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Wemding

19.06.2019

Mutter Knie kam einst aus Wemding

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Der Schweizer Zirkus Knie gilt als einer der größten und hat eine lange Tradition vorzuweisen. Sie wurde von einer Wemdingerin mitbegründet.
Bild: Foto: Martina Diemand

Der Schweizer Zirkus Knie feiert 100-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum hat auch etwas mit Anastasia Staudinger zu tun, die einst in der Fuchsienstadt lebte.

 „Herzlichen Glückwunsch, 550 Jahre Wemding“, darf man heuer bekanntlich sagen – das ist nach den Feierlichkeiten „Löwen, Gunst und Gulden“ hinreichend bekannt. Aber es gibt noch ein anderes Jubiläum, das ebenso in die Fuchsienstadt führt: „Herzlichen Glückwunsch, 100 Jahre Circus Knie“. Die Zusammenhänge allerdings sind eher unbekannt. Denn während der prominente Botaniker Leonhard Fuchs als großer Sohn der Stadt Wemding in vieler Munde ist, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten, dass die berühmte Schweizer Zirkusfamilie Knie ebenfalls ihre Wurzeln in Wemding hat.

Friedrich Knie, Sohn eines Wiener Arztes, 1784 in Erfurt geboren, gilt als der Begründer der bekannten Schweizer Zirkus-Dynastie. Er lernte als Student in Innsbruck eine Kunstreiterin kennen, für die er das Studium aufgab. Diese Verbindung zerbrach, wobei Friedrich Knie aber dem Zirkus-Milieu treu blieb. Ebenfalls in Innsbruck lernte er später Antonie Stauffer kennen, die er heiratete. Mit seiner Frau führte er eine bekannte Seiltänzertruppe an, die wegen ihrer Seriosität überall gern gesehen war. Das Paar bekam fünf Kinder, nämlich Rudolph, Georg, Johann Karl, Fanny Adelheid und Franz. Antonie starb bereits 1833 in einem unbekanntem Ort. Rudolph und Franz gründeten später eigene Truppen. Johann Karl aber blieb in der Truppe seines Vaters Friedrich, bis dieser 1850 in Burgdorf bei Bern starb und Johann Karl die Truppe übernehmen musste.

Johann Karl hatte allerdings nicht mehr lange zu leben. Er starb am 7. Dezember 1860 in Freiburg/Breisgau. Sein Grab ist auf dem dortigen alten romantischen Friedhof noch erhalten.

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Wann und wo Johann Karl Knie der Wemdingerin Anastasia Staudinger begegnet war, ist wohl nicht mehr zu ermitteln. Anastasia wurde am 2.2.1808 in Wemding geboren und war das älteste von zahlreichen Geschwistern, wie man im Taufbuch der Gemeinde Wemding im Diözesanarchiv in Eichstätt lesen kann. Unklar ist, wie diese Anastasia ins Zircus-Milieu kam. In der Zircus-Literatur heißt es stets bei Nennung ihres Namen nur „Hinné“.

Gemeint ist damit der damals bekannte Kunstreiter Johann Hinné, der im Juni 1832 in Nördlingen im „Bären“ logierte. Vielleicht ließen sich Hinweise im Stadtarchiv Wemding finden – aber dort ist leider alles eingepackt und somit nicht zugänglich.

Acht Kinder, die das Unternehmen weiter führten

Mit ihrem Mann Johann Karl Knie bekam sie acht Kinder. Anastasia Staudinger ist also die Urmutter des heutigen renommierten Schweizer Nationalzirkus Knie. Sie starb am 18. Oktober 1881 in Bern.

Nach dem Tode von Anastasia Knie übernahm der Sohn Ludwig die Truppe, die vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre Gastspiele gab. Ludwig, der 1842 in Wien geboren war, starb aber bereits 1909 in Meilen in der Schweiz. Danach führten seine fünf Söhne das Unternehmen weiter. Neben den üblichen Seilkünstlerstücken wurde auch bereits ein gediegenes Varietéprogramm gezeigt.

Riesiger Erfolg

Der Gedanke, das offene Unternehmen in einen Zelt-Zirkus umzuwandeln, war schon lange das Ziel der jungen Unternehmer. Am 14. Juni 1919 war es endlich soweit: Auf der Schützenmatte in Bern wurde die erste Vorstellung des Zircus Knie in einem Zelt gegeben. Der riesige Erfolg war der Lohn für den unternehmerischen Mut. Von da an bis heute, in achter Generation, begeistert diese Schweizer Institution jährlich ihr Stammpublikum mit einem stets neuen hochklassigen Programm. Passend zum Jubiläum ist auch ein hervorragend gestaltetes Buch über den Circus Knie erschienen, das die reiche Geschichte dieses Unternehmens brillant vor Augen führt. (Hermann Sagemüller)

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