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Nördlingen

24.11.2017

Neuer Vorwurf gegen früheren Stadtpfarrer Erber

Die Kirche St. Salvator in Nördlingen: Gegen den früheren Stadtpfarrer und Dekan Paul Erber, der bereits einen Fall von sexuellem Missbrauch eingeräumt hat, gibt es einen neuen Vorwurf.
Bild: Mack

Ein ehemaliger Nördlinger meldet sich bei der Heimatzeitung. Er schreibt, dass der Geistliche sexuell übergriffig wurde. Der katholische Dekan bestreitet das.

Seine Familie versorgt Hermann Keßler mit Nachrichten aus der Heimat. Wichtige Artikel oder teils ganze Seiten der Heimatzeitung erreichen den gebürtigen Nördlinger in der Ferne per Post. In den vergangenen Jahren hat Keßler immer wieder die Berichte über den katholischen Dekan Paul Erber gelesen – und sich gewundert, dass nie ein ähnlicher Fall öffentlich wurde, wie der, der schließlich am vergangenen Sonntag zur Sprache kam: Dass der Geistliche einen Jungen sexuell missbraucht hat. In einer Email an unsere Redaktion berichtet Hermann Keßler detailliert, dass der Pfarrer auch ihm gegenüber sexuell übergriffig geworden sei.

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17 Jahre sei er zu diesem Zeitpunkt alt gewesen, sagt der Familienvater am Telefon, damals habe er gerade die Realschule Nördlingen-Wemding abgeschlossen. Nach einer Klassenfeier auf der Alten Bürg sei er mit Erber, der damals Kaplan in Nördlingen war, nachts auf dem Weg zum Parkplatz gewesen. Völlig abrupt und unvorhersehbar habe der Geistliche Keßlers Hand genommen und sie sich selbst in den Hosenbund gesteckt. Keßler sagt, er habe seine Hand sofort weggezogen. Die ganze Szene habe sich in Sekunden abgespielt. Mit Erber habe er danach nicht mehr gesprochen, sich auch an niemand anderen gewandt: „Ich habe das einfach verdrängt.“ Doch der Moment habe ihn lange beschäftigt. Auch andere hätten den Kontakt mit dem Kaplan plötzlich abgebrochen, Keßler vermutet: „Ich kann nicht ausschließen, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt.“

Keine Gerüchte damals

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Eine Vermutung, die allerdings andere, die Erber als Kaplan in Nördlingen erlebt haben, als abwegig bezeichnen. Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre wurde kein Fall öffentlich, berichten mehrere Zeitzeugen übereinstimmend, es habe damals auch keine Gerüchte gegeben. Doch die Zeiten seien auch andere gewesen, meint einer. Der Sprecher der Diözese, Dr. Karl-Georg Michel, schreibt in einer Email an die Heimatzeitung: „Seit der am vergangenen Sonntag erfolgten Information der Pfarreiengemeinschaft Nördlingen haben sich weder beim Diözesanbischof, noch bei der Missbrauchsbeauftragten weitere Betroffene gemeldet.“ Sollte es weitere Opfer geben, bitte man sie, sich an den Bischof, die Missbrauchsbeauftragte, die Staatsanwaltschaft oder die Polizei zu wenden.

Paul Erber ist seit Montag im Ruhestand. Wo er sich genau befindet, wissen nur seine Vertrauten. Sie berichten ihm auch vom neuen Vorwurf gegen ihn. Daraufhin meldet sich der Pfarrer per Telefon bei der Zeitung. Man habe sich damals üblicherweise umarmt, sagt er über seine Zeit als Kaplan in Nördlingen. Doch an eine Szene, wie sie Keßler schildert, könne er sich nicht erinnern: „Da war nichts.“ Zudem sei ihm auch kein Hermann Keßler in diesem Alter bekannt.

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24.11.2017
Die Zeit ist reif, das Gesetz zu ändern. Es kann nicht sein, dass Kinder, die missbraucht werden, und Angst haben sich jemand anzuvertrauen und erst im erwachsenen Alter den Mut finden den Täter anzuzeigen, keine Chance haben andere vor diesem Schicksal zu bewahren. Der Täter kann sein Leben weiter leben und weiter sein Unwesen treiben. Das muss bestraft werden.
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