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Donauwörth

01.11.2017

Neue Brücken bauen in Donauwörth

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Die Dekane Robert Neuner (links) und Johannes Heidecker bei der ökumenischen Andacht im Liebfrauenmünster.
Bild: Hilgendorf

600 Evangelische und Katholiken gedenken gemeinsam der Ereignisse der Reformationszeit. Die Wörnitzbrücke trägt fortan einen neuen Namen.

Es war ein beeindruckendes Signal, das die gut 600 Donauwörther in den Straßen ihrer Stadt am Reformationstag aussandten: Genau 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche, der letztlich ein beherztes Zurück zu den christlichen Wurzeln forderte, gedachten evangelische und katholische Christen gemeinsam der Ereignisse von 1517 und der turbulenten Folgezeit. Aus gutem Grund, denn die Freie Reichsstadt spielte eine nicht unwesentliche Rolle während der konfessionellen Auseinandersetzungen. Um nachhaltigen Friedenswillen zu demonstrieren, wurde im Rahmen eines festlichen Umzuges sowie mehrerer ökumenischer Andachten die Untere Wörnitzbrücke in „Friedensbrücke“ umbenannt.

Nach all dem, was in der tragischen, Jahrhunderte währenden Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten geschehen war, bezeichnete es der katholische Dekan Robert Neuner wie vorher auch seine evangelische Kollegin Pfarrerin Katharina Werner in der am Dienstagvormittag vollständig gefüllten Donauwörther Christuskirche als „ein Wunder“, dass sich die Christen beider Konfessionen heutzutage gemeinsam auf den Weg machten.

Festumzug startet an evangelischer Kirche

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Dieser sollte im Rahmen eines Festumzuges von dem evangelischen Gotteshaus in der Pflegstraße zunächst hinüber zum Liebfrauenmünster führen, wo der evangelisch-lutherische Dekan Johannes Heidecker die Andacht hielt. Er nannte den Auftrag Jesu als verbindlich für alle Christen – es falle in diesem Sinne wohl kaum ins Gewicht, dass verschiedene christliche Konfessionen eben auch unterschiedliche Formen des Gottesdienstes und der Rituale bevorzugten. Wichtiger sei vielmehr der gemeinsame Auftrag – und ebenjener sei immer der Jesu Christi. In Anlehnung an die Seligpreisungen des Gottessohnes nannte er hierzu Gerechtigkeit, Friedfertigkeit und Barmherzigkeit als stets zu beherzigende Tugenden, die hierzulande wie auch global gelebt werden müssten.

Dekan Neuner sagte indes, gerade auch im Hinblick auf die Umbenennung der Wörnitzbrücke: „Brücken zu bauen ist ein Auftrag Jesu.“ In der Vergangenheit habe der Glaube, und das im Widerspruch zum Evangelium, leider oft genug herhalten müssen, „um die Machtgelüste der Menschen zu befriedigen“. Heute solle stattdessen gelten, dass „Christen verschiedener Konfessionen wieder zusammenkommen“. Letztlich sei doch „das Verbindende stärker als das Trennende“. Man gehe heute gemeinsam den Weg, um Gott zu loben – ein Fortschritt gegenüber der Situation des Markustages im Jahr 1606, als in Donauwörth Evangelische und Katholische im Zuge einer Prozession aneinandergerieten.

Die Tumulte des sogenannten „Kreuz- und Fahnengefechts“ wurden bekanntlich zu einem tragischen Ereignis, welches das Seine zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges beitrug. Auch die Stadt Donauwörth erholte sich über die Jahrhunderte nur langsam von den Folgen der konfessionellen Auseinandersetzungen.

Von gegenseitigen Provokationen merkte man am Dienstag freilich nichts mehr. Die Geistlichen der beiden großen Konfessionen warben denn auch für echte Toleranz gegenüber anderen christlichen Konfessionen wie auch anderer Religionen. Exemplarisch erwähnt wurden hierbei die bei den Andachten anwesenden offiziellen Vertreter der rumänisch-orthodoxen Kirche sowie der hiesigen islamischen Gemeinde.

Viele weltliche Vereine und Gruppen

Für einen feierlichen Rahmen sorgten derweil auch die vielen Fahnenabordnungen kirchlicher und weltlicher Gruppen: Pfadfinder, Pilger, Schützen, Feuerwehren, Soldaten- und Reservistenkameradschaften, Chöre, Kapellen … – die Donauwörther Vereine waren in beeindruckend großer Zahl vor Ort, die Stadtkapelle sorgte zusammen mit weiteren Musikern und Chören in den Gotteshäusern und während des Umzugs zur Wörnitzbrücke für einen wahrlich würdigen Rahmen.

Dort, auf der in den Farben der Stadt geschmückten Brücke, präsentierte schließlich Oberbürgermeister Armin Neudert sodann das neue Schild für die „Friedensbrücke“. Der Rathauschef sprach sich für ein „gutes Miteinander in städtischer Liberalität“ aus. Er appellierte an die Bürger, selbst „Brückenbauer“ zu sein.

Zum Schluss wurde auf Initiative der Hilfsorganisation Aktion Anker eine sogenannte „Friedenslinde“ am Wörnitzspitz gepflanzt – auch in Anlehnung an einen solchen bereits 1871 auf dem Schellenberg gesetzten Baum.

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