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Huisheim

14.02.2020

Nach Julians Tod: Nun will Familie Bosch selbst helfen

An Julians Grab liegen vier Steine, die seine Geschwister bunt bemalt haben. Jeder steht für einen Spender. Und es sollen noch viele folgen.
Bild: Würmseher

Plus Familie Bosch hat ihren Sohn durch Leukämie verloren. Dennoch kämpfen sie weiter - und starten nun eine eigene Hilfsaktion. Der Tag ist nicht zufällig gewählt.

Es sind Zeilen voller Dankbarkeit und Hoffnung, die im März 2018 aus Huisheim an einen unbekannten Menschen irgendwo in Deutschland gehen: „Danke für Ihre Stammzellspende!“ schreiben Kathrin und Christian Bosch dem damals noch anonymen Knochenmarkspender, der endlich gefunden war und der ihrem Sohn Julian die Chance auf ein neues Leben schenken sollte. „Unser kleiner Engel hat einen Helden!“, freuen sich die Eltern zu diesem Zeitpunkt noch. Doch leider ist diese Hoffnung trügerisch.

Julian verliert am 31. Oktober 2018 den Kampf gegen die aggressive Form von Blutkrebs, an der er erkrankt war. Was der Familie Bosch bleibt, sind die Erinnerungen an das kostbare halbe Jahr nach der Knochenmarktransplantation, das ihnen mit Julian vergönnt ist. Eine Zeit, in der der Kleine zu laufen und zu sprechen anfängt und „Mama“ und „Papa“ sagt.

Tiefe Dankbarkeit

Was ihr außerdem bleibt, ist die tief empfundene Dankbarkeit gegenüber jenem damals noch unbekannten Spender, dem genetischen Zwilling ihres Julian. Das Gesetz schreibt eine zunächst größtmögliche Diskretion zwischen Spender und Empfänger vor. Viele Monate müssen vergehen, bis der Kontakt entstehen darf, erst recht bis die wechselseitigen Identitäten offenbart werden dürfen.

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Im Spätsommer 2019 ist es so weit: Es kommt zum ersten Briefkontakt zwischen Familie Bosch und Julians Spender, der über die Klinik in Ulm vermittelt wird. Ab Herbst tauschen sie dann E-Mails und Whats-App-Nachrichten aus. Jetzt wissen Kathrin und Christian Bosch: Der Mensch, dem sie sich unendlich verbunden fühlen, heißt Ömer-Kaan Özdag, ist 23 Jahre alt und lebt in Berlin (siehe auch: Kampf gegen Leukämie: Spender für den kleinen Julian gefunden)

„Sehr nah gefühlt“

Jetzt bekommen sie ein Gesicht zu diesem Namen: ein freundliches Gesicht mit sympathischen Lächeln. „Diese ersten Kontakte zu ihm war sehr emotional für uns“, erzählt Kathrin Bosch, „wir haben uns ihm sehr nah gefühlt, weil Julian ja ein Stück von ihm bekommen hat. Es waren wirklich schöne Momente.“

Die Familie Bosch kann die Hilfsbereitschaft des Studenten der Agrarwissenschaften gar nicht genug wertschätzen. Eine Stunde lang waren ihm im Klinikum in Dresden die nötigen Stammzellen aus dem Blut gefiltert und auf den Weg ins Klinikum nach Ulm gebracht worden. Ein Eingriff, um den Ömer-Kaan Özdag kein großes Aufhebens macht.

Für Özdag selbstverständlich

„Das war selbstverständlich! Es ist schön, dass ich Julian zumindest die Chance auf ein neues Leben und der Familie ein weiteres halbes Jahr mit ihm schenken konnte!“ freut sich der 23-Jährige bei einem Telefonat mit der DKMS.

Es soll nicht bei diesen ersten schriftlichen Kontakten bleiben. „Wir werden Ömer-Kaan auf jeden Fall in diesem Jahr in Berlin besuchen“, plant Kathrin Bosch. „In den Ferien werden wir mit den Kindern nach Berlin fahren und uns dann auch persönlich mit Julians Spender treffen.“

Das eigene Schicksal ist den Boschs auch Verpflichtung. Die Hilfsbereitschaft so vieler Menschen, die sie erfahren durften, der Zusammenhalt und die Mitmenschlichkeit in den schwersten Stunden von Julians Krankheit und Sterben, haben den Wunsch geweckt, selbst zu helfen, wo es geht. „Uns wurde so viel geholfen“, sagt Kathrin Bosch, „dass es uns nun auch Bedürfnis ist, etwas zurückzugeben.“

Kellerkneipe in Gedenken an Julian

Sie und ihr Mann haben im Juni in Wemding die Kellerkneipe JB’s eröffnet, deren Name für die Initialen ihres verstorbenen Sohnes stehen.

Bild: Bosch

Sie betreiben das Lokal in der Bahnhofstraße 32 von Donnerstag bis Sonntag und veranstalten dort immer wieder auch Benefizaktionen, bei denen sie Spenden sammeln. Spenden für die DKMS, aber auch für andere Organisationen, die sie in schweren Zeiten unterstützt haben und die sich weiterhin um die Familie Bosch kümmern.

Am Samstag, 15. Februar, findet nun ab 20 Uhr dort eine Typisierungsaktion für die DKMS statt. Kathrin und Christian Bosch appellieren an alle, die noch nicht registriert sind, zu kommen und sich zu informieren. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie einfach es sein kann, Leben zu retten. Unser Kinder Simon und Anika haben für jeden Spender einen Stein bemalt. Diese legen wir auf das Grab von Julian – für jeden Spender wird ein weiterer Stein folgen.“

Tag nicht zufällig gewählt

Der Tag für diese Aktion ist nicht zufällig gewählt: Am 15. Februar findet der Weltkinderkrebstag statt. „Unter dem Motto ‚Celebrate and Help’ machen wir mit goldenen Schleifen auf diesen Tag aufmerksam und mit dem blinkenden ‚Stern für Julian’ auf die DKMS.“

Sinnvolles zu tun und sich gleichzeitig abzulenken, das hilft den trauernden Eltern, mit ihrem Schicksalsschlag fertig zu werden. „Wir versuchen, zu leben und als Familie zusammenzuhalten“, schildert Kathrin Bosch ihren Alltag. „Aber es vergeht kein Tag, an dem wir nicht an Julian denken. Was uns tröstet, ist das Bewusstsein, dass niemand Schuld hat. Dass die Ärzte alles getan haben und dass wir alles getan haben, was möglich war. Es war nun einmal Julians Weg. Es sollte wohl so sein. Und wir wissen: Unser Sohn hat es in seinem kurzen Leben geschafft, so viele Menschen zu bewegen ...“

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