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Donauwörth

21.02.2018

Missbrauch im Kinderheim

Im Kinderheim, das zur Pädagogischen Stiftung Cassianeum gehört gab es körperlichen und seelischen Missbrauch.
Bild: Brigitta Ernst

Die Diözese Augsburg hat an drei Frauen Entschädigungen gezahlt. Was der Vorsitzende der Pädagogischen Stiftung Cassianeum zu den Fällen sagt.

Im Kinderheim der Pädagogischen Stiftung Cassianeum, das bis 1977 bestand, wurden Kinder misshandelt, wie jetzt bekannt geworden ist. Das Bistum Augsburg hat in drei Fällen Entschädigungen gezahlt. „Was die von körperlichen und seelischen Misshandlungen betroffenen Frauen geschildert haben, hat mich zutiefst bewegt und auch beschämt“, betont der Vorsitzende Peter Kosak im Namen des Vorstands der Stiftung.

Die Frauen wandten sich mit ihren Schicksalen an die Missbrauchsbeauftragte der Bistums. „Was genau den Frauen passiert ist, wissen wir nicht“, so der heutige Leiter der Stiftung. Es habe mehrmals Versuche gegeben, mit den Frauen in Kontakt zu treten und mit ihnen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Diese angebotenen Gespräche seien jedoch nicht zustande gekommen. Die Beauftragte des Bistums Augsburgs dürfe aus Gründen des Opferschutzes keine Informationen weitergeben, erklärt Kosak.

Schwierig werden könnte auch die Aufarbeitung der Geschehnisse. „Zu meinem großen Erstaunen musste ich feststellen, dass es über das Heim sowohl im Cassianeum als auch im Stadtarchiv Donauwörth nur noch einige wenige Archivbestände gibt“, so Kosak. Warum dies so ist, sei bislang aber unklar. Es gebe auch nur ein einziger Hinweis in den Unterlagen Aufschluss über die Größe der Einrichtung. In einem Jahresbericht des Cassianeum sei von 50 bis 60 Kindern die Rede, die zu diesem Zeitpunkt dort gelebt hätten, berichtet er.

Peter Kosak kündigt an, die Geschehnisse, „so weit noch möglich“ aufarbeiten zu wollen. Diese Aufgabe soll der Bistumshistoriker übernehmen. Er erhoffe sich davon eine gründliche Dokumentation der Zusammenhänge. Diese würden dann auch entsprechend veröffentlicht. Zugleich habe er die dringende Bitte an weitere Betroffene, sich entweder bei der Missbrauchsbeauftragten der Diözese Augsburg oder direkt bei der Stiftung zu melden. Wichtig wäre es ihm aber auch, mit früheren Heimbewohnern oder Zeitzeugen von damals in Kontakt treten zu können. Die Missbrauchsbeauftragte ist die Augsburger Rechtsanwältin Brigitte Ketterle-Faber. (chmü)

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