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Donauwörth

30.07.2020

Mitarbeiter von Mondelez demonstrieren in Donauwörth

Weil Italiener und Franzosen die Knabbereien aus Donauwörth während der Pandemie in Massen genießen, laufen hier die Produktionsmaschinen auf vollen Touren. Dafür wollen die Mitarbeiter nun aber entlohnt werden, wie eine Protestaktion verdeutlichen sollte.
Bild: Helmut Bissinger

Plus Beschäftigte von Mondelez in Donauwörth fordern eine Lohnerhöhung und einen Corona-Bonus wegen bleibend hoher Nachfrage in Italien und Frankreich.

Als die Italiener und Franzosen in der Hochphase der Corona-Pandemie verurteilt waren, zu Hause zu bleiben, hatten in Donauwörth knapp hundert Menschen von Mondelez so viel Arbeit, dass sie Überstunden leisten mussten. Bei Mondelez an der Joseph-Gänsler-Straße ín Donauwörth werden nämlich jene Knabbereien produziert, die in unseren Nachbarländern während dieser Zeit in Massen verzehrt wurden. „Das Auftragsvolumen ist nicht abgesackt, sondern hat sich zumindest gefühlt erhöht“, sagt Mondelez-Betriebsratsvoristzender Leonhard Waninger. Die Mitarbeiter demonstrierten am Donnerstag für die Wertschätzung ihrer Arbeit.

In schwierigen Zeiten unter Hochdruck gearbeitet

Um so mehr wundert es ihn und seine Kollegen in der Tarifkommission der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), „dass unsere Leistung nun nicht honoriert werden soll“. Man habe in einer schwierigen Zeit ohne Unterbrechung gearbeitet, um der Nachfrage aus Italien und Frankreich gerecht zu werden. Die „Donauwörther Knabbereien“ werden nur dort in den Lebensmittelmärkten angeboten.

Mit einer Protest-Aktion und einer „Gesundheitswoche“ machten Beschäftigte am Donauwörther Standort des Lebensmittelkonzerns Mondelez auf ihre Situation aufmerksam. „Unser Ärger ist groß über das bisherige Nullangebot der Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde“, erklärt Leonhard Waninger. Man erwarte mehr Wertschätzung, habe man in der Pandemie doch trotz gesundheitlicher Ängste durchgearbeitet, pflichtet NGG-Geschäftsführer Paul Stüber bei. Man fordere eine Lohnerhöhung von sechs Prozent, mindestens jedoch 180 Euro mehr im Monat sowie einen Corona-Bonus in Höhe von 1500 Euro. Die Verhandlungen seien aktuell aber von den Arbeitgebervertretern abgebrochen worden.

Mitarbeiter von Mondelez demonstrieren in Donauwörth

International tätiger Lebensmittelkonzert

Mondelez ist ein international tätiger US-amerikanischer Lebensmittelkonzern mit Sitz in Illinos, der hauptsächlich in den Bereichen Snacks und Süßwaren spezialisiert ist. In Donauwörth werden seit 40 Jahren „Fonzies“ gefertigt, die wie Rotwein und Pizza zu Italien gehören. Dort kennen das Knabberprodukt 90 Prozent der Verbraucher. Aus dem Basisprodukt Maisgries werden die „Fonzies“ gefertigt. Der Mais kommt inzwischen hauptsächlich aus dem oberen Rheintal in Deutschland sowie aus Italien. Unter Druck und Wärme werden die Zutaten unter Vakuum verdichtet und dann ganz schnell entspannt. Folge: Das Material bläht sich auf - „ähnlich wie Puffreis oder Popcorn“. „Fonzies“ gibt es aktuell in fünf Geschmacksrichtungen: unterschiedliche Käsesorten, Erdnuss und Paprika.

An den Verhandlungstisch zurückkehren

Bei den betrieblichen Protesten am Donnerstag informierte die Gewerkschaft auch über Arbeits- und Gesundheitsschutz. „Wir wollten uns aber auch über die hohe Arbeitsbelastung gerade bei Hitze und durch Überstunden und über die aktuellen Sonderschichten austauschen“, erklärte Betriebsratsvorsitzender Waninger. Es könne nicht sein, dass die Belegschaft „Vollgas gibt und das nicht honoriert wird“.

Bewusst habe man nicht gestreikt, sondern die Freizeit beim Schichtwechsel für die Aktion genutzt. Auch in anderen Unternehmen der Branche wie bei Bernbacher, Saumweber oder Hipp habe man auf die prekäre Lage aufmerksam gemacht. Waninger: „Wir fordern die Arbeitgeber auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.“

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