Newsticker

Zahl der Corona-Infizierten in München sinkt unter kritischen Wert
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Nach dem Wahlmarathon auf ein kühles Weizen

02.07.2010

Nach dem Wahlmarathon auf ein kühles Weizen

Donauwörth/Berlin Mit großen Kommentaren hält sich Georg Schmid am Tag nach dem Berliner Wahlkrimi zurück. "Es war spannend", bilanziert der Donauwörther, der als Wahlmann in der Bundesversammlung hautnah mitbekam, wie Christian Wulff erst im dritten Durchgang das höchste Amt im Staat erlangte.

Dass im ersten und zweiten Wahlgang derart viele Vertreter aus dem Lager der CDU/ CSU und FDP dem Niedersachsen ihre Stimme verweigerten, sei schon ein "überraschendes Moment" gewesen, so der CSU-Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag: "Das war eine ganz besondere Situation." Umso zufriedener war Schmid, als am Dienstagabend der neue Bundespräsident feststand. Georg Schmid hatte bereits zuvor angekündigt, dass er seine Stimme Wulff geben werde ("Er ist ein Mann der Zukunft."). Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses gehörte der Nordschwabe noch im Reichstag zu den Gratulanten.

Zu jenem Zeitpunkt war Schmid in Berlin schon mehr als zwölf Stunden auf den Beinen. Nachdem er bereits am Montag an einer CDU-/CSU-Fraktionssitzung teilgenommen hatte, stand am Tag der Bundesversammlung um 9 Uhr ein Gottesdienst auf dem Programm. Aus der Kirche ging es weiter in den Reichstag zu einer weiteren Fraktionssitzung.

Was dann ab 12 Uhr folgte, ist bekannt. "Man spürt die Zeit schon", berichtet Schmid von den Vorgängen, die sich innerhalb von gut neun Stunden dreimal wiederholten: Das Verlesen der Namen der Wahlmänner ("das war ziemlich monoton"), die Stimmabgabe, das Auszählen der Stimmen und jeweils eine einstündige Unterbrechung. In dieser kamen erneut die Fraktionen zusammen, um über die Situation zu beraten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wenigstens hätten sich immer wieder Gelegenheiten für Gespräche ergeben, schildert der CSU-Politiker, der bei der Bundesversammlung in der vierten Reihe saß - direkt hinter Verteidigungsminister zu Guttenberg. Schmid plauderte unter anderem mit Ex-Finanzminister Theo Waigel, mit Wirtschaftsminister Schäuble und mit dem Verleger Hubert Burda.

Brief an Köhler

Als der offizielle Teil beendet und alle Glückwünsche angebracht waren, ging Schmid zusammen mit dem CSU-Bundestagsabgeordneten Ulrich Lange in einen nahen Biergarten und genoss ein wenig den warmen Sommerabend: "Da haben wir noch ein Weizen getrunken."

Dem abgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler schrieb Schmid kürzlich einen Brief. Er habe sich bei dem Staatsmann für dessen Arbeit zum Wohle der Bundesrepublik bedankt, so Schmid: "Er war ein echter Bürgerpräsident."

Mit dabei bei dem neunstündigen Wahlmarathon im Berliner Reichstagsgebäude waren auch die beiden nordschwäbischen Bundestagsabgeordneten Gabriele Fograscher ( SPD) und Ulrich Lange (CSU).

Gabriele Fograscher, für die gestern ebenso wie für ihren Kollegen Ulrich Lange gleich wieder der parlamentarische Alltag begonnen hat, wirkt im Gespräch mit unserer Zeitung immer noch überrascht über den Verlauf der Abstimmung. "Ich hätte nie und nimmer damit gerechnet, dass es drei Wahlgänge gibt", sagt sie und wertet dies als klare Niederlage für Schwarz-Gelb. Dass die Bundeskanzlerin bei so klaren Mehrheitsverhältnissen nicht im ersten Durchgang ihren Kandidaten durchbringe, sei für Merkel eine "schallende Ohrfeige von den eigenen Leuten".

Auf die Frage, ob sie damit rechne, dass die Regierung in absehbarer Zeit platzen könnte, äußert sich die Nördlinger Abgeordnete zurückhaltend: "Ein Neubeginn, der von CDU und FDP in den vergangenen Monaten immer wieder angekündigt wurde, war das jedenfalls nicht. Ich bin gespannt, wie es weitergeht."

Einen Seitenhieb auf die Linke will Fograscher sich nicht verkneifen. Hätte diese mit SPD und Grünen gestimmt, wäre Gauck jetzt Präsident. "Aber das müssen die mit sich selber ausmachen." Zwischen den Wahlgängen habe es doch einigen Leerlauf gegeben, abgesehen von einigen Sitzungen und Abstimmungsgesprächen, schildert sie den Ablauf in Plenarsaal. (wwi/bs)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren