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Gericht 

12.04.2019

Mit Metzgermesser Freundin angegriffen

Bild: Alexander Kaya

Plus Volltrunken geht ein 38-Jähriger mit dem Messer auf seine Freundin los. Beim Prozess wird klar, dass der Angeklagte ein massives Alkoholproblem hat. Er gesteht alles und gelobt Besserung.

Sein vollumfängliches Geständnis hat jetzt einem Angeklagten aus Rain einen längeren Gefängnisaufenthalt erspart. Wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung wurde der 38-jährige gelernte Schweißer vom Amtsgericht in Augsburg zu zwei Jahren Haft, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Der Mann hatte, erheblich alkoholisiert, seine Lebensgefährtin und einen guten Freund mit einem Metzgermesser attackiert und verletzt.

Nein, Bier möge er keines, so der gebürtige Pole zu Richterin Ulrike Ebel-Scheufele. Aber Freitag, Samstag und Sonntag, da trinke er schon seit einigen Jahren täglich seine zwei Flaschen Wodka. Unter diesen Vorzeichen war es in Rain zu drei Vorfällen gekommen. Zunächst am Abend des 25. August 2018. Da hatte der Angeklagte gegen 22 Uhr in der Shell-Tankstelle während eines Streits seiner Lebensgefährtin gedroht, ihr ein Messer in den Rücken zu stechen. Die Frau nahm die Drohung ernst und zeigte den Mann bei der Polizei an.

Freundin flüchtet in Bad, um die Polizei zu verständigen

Dass er keine leeren Sprüche macht, bestätigte der Angeklagte nur wenige Tage später am 31. August. In der gemeinsamen Wohnung in der Hauptstraße, ein guter Freund und Arbeitskollege war auch zu Gast, hatte man gemeinsam kräftig gebechert. Dann ging es ums Geld, es entbrannte ein Streit. Um erneut die Polizei um Hilfe zu rufen, flüchtete sich die Lebensgefährtin ins Bad und schloss sich ein. Der Angeklagte machte kurzen Prozess: Er trat die Türe ein, demolierte das Handy, packte die Frau an den Haaren und schleifte sie in die Küche.

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Hier packte er das Metzgermesser und stach in Richtung des Körpers der Frau, hieß es in der Anklageschrift. Weil die Lebensgefährtin sich wegdrehte, verfehlte der Stich ihren Bauch und verletzte lediglich den kleinen Finger. Der gute Freund griff ein, nahm den Angeklagten in den Schwitzkasten. Der 38-Jährige konnte sich aber befreien und dem Gegenüber mehrmals mit dem Messer in den Oberschenkel stechen. Mittlerweile traf die Polizei ein und nahm den Angeklagten auf die Wache mit. Dort verteilte er noch allerlei Beleidigungen an die Beamten.

Bevor später der Haftbefehl gegen den Angeklagten vollstreckt werden konnte, hatte er sich in seine polnische Heimat abgesetzt. Dort wurde er im November 2018 gefasst und in Auslieferungshaft genommen. Seit Dezember saß er im Gefängnis in Gablingen in Untersuchungshaft.

Opfer und Angeklagte reichten sich im Gerichtssaal die Hand

Vor Gericht machte der Angeklagte ohne Umstände reinen Tisch. Durch seinen Verteidiger Moritz Bode ließ er die Taten allesamt gestehen. Man sei einmal mehr alkoholisiert gewesen, dann sei die Sache ausgeufert. Es tue ihm leid, er wolle künftig keinen Alkohol mehr trinken. Die Geschädigten bat er um Verzeihung. Das Gericht konnte ob des Geständnisses auf die Aussagen der meisten der sechs geladenen Zeugen verzichten, hörte zur Bestätigung nur noch die Sachbearbeiterin von der Rainer Polizei an. Vor allem der polnischen Lebensgefährtin des Angeklagten blieben so schwere Momente erspart. Allein die Frage der Richterin an sie, ob sie und der Angeklagte trotz der Angriffe noch ein Paar seien, trieben ihr schon die Tränen in die Augen. Sie verzeihe ihm, sagte die Frau, die Wohnung wolle sie aber nicht mehr mit ihm teilen. Der „gute Freund“ des Angeklagten nutze die Gelegenheit im Gerichtssaal, dem Mann, der ihn mit dem Messer verletzt hatte, die Hand zu reichen.

Aus den drei angeklagten Vorfällen bildete die Vertreterin der Staatsanwaltschaft eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten Haft. Sie forderte, diese nicht zur Bewährung auszusetzen, denn sie könne keine positive Sozialprognose bei dem nach einer Haftentlassung wohl wohnungslosen Mann sehen, der zudem bereits drei Vorstrafen mitgebracht hatte. Ein Jahr und vier Monate Haft, die man zur Bewährung aussetzen könne, erachtete Verteidiger Bode als angemessen. Schließlich habe die Enthemmtheit aller drei Beteiligten in der Wohnung, wo es quasi eine Alkohol-Orgie gegeben habe, zu den Körperverletzungen geführt.

Zwei Jahre Haft mit langer Bewährung und noch mehr Auflagen

Nicht alltäglich: Richterin Ebel-Scheufele übertraf mit ihrem Urteil in Sachen Haftdauer beide Plädoyers. Zwei Jahre Gefängnis verhängte sie gegen den Angeklagten. Hätte er nicht alles gestanden, so die Richterin, hätte er noch längere Zeit hinter Gittern verbringen müssen. Das massive Vorgehen gegen zwei Menschen mit einem Metzgermesser könne nicht angehen, es sei ein großes Glück gewesen, dass es keine schwereren Verletzungen oder gar Tote gegeben habe. Zu den Bewährungsauflagen für den Mann gehört der Besuch von sechs Beratungsgesprächen bei der Caritas zum Thema Alkoholabstinenz. Die Richterin appellierte an den Angeklagten, gut zu überlegen, ob es für ihn und die Frau, die er vor acht Jahren aus Polen zu sich nachgeholt hatte, eine gemeinsame Zukunft gebe. Dann wurde der 38-Jährige in Freiheit entlassen.

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