auer. Die Verbrechen an den Kindern, bei denen es sich um Vergewaltigungen, massive Schläge und Trinkverbote handelte, war ans Licht gekommen, weil sie zwei ehemalige Heimkinder öffentlich machten, die in den 60-er Jahren in der Einrichtung lebten (wir berichteten). Die Schwestern hätten eigentlich Schutz vor der Gewalt in der eigenen Familie finden sollen.

Dem Vernehmen nach hatten Aufsichtsbehörden wohl lange Jahre nicht nur weggesehen, sondern das Treiben in dem Kinderheim gar akzeptiert. Systematisch organisierte Prügelstrafen und weitere drakonische Strafen für die Kinder wurden von der Opferseite geschildert. Der Bischöfliche Kommissionsbericht bestätigte im Wesentlichen diese Berichte. Das Bistum Augsburg hat den beiden Schwestern und einem dritten Opfer Entschädigungen für das erlittene Leid gezahlt. In der Folge meldeten sich weitere Betroffene bei der Opferbeauftragten der Diözese Augsburg.

1977 wurde das Heim geschlossen

Gegründet wurde das Kinderheim 1916 von dem Unternehmer (Auer-Verlag) und Pädagogen Ludwig Auer. Der vermachte sein Erbe einer Stiftung, die nach seinem Tod 1914 im Jahr 1917 das „Erziehungsheim“ gründete.

Geleitet wurde das Heim zunächst von den Söhnen Ludwig Auers, später von seinem Enkel Max Auer. Unterstützt wurde er dabei von weltlichen Erzieherinnen. Das Kinderheim wurde 1977 geschlossen, weil es laut der Aufsichtsbehörde nicht mehr den Erfordernissen der Zeit entsprechen konnte.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Thomas Hilgendorf: Denkmal für Missbrauchsopfer ist angebracht

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren