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28.03.2008

Mit einem Boykott ist keinem geholfen

Als Pierre de Coubertin die Olympischen Spiele Mitte der 1890er Jahre wiederbelebte, wollte er nicht nur zur körperlichen Ertüchtigung beitragen, sondern auch zu Frieden und Völkerverständigung. Sie gelten heute als Grundbestandteile der olympischen Idee - und wollen so gar nicht zu dem Bild passen, das sich derzeit im Konflikt zwischen China und Tibet bietet.

"Was in China läuft, ist nicht zu vertreten", sagt deshalb auch ganz klar Mario Reichert. Er trainiert die Monheimer Turner und war bereits selbst einmal für die Teilnahme an den olympischen Spielen nominiert. "Aber ich finde es nicht richtig, dass die politische Situation auf dem Rücken der Sportler ausgetragen wird." Im Falle eines Boykotts wären sie seiner Meinung nach die Leidtragenden: "Natürlich ist es für sie enttäuschend, wenn sie sich monate- oder sogar jahrelang darauf vorbereiten und dann ihre Leistung nicht zeigen dürfen", ist er überzeugt.

Eine Einschätzung, die Andrea Hegen, Gewinnerin der Bronzemedaille im Speerwerfen bei den Paralympics 2004 in Athen, nur bestätigen kann: "Olympia ist das Ereignis überhaupt. Das ist was ganz, ganz Besonderes. Klar wäre ich enttäuscht, wenn die Spiele ausfallen würden", gibt die aus Buchdorf stammende Athletin offen zu. Sie glaubt, dass man Sport von politischen Ereignissen trennen sollte. "Ein Boykott ist nicht die richtige Lösung."

Darin findet sie auch die Zustimmung des Kreisvorsitzenden des BLSV, Hans Schneider. Er hielte es ebenfalls für sinnvoller, wenn stattdessen die Politiker den Dialog suchten. "Wenn jemand etwas bewegen kann, dann die - nicht der Sport." Mit einem Boykott hingegen sei keinem geholfen. "Man kann nur was bewegen, wenn man im Gespräch bleibt", sagt er und nennt die Wiedervereinigung mit der DDR als gelungenes Beispiel.

Mit einem Boykott ist keinem geholfen

Und Mario Reichert pflichtet ihm bei: "Das Problem wird sich nicht mit Starten oder Nichtstarten lösen." Beide verweisen zudem auf die Wirtschaft, die weiter mit China zusammenarbeite, obwohl hier ein ungleich größeres Sanktionierungspotenzial bestünde, als wenn einzelne Sportler nicht zu den Wettkämpfen antreten.

Während Reichert jedoch der Meinung ist, dass viele kleine Proteste durchaus etwas bewirken könnten, da Olympia eine weltweite Wirkung habe und sich somit gut als Plattform eigne, lehnt Carolin Hingst Aktionen Einzelner ab. "Das ist zwar gut und schön", findet die Stabhochspringerin aus Harburg, "aber sie bringen nichts und lenken höchstens ab." Auch wenn einzelne Länder nicht teilnähmen, ändere sich die Situation "gar nicht". Sie will stattdessen im Umgang mit den anderen Sportlern zeigen, wie ein friedliches Miteinander funktionieren kann.

Ihrer Meinung nach hätte sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) zudem vorher überlegen müssen, ob es China die Spiele gibt. Sollte sich die Lage in Tibet nun weiter zuspitzen, könnte das IOC dem Land die Spiele immerhin entziehen. "Nur so könnte man China den Hammer draufsetzen." Auch Hans Schneider würde diese Lösung favorisieren. Allerdings will er bei einer Verschlechterung der Lage einen Boykott nicht mehr kategorisch ausschließen. "Immerhin kommt es auf die Sportler an, ob sie in einem solchen Land überhaupt an den Olympischen Spielen teilnehmen wollen", räumt er ein.

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