"Sie trafen sich zum ersten Mal auf dem staubigen kleinen Marktplatz eines Dorfes im Westen der USA - Tony Schneller Hase und Chris McKenzie." So beginnt ihre kindgerecht abgefasste Geschichte, in der sie einfühlsam die Freundschaft zwischen einem Indianerkind und einem weißen Jungen schildert und dabei viel über die Mentalität der Indianer verrät. "Die Indianer sind davon überzeugt, dass die Erde nicht uns gehört, sondern dass wir der Erde gehören. Die Erde kann jederzeit ohne Menschen auskommen, aber wir nicht ohne sie."
Armut und Trostlosigkeit in fast jedem Reservat
Wenn auch die Geschichte in diesem Buch in einem winzigen Reservat in der Nähe von Salt Lake City spielt, so könnte das Reservat doch überall in Amerika sein, "denn Armut, Arbeitslosigkeit und Trostlosigkeit gibt es in fast jedem Indianerreservat", erzählte sie. Seit 1974 befasst sich die Autorin mit der Geschichte der Indianer, engagiert sich literarisch für die Bekämpfung von gängigen Klischees, die das Wildwestgenre beherrschen. Mawatanis internationaler Erfolg mit ihren Büchern wie etwa "Weiße Tochter der Cheyenne", "Kleiner Bär und Weißer Vogel" und "Weißer Vogel und Schwarzes Pferd", wofür sie das Prädikat "besonders wertvoll" erhielt, beweist, dass ihr Einsatz für ein realistisches Bild der Situation der Indianer und ihrer leidvollen Geschichte angenommen wird.
"Was verdient eine Autorin wie Sie mit ihren Büchern?", wollte ein Schüler wissen. Da winkte N. Mawatani mit einer vielsagenden Geste ab: "Allein von der Schriftstellerei kann man nicht leben", bekannte sie. Mehrmals habe sie schon den Verlag gewechselt. Jetzt habe sie "zum Glück" den Verlag Buch und Media gefunden, "der meine 'Indianergeschichte' sogar in Kleinstauflage druckt, wenn beispielsweise ein Lehrer für seine Schulklasse 25 Exemplare bestellt", verriet sie.
Es kann ein drei viertel Jahr oder auch zwei Jahre dauern, bis Frau Mawatani ein Buch geschrieben hat. "Momentan arbeite ich nicht an einem Buch. Da muss man Ideen haben und ein Konzept, und das kommt oft einfach so über Nacht", berichtete sie den Schülern. Besonders aufmerksam schauten sie sich die Souvenirs an, die sie mitgebracht hatte, wie etwa Schmuck, Mokassins, einen Bisonzahn, eine Eulenfeder als Ersatz für eine (heilige) Adlerfeder, das Foto eines Tipis und eine echte Friedenspfeife.