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Donauwörth

27.11.2020

Nächste Runde im Streit um die einstige Wasserversorgung

Im Wasserturm an der ehemaligen Stadtmauer, heute Domizil des Alpenvereins, wurde einst das Wasser für Donauwörth aufbereitet. 
Foto: Helmut Bissinger

Plus Manfred Kluger versteht nicht, was Erich Bäcker als Beweise für ein Hebewerk in Donauwörth anführt. Er hat seine eigene Theorie. Und da kommt Wemding ins Spiel.

Hat Donauwörth das älteste Hebewerk Deutschlands gehabt? Oder ist die Stadt seinerzeit von Quellen aus der Parkstadt mit Wasser versorgt worden? Die Meinungen gehen weiter auseinander. Kreisheimatpfleger Erich Bäcker ist sicher, dass es ein Hebewerk gab. Der gebürtige Donauwörther Autor Martin Kluger lässt sich davon aber nicht überzeugen: „Es gibt keine Belege“, sagt er. Er fragt nach Abrechnungen für dieses vermeintliche Bauwerk und nach Konstruktionszeichnungen.

Kluger erinnert an seine Recherchen in Donauwörth. Er hätte sich gefreut, wenn er als Autor in den Medien journalistisch von der ältesten Wasserhebung Deutschlands berichten hätte können. Das Problem sei aber gewesen, „dass es keinen Beleg dafür gibt“.

Damals habe es keinen Grund für ein Heberwerk in Donauwörth gegeben

Wichtiger sei aber, dass es keinen Grund gegeben habe, ein Hebewerk zu konstruieren. Kluger: „Das wäre technisch unnötig gewesen, hoch kompliziert und kaufmännisch gesehen ein Schildbürgerstreich.“ Was vermutlich nie war, lasse sich natürlich auch nicht behaupten.

Ein bisschen mutet es an, wie „der Streit der Gelehrten“. Beide Experten wollen davon nichts wissen, betonen, wie sehr sie sich gegenseitig schätzten. „Aber“, sagt Kluger, „es ist halt auch nichts bewiesen.“

Experte zum Thema Wasserbau: der Autor Martin Kluger.
Foto: Helmut Bissinger

Seit 2007 setze er sich recht intensiv mit dem Thema des Wasserbaus, der -erhebung und der -kraftnutzung auseinander. Er habe die einschlägige Literatur sehr intensiv studiert und selbst einige Bücher zum Thema verfasst. Daraus leitet er ein Erfahrungswissen ab.

Ein Geistlicher berichtet 300 Jahre danach von dem angeblichen Bauwerk

Dass ein Geistlicher 1609, exakt 300 Jahre nach dem Bau des angeblichen Hebewerks an der Wörnitz, darüber berichtet, sei merkwürdig. „Woher sollte Prior Beck sein Wissen haben?“ Dass ein Geistlicher einige Hundert Jahre später von einem Hebewerk schreibe, sei kein Beleg, „schon gar kein Beweis“.

Quellen aus dieser Zeit seien nach dem „Hörsensagen-Prinzip“ geschrieben worden und überall entsprechend fehlerhaft. Es könne durchaus sein, dass eine Gefälleleitung von einem technischen Laien mal einfach ganz salopp als „kunstvolles Hebewerk“ bezeichnet worden sei, „wie irrtümlich in Lübeck oder Ulm“.

Kein wissenschaftlicher Hintergrund für eine Anlage in Donauwörth

Dass sein Historikerkollege Bäcker auf Schöpfräder und Hebewerke verweist, die es seit dem 13. Jahrhundert in Deutschland gegeben habe, will Kluger nicht leugnen. Solche Konstruktionen seien früh im Bergbau eingesetzt worden. Kluger: „Diese frühen Wasserkünste, Bulgenkunst und Heinzenkunst, hatten allerdings ganz andere wirtschaftliche Rahmenbedingungen.“ Denn der Bergbau sei für die jeweiligen Landesherren (also die Eigentümer des Abbaurechts) eine maßgebliche Stütze der Staatsfinanzen gewesen.

Nur weil hier so viel zu verdienen war, habe man dort in die Wasserhebung investiert. Deren Baumeister hätten als Spezialisten erhebliche Anteile am Erzertrag erhalten. Die Hebewerke seien äußerst kompliziert gewesen, aber auch sündteuer. „Diesen wirtschaftlichen Hintergrund für ein Hebewerk gab es in Donauwörth nicht“, ist sich Kluger sicher.

Martin Kluger hat eigene Erfahrungen mit Donauwörth

Echte, also maschinelle, Wasserhebung konnten sich nach Klugers Recherchen noch um 1500 nur eine Handvoll sehr großer und reicher Städte in Deutschland leisten. Die Residenzstadt München hob ab 1470 ein Schöpfrad Wasser ein paar wenige Meter hoch. In Wülzburg habe das Königreich Bayern noch zwischen 1823 und 1831 sechs Regenwasserzisternen errichten lassen – fünf davon in den Wallmauern, die größte Zisterne zentral im Innenhof. Kluger: „Selbst zu dieser technisch weit fortschrittlicheren Zeit hat man das Wasser lieber in Zisternen gesammelt.“

Es sei richtig, dass es auf dem Schellenberg in Donauwörth keine ergiebigen Quellen gegeben habe, pflichtet Kluger Bäcker bei. Aber: „Ergiebige Quellen sind für die Donauwörther Trinkwasserversorgung nicht notwendig gewesen.“ Dass es dort Wasser gebe, könne er aus eigenem Erleben berichten.

Dort wo heute das Freibad seinen Platz hat, seien in seiner Kindheit noch Feuersalamander anzutreffen gewesen, „ein Reptil, das feuchte Laubwälder als Habitat und sauberes Quellwasser für die Fortpflanzung benötigt“. Noch um 1972 habe es an der Panzerstraße kurz vor Lederstatt mitten im Gehölz ein Feuchtbiotop mit Sumpfschwertlilien gegeben.

Donauwörth hatte aus seiner Sicht eine Aufstaulösung

Und jetzt kommt Wemding ins Spiel: genauer gesagt die Doosquelle und der Doosweiher. Dort, so die Beobachtung von Kluger, werde das Wasser der schwach schüttenden Quelle einfach durch einen Damm aufgestaut, „bis dadurch ein Weiher befüllt ist, der quasi als großes Hochreservoir dient“. Von dort fließe dann ständig Wasser im offenen Dooskanal in Richtung Stadt. „Dieses Modell dürfte auch hoch über Donauwörth zum Tragen gekommen sein“, fügt Kluger.

Das Fazit des in Augsburg sehr geschätzten Autors mit Wurzeln in Donauwörth: „Eine Aufstaulösung war für Donauwörth dramatisch günstiger und technisch wesentlich leichter zu bewerkstelligen als ein teures und technisch höchst anspruchsvolles Hebewerk.“ Das sei kein Beweis, eine sehr logische Schlussfolgerung.

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