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Strukturwandel

04.04.2018

Molkereigenossenschaft ist Geschichte

In der Milchgenossenschaft Ebermergen schlossen sich 1905 mehrere Hausmolkereien zusammen. Jetzt endet die langjährige Zusammenarbeit.

Zusammenschluss in Ebermergen bestand 113 Jahre. Warum nun das Ende kam

Wenn in diesen Tagen zum 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen an dessen Wirken in der genossenschaftlichen Idee erinnert wird, ist gleichzeitig die 113-jährige Geschichte der Molkereigenossenschaft Ebermergen planmäßig zu Ende gegangen. Im Rahmen der Schlussgeneralversammlung stand nach einem Gläubigeraufruf und dem Ablauf des vorgeschriebenen Sperrjahres die Liquiditätsendabrechnung auf der Tagesordnung. Die Genossenschaft ist damit Geschichte.

Seinen Ursprung hatte der Zusammenschluss in der Hausmolkerei auf dem Meierhof in Ebermergen. Aus dieser ging 1905 die Genossenschaft hervor, der zunächst nur Landwirte aus Ebermergen, Brünsee und Marbach angehörten. Die größte Zahl an Lieferanten – nämlich 117 – hatte die Genossenschaft in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Weil damals der Selbstversorgung der Bevölkerung ein hoher Stellenwert eingeräumt wurde, hatten viele Betriebe nur zwei oder drei Milchkühe im Stall stehen. 1963/64 baute die Gemeinschaft in Ebermergen eine Molkerei. Die Landwirte aus Mauren und zum Teil aus Harburg schlossen sich an. Doch der Betrieb lief nur wenige Jahre. Nachdem die Molkerei geschlossen worden war, ging die Milch für kurze Zeit ins württembergische Künzelsau, ehe 1972 ein Vertrag mit der Molkerei Zott in Mertingen geschlossen wurde. Die Verbindung hielt bis jetzt an.

Die Zahl der Milcherzeuger aus Brünsee-Marbach, Ebermergen, Harburg und Mauren war jedoch in den vergangenen Jahren stark rückläufig. Nun sind die zwölf verbliebenen Lieferanten geschlossen der Erzeugergemeinschaft MEG, Stammgebiet Mertingen, beigetreten, und die bisherige Genossenschaft wurde durch Mehrheitsbeschluss aufgelöst.

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Im Beisein von Ludwig Wild und Johannes Gayr aus der Abteilung Milcheinkauf der Molkerei Zott wurde den Verantwortlichen Dank und Anerkennung zuteil für ihren langjährigen Einsatz im Interesse der Mitglieder. Rechner Ernst Wiedenmann sprach in seiner Laudatio das Aufgabengebiet an rund um die Milcherzeugung und -verwertung. Regionaldirektor Schartel vom Bezirksverband Schwaben des Genossenschaftsverbandes Bayern nahm persönlich die Auszeichnungen vor. Die Liquidatoren Thomas Kornmann (20 Jahre Vorstand) und Bernd Schreitmüller (13 Jahre stellvertretender Vorstand) sowie die Aufsichtsräte Frieder Dürrwanger (20 Jahre Vorsitzender), Michael Frank (27 Jahre stellvertretender Vorsitzender) und Stefan Münzinger (zehn Jahre Mitglied) erhielten Ehrenurkunden des Verbandes überreicht für ihr Wirken um die erfolgreiche Entwicklung und Förderung der Molkereigenossenschaft Ebermergen.

Wenn mit der anstehenden Löschung im Genossenschaftsregister beim Amtsgericht etwas Wehmut mitschwingt, so verwies Rechner Wiedenmann darauf, dass auch im engsten Umkreis in den vergangenen Jahren vielfach neue Genossenschaften gegründet worden seien, vor allem im Bereich der Nahwärmeversorgung. Das Geschäftsmodell sei vorteilhaft und hochaktuell. Seit einer Änderung im Genossenschaftsgesetz können mindestens drei Personen eine eigene Genossenschaft gründen. Die Leitung kann ein Mitglied davon allein übernehmen und erst über einem Mitgliederstand von 20 Personen ist ein Aufsichtsrat erforderlich.

Thomas Kornmann dankte dem Rechner für 32 Jahre Geschäftsführung. Die Vertreter der Firma Zott berichteten von den neuesten Zahlen und Entwicklungen aus der Molkerei. Eine Diskussion um die Milcherzeugung und -vermarktung rundete den Abend ab. Die Lieferbeziehung zur Molkerei Zott war nach Ansicht der Genossenschaft-Verantwortlichen geprägt von gegenseitigem Vertrauen und großem Einvernehmen. (dz, wwi)

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