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Rain

19.10.2016

Mysteriöser Diebstahl in Rain

Das Marterl mit dem Heiligen Nikolaus am Klausenbrunnen erinnert an das ehemalige Dorf Brucklach. Jetzt ist der Bildstock verschwunden. Ein Unbekannter hat ihn gestohlen.

Das Marterl im Rainer Wohngebiet „Bei der Klause“ ist zwischen 21. und 23. September verschwunden. Die Polizei steht vor einem Rätsel.

Es ist ein idyllischer Fleck am südlichen Ortsrand von Rain: Im Wohngebiet „Bei der Klause“, kurz bevor die Alte Bayerdillinger Straße in die Bayerdillinger Straße mündet, stehen unter einer kleinen Baumgruppe ein Feldkreuz, eine Bank – und ein Marterl mit einer Figur des Heiligen Nikolaus vom Klausenbrunnen. Genauer gesagt, steht das Marterl jetzt nicht mehr dort. Es ist auf mysteriöse Weise verschwunden. Durch wen, wie und wohin – ist für die Polizei ein Rätsel. Ein Unbekannter muss sich – wie erst jetzt bekannt wurde – bereits zwischen dem 21. und dem 23. September dort zu schaffen gemacht und den Bildstock mitgenommen haben.

Der Diebstahl ist dem früheren Kirchenpfleger der Stadtpfarrei St. Johannes, Herbert Ottilinger, aufgefallen. Er kümmert sich seit der Errichtung und Einweihung des Marterls im Sommer 2009 regelmäßig darum, schmückt es mit Blumen und sieht generell nach dem Rechten.

Am 23. September wollte er seinen Augen nicht trauen, als er durch die Alte Bayerdillinger Straße radelte und die Stelle neben dem Feldkreuz leer fand. „Erst hab ich bei der Kirchenverwaltung nachgefragt, ob man das Marterl eventuell zur Säuberung entfernt hat“, schilderte er gegenüber unserer Zeitung. Als feststand, dass nichts dergleichen dahinter steckte, erstattete Ottilinger im Namen der katholischen Kirchenstiftung St. Johannes Diebstahlsanzeige bei der Polizei Rain.

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Der dortige Sachbearbeiter hat die Beute als Kunst und als sakralen Gegenstand eingestuft, weshalb sie unter den entsprechenden Paragrafen 242 des Strafgesetzbuchs fällt und somit in die Kunstdatenbank des Bayerischen Landeskriminalamts aufgenommen wurde. „Wenn das Marterl irgendwo auftaucht, kann man es auf diesem Weg möglicherweise identifizieren“, erklärte der PI-Pressesprecher auf Nachfrage unserer Zeitung.

Verwertbare Spuren sind am Tatort keine gefunden worden. Das rund 1,80 Meter hohe Marterl ist aus Holz und war in einem Betonfundament festgeschraubt. Der Täter hat die Schrauben gelöst und den etwa 150 Kilo schweren Bildstock mitsamt der Nikolaus-Figur – geschaffen vom Künstler Wolfgang Klein – abtransportiert. „Es ist schon fast makaber“, sagt Herbert Ottilinger, „dass wir beim Bau des Marterls zwar mit einer einbruchssicheren Scheibe Vorsorge getroffen haben, nicht aber mit dem Diebstahl des ganzen Gehäuses gerechnet haben.“ Den Wert des Kunstwerks hat Ottilinger bei der Polizei mit 2500 Euro angegeben.

Das verschwundene Marterl hat jenen Ort markiert, an dem sich einst das Dorf Brucklach befunden hat. Nach Recherchen Adalbert Riehls, der bekanntlich heimatgeschichtlichen Themen nachgeht, wurden Brucklach und seine St.-Nikolaus-Kirche im Jahr 1383 erwähnt. Allerdings zogen immer mehr Bauern aus dem Dorf nach Rain und bauten dort Häuser und Stallungen, sodass das Dorf Brucklach Anfang des 15. Jahrhunderts ausgestorben sein dürfte. 1632 wurde dann die Nikolaus-Kirche auf kurfürstlichen Befehl zerstört und 1646 ganz abgebrochen. Die Steine wurden zur Stadtbefestigung verwendet. Ein späterer Kapellenneubau von 1753 wurde 1804 zum Abbruch verkauft. So wie die beiden Gotteshäuser verloren gegangen sind, ist nun also auch die jüngste Gedenkstätte an den Heiligen Nikolaus vom Klausenbrunnen verschwunden.

Wer verdächtige Beobachtungen gemacht hat – vor allem auch zwischen 21. und 23. September – wird gebeten, sich bei der PI Rain, Telefon 09090/70070, zu melden.

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